Finanzen

Bundesbank-Chef fordert spätere Rente: Längeres Arbeiten für den Wohlstand

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel spricht sich angesichts der schwachen deutschen Wirtschaft für ein längeres Arbeitsleben aus. „Wir müssen uns, auch wenn es unangenehm ist, ehrlich machen. Wir sind eine alternde Gesellschaft. Wir müssen aus Sicht der Bundesbank länger arbeiten, um uns den Wohlstand zu erhalten, den Generationen seit dem Ende des 2. Weltkriegs aufgebaut haben“, sagte Nagel im Gespräch.
03.11.2025 15:22
Lesezeit: 1 min

„Man muss es den Menschen in Deutschland zutrauen zu verstehen, wo die Herausforderungen liegen.“ Es gehe am Ende um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes, so Nagel. Wenn das nicht gelinge, würden Deutschland und Europa zurückfallen. Der Bundesbank-Chef hat wiederholt schnelle Reformen in Deutschland gefordert, darunter einen späteren Rentenbeginn.

„Werden im nächsten Jahr mehr Wachstum sehen“

Zugleich äußerte sich Nagel vorsichtig zuversichtlich für die Konjunktur. Die deutsche Wirtschaft könne jetzt auf einen moderaten Wachstumspfad einschwenken. „Wir werden sicherlich im nächsten Jahr mehr Wachstum sehen, wenn die Ausgaben in Zukunftsinvestitionen richtig gesetzt sind. Dann kann aus dem zarten Pflänzlein deutlich mehr werden.“

Die deutsche Wirtschaft steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Nach einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts 2023 und 2024 erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute im laufenden Jahr allenfalls ein Mini-Wachstum. 2026 rechnen sie dann wieder mit einem deutlichen Plus - nicht zuletzt wegen der geplanten staatlichen Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Die Bundesregierung erwartet 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent.

Kritik an einer möglichen ineffizienten Verwendung der Milliardenschulden komme zu früh, sagte Nagel. „Mir ist es einfach noch zu früh, jetzt hier in Sack und Asche zu gehen.“ Die Wirkung des Fiskalpakets komme erst noch. „Die Bundesregierung ist sich ihrer Verantwortung an der Stelle bewusst.“ Zuletzt hatten Ökonomen in einer Ifo-Umfrage die Erwartung geäußert, dass nur knapp die Hälfte der neuen Schulden in zusätzliche Investitionen fließt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...