Panorama

Abbrecherquote steigt weiter: Immer mehr verlassen die Schule ohne Abschluss

Die Zahl derjenigen, die nicht wenigstens mit einem Hauptschul- oder vergleichbarem Zeugnis die Schule verlassen, steigt weiter. Woran das liegt und welche Folgen das hat.
26.10.2025 08:07
Lesezeit: 2 min

Immer mehr verlassen die Schule ohne Abschluss

Die Zahl junger Menschen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, ist nach Daten des Statistischen Bundesamts weiter angestiegen. Demnach waren im Schuljahr 2023/2024 rund 62.000 Schülerinnen und Schüler betroffen, der höchste Stand der vergangenen zehn Jahre. Im Schuljahr davor waren es demnach knapp 56.000. Die Zahlen hatte das Bündnis Sahra Wagenknecht abgefragt, sie sind auch in den Datenbanken der Statistikbehörde zugänglich.

Abbrecherquote steigt von 5,5 auf 7,8 Prozent

Nicht nur die absolute Zahl der Abbrecher und Abgänger ohne Abschluss ist demnach gestiegen, sondern auch ihr Anteil gemessen an der Gesamtzahl der Absolventen. So verließen den Zahlen zufolge im Schuljahr 2013/2014 noch 5,5 Prozent der Schulabgänger die Schule, ohne mindestens einen Hauptschulabschluss zu haben, zehn Jahre später waren es 7,8 Prozent.

Beim Blick über einen längeren Zeitraum wird deutlich, dass es sich um ein Dauerproblem handelt: So lag der Anteil der Jugendlichen ohne Abschluss im Jahr 2006 schon bei 8 Prozent (mehr als 75.000 Betroffene), wie aus dem letzten Nationalen Bildungsbericht hervorgeht, der 2024 veröffentlicht wurde. Die Quote ging dann bis 2013 zurück und steigt seitdem – mit Unterbrechung der Corona-Jahre – wieder an.

„Jedes Jahr ein Fußballstadion mit Schülern ohne Abschluss“

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht sagte der DPA, „jedes Jahr ein großes Fußballstadion mit Schülern ohne Schulabschluss“, das sei ein Armutszeugnis für das Bildungssystem und hausgemachter Fachkräftemangel, wenn solche Potenziale verschenkt würden. „Die Bildungsministerin muss handeln und die Länderkollegen zu einem Bildungsgipfel im Kanzleramt einladen.“

Lehrerverband sieht fehlende Motivation als Ursache

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, sieht mehrere Gründe für die Situation. Manche Schüler kämen mit der deutschen Sprache nicht zurecht und seien deswegen vielleicht auch demotiviert, manche fühlten sich auch dem Land nicht zugehörig, manchen fehle eine Identifikation mit den gesellschaftlichen Werten. „Und dann gibt es diejenigen, die nicht die nötige Motivation haben, weil unsere Gesellschaft ihnen ja auch andere Optionen bietet.“ Düll nannte soziale Unterstützung oder auch die Möglichkeit, als unqualifizierte Kraft Geld zu verdienen.

Bildungsforscher sieht Gesellschaft in der Pflicht

Der Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Kai Maaz, sieht zwar auch die Betroffenen, aber vor allem Gesellschaft und Bildungssystem in der Pflicht. Ausgetragen werden dürfe das nicht auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen, sagte er der dpa.

Lernen baue auf Gelerntem auf und junge Menschen brächten oftmals nicht hinreichend Basiskompetenzen mit, die sich dann später auch nicht mehr kurzfristig erwerben ließen. „Wir müssen einfach besser werden, Kinder schon früh, noch vor der Schule zu fördern.“

Es gebe zudem nicht wenige junge Menschen, etwa aus geflüchteten Familien, die in einem späteren Alter ins Schulsystem gekommen seien und nicht die Möglichkeit gehabt hätten, von diesem System zu profitieren. Für diese brauche es spezifische Angebote.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Trump ändert Strategie im Iran-Krieg: Wird Ghalibaf zum Schlüsselakteur?
01.04.2026

Ein umstrittener Machtpolitiker aus Teheran rückt plötzlich in den Fokus der US-Strategie im Iran-Konflikt. Wird Mohammad Bagher Ghalibaf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF China: Warum der Konzern alles auf China setzt
01.04.2026

BASF investiert Milliarden in China und macht den Standort zum Schlüssel seiner Zukunft. Während dort Gewinne entstehen sollen, kämpft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preissturz an Polens Tankstellen vor Ostern: Ansturm auf Tankstellen läuft bereits
31.03.2026

In Polen gelten wegen der gestiegenen Spritpreise ab sofort gedeckelte Preise für Benzin und Diesel. Während polnische Haushalte...

DWN
Politik
Politik Zukunft Deutschland: Jugendliche immer pessimistischer - Zuversicht sinkt drastisch
31.03.2026

Junge Menschen blicken zunehmend skeptisch auf ihre Heimat. Das zeigt eine aktuelle Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Barmer Krankenkasse....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg setzt Märkte unter Druck: Warum Ölpreise steigen und Aktien fallen
31.03.2026

Ein Monat nach Beginn des Iran-Kriegs geraten Finanzmärkte, Aktien und Energiepreise weltweit unter spürbaren Druck. Welche konkreten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volkswagen Rüstungsindustrie: Warum der Autobauer auf Waffen setzt
31.03.2026

Volkswagen steht vor einem historischen Kurswechsel und prüft den Einstieg in die Rüstungsproduktion. Was als Rettung für Arbeitsplätze...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Syrische Fachkräfte: Stütze für den deutschen Arbeitsmarkt
31.03.2026

Syrer sind für Deutschland zum unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden. Laut Bundesagentur für Arbeit leisten bereits 320.000 syrische...