Wirtschaft

Angst vor Jobverlust: KI treibt Menschen ins krisenfeste Handwerk

Ein Hoffnungsschimmer gegen den Fachkräftemangel im Handwerk? Wie eine MyHammer-Umfrage belegt, werden handwerkliche Berufszweige wieder stärker als Karriereoption in Betracht gezogen. Ein Drittel der Befragten geben Angst vor einem Jobverlust durch KI als Grund für einen Quereinstieg ins Handwerk an. Warum der Arbeitsmarkt sich dreht.
04.11.2025 06:00
Lesezeit: 2 min
Angst vor Jobverlust: KI treibt Menschen ins krisenfeste Handwerk
Angst vor einem KI-bedingten Jobverlust: Demnach denkt fast jeder zehnte Deutsche über einen Quereinstieg ins Handwerk nach, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 14 Prozent. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Sorge um Jobs: KI bringt immer mehr Menschen ins Handwerk

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird von der Techbranche als die zukünftige Chance für Wirtschaft und Gesellschaft propagiert, jedoch nehmen Berufstätige KI zunehmend auch als Bedrohung wahr. Die Angst, dass der eigene Arbeitsplatz durch KI ersetzt wird, führt zur allgemeinen Jobunsicherheit, die aber auch eine große Chance für das vom Fachkräftemangel geplagte Handwerk darstellt. Denn laut einer aktuellen Studie denkt fast jeder zehnte Deutsche über einen Quereinstieg ins Handwerk nach. Dreht sich das Blatt?

KI befeuert Wunsch nach Jobwechsel bundesweit

Der Hauptgrund für die neue Attraktivität des Handwerks ist die wachsende Angst vor einem Arbeitsplatzverlust durch KI-Technologien: Insgesamt befürchtet rund ein Drittel der Befragten (32 Prozent) laut Umfrage von MyHammer, dass sich KI negativ auf ihre Karriere auswirken könnte – bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 39 Prozent.

Arbeitnehmer in diesen Bundesländern sorgen sich am meisten um ihren aktuellen Arbeitsplatz:

  • Bayern: 24 Prozent
  • Baden-Württemberg: 28 Prozent
  • Nordrhein-Westfalen: 32 Prozent
  • Niedersachen: sogar 42 Prozent

Reale Chance gegen den Fachkräftemangel?

Seit Jahren kämpft das Handwerk in Deutschland mit einem massiven Nachwuchsproblem. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Betriebe suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Jetzt könnte der anhaltende Fachkräftemangel im Handwerk eine überraschende Wendung nehmen, prognostiziert eine aktuelle Studie der Marktforschungsagentur Opinium im Auftrag der Handwerkerplattform MyHammer unter 2.000 Personen in Deutschland.

  • Demnach denkt fast jeder zehnte Deutsche über einen Quereinstieg ins Handwerk nach, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 14 Prozent.
  • Auch für Frauen werden handwerkliche Berufe zunehmend attraktiv. Bisher deutlich unterrepräsentiert, zeichnet sich jetzt ein positiver Trend ab: Fünf Prozent der Frauen denken laut Studie über einen beruflichen Wechsel ins Handwerk nach.
  • Dabei sind es besonders Berufe wie Elektriker, Installateur oder Schreiner, in denen wieder eine stabile Zukunftsperspektive gesehen wird.

Wolfgang Häse von MyHammer freut sich über die wachsende Bereitschaft zur Umschulung ins Handwerk: Während in vielen Bürojobs heute schon künstliche Intelligenz Routineaufgaben übernimmt, gelten handwerkliche Tätigkeiten als vergleichsweise krisensicher. Damit rückt das Handwerk wieder stärker in den Fokus als stabile, zukunftssichere Branche. „Wir predigen schon lange, dass eine Karriere im Handwerk eine hervorragende Wahl ist. Und das sowohl für junge Menschen als auch für jeden, der sich neu orientieren möchte“, erklärt Wolfgang Häse von MyHammer. „Flexible Arbeitszeiten, eine Ausbildung direkt am Arbeitsplatz und jede Menge Chancen, sich selbstständig zu machen, sind nur einige der Vorteile, die Handwerkerinnen und Handwerker genießen.“

Ein Hoffnungsschimmer für das Handwerk?

Bisher ist der Fachkräftemangel im Handwerk ein akutes Problem in Deutschland: 82 Prozent der Deutschen sehen ihn laut Studie als große Herausforderung. Besonders in den technischen Gewerken fehlen weiterhin Nachwuchskräfte. „Unsere aktuelle Umfrage deutet darauf hin, dass wieder mehr Menschen das Handwerk als potenzielle Karriereoption in Betracht ziehen. Trotzdem appellieren wir weiterhin an die Regierung, Schulen und Hochschulen, handwerkliche Berufe aktiv zu fördern, damit dieser Trend anhält“, so Häse.

Der wachsende Zuspruch könnte der Branche folglich Auftrieb geben. Sollte der Trend anhalten, könnten handwerkliche Berufe künftig wieder als attraktive und sichere Alternative zu Büro- und Digitaljobs gelten. In Zeiten, in denen Automatisierung viele Branchen verändert, wird das Handwerk damit zum Symbol für Beständigkeit und vielleicht zum Gewinner des technologischen Wandels.

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Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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