Politik

Justiz überfordert: Unerledigte Verfahren oder Einstellungen bei Staatsanwaltschaften auf Rekordhoch!

Die Staatsanwaltschaften kommen kaum noch hinterher. Die Aktenberge wachsen und wachsen: Zum Jahresende 2024 gab es einen traurigen Rekordstand von 950.852 unerledigter Verfahren. Im Zuge dessen nehmen Verfahrenseinstellungen zu. Der Richterbund schlägt Alarm.
04.09.2025 10:33
Lesezeit: 2 min
Justiz überfordert: Unerledigte Verfahren oder Einstellungen bei Staatsanwaltschaften auf Rekordhoch!
Die bundesweit höchste Zahl offener Verfahren gibt es in Nordrhein-Westfalen mit 267.000 Fällen. (Foto: dpa) Foto: Moonshine Media

Immer mehr unerledigte Verfahren bei Staatsanwaltschaften

Die Zahl unerledigter Fälle wächst nach Angaben des Deutschen Richterbundes weiter. Zur Jahreshälfte hat sich die Anzahl demnach bundesweit auf knapp 964.000 Verfahren erhöht. Damit sind im ersten Halbjahr 2025 nochmals rund 13.000 offene Fälle bei den Behörden hinzugekommen. Zum Jahresende 2024 war ein bisheriger Rekordstand von 950.852 unerledigten Verfahren erreicht worden.

Die Zahlen gehen auf eine Umfrage bei den Justizverwaltungen der Länder zurück, die die vom Richterbund herausgegebene „Deutsche Richterzeitung“ durchgeführt hat. Berücksichtigt wurden dabei nur die Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte, wie es hieß.

Laut Verband blieb auch die Zahl neuer Verfahren bei den Staatsanwaltschaften auf Rekordniveau: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres kamen mehr als 2,7 Millionen neue Fälle auf die bereits bestehenden Aktenberge hinzu. „Im Ergebnis ziehen sich viele Strafverfahren in die Länge und Verfahrenseinstellungen nehmen zu“, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Richterbundes, Sven Rebehn.

Meisten unerledigten Verfahren in NRW

Die bundesweit höchste Zahl offener Verfahren zum Stichtag 30. Juni gibt es nach den Angaben in Nordrhein-Westfalen mit knapp 267.000 Fällen. Seit dem Jahr 2021 ist dies ein Zuwachs von rund 40 Prozent (Ende 2021: 191.604).

Besonders schwierig ist die Entwicklung laut Richterbund in Hamburg: Dort wuchs der Berg unerledigter Fälle bis Ende Juni auf 64.404 Verfahren. Damit hat sich der Aktenstapel laut Richterbund in den vergangenen dreieinhalb Jahren fast verdreifacht (Ende 2021: 22.900 offene Verfahren).

Brandenburg reduziert offene Fälle

Auch Sachsens Staatsanwaltschaften schieben eine große Bugwelle vor sich her: Dort gab es nach den Angaben Ende Juni 45.952 offene Verfahren - eine Zunahme von 54 Prozent seit dem Jahr 2021. Lediglich in Brandenburg konnte der Trend umgekehrt und die Zahl der offenen Fälle (30. Juni 2025: 24.039) um gut ein Drittel reduziert werden.

Anlässlich der Zahlen fordert der Deutsche Richterbund eine schnelle Zusage der Länder für neue Stellen in der Justiz. Erst dann könnten die von der Bundesregierung zugesagten 450 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln fließen. „Die Strafjustiz darf nicht zum Flaschenhals bei der Kriminalitätsbekämpfung werden.“

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