Wirtschaft

Europa-Krise vertieft sich: JPMorgan warnt vor dramatischen Folgen für Amerika

Die Warnungen von JPMorgan Chef Jamie Dimon treffen Europa in einer Phase wachsender politischer Unsicherheit. Seine Kritik an der lähmenden Bürokratie und den strukturellen Schwächen der Europäischen Union richtet sich längst nicht mehr nur an Brüssel, sondern an Washington, das sich auf die Stabilität seines wichtigsten Verbündeten verlässt. Wer verstehen will, warum eine schwächelnde EU für die USA und die globale Wirtschaft gleichermaßen gefährlich werden kann, findet in Dimons Analyse eine klare Botschaft.
13.12.2025 05:51
Lesezeit: 2 min
Europa-Krise vertieft sich: JPMorgan warnt vor dramatischen Folgen für Amerika
Die Analyse von JPMorgan Chef Dimon zeichnet ein alarmierendes Bild der Europa-Krise. (Foto: dpa | Jim Lo Scalzo) Foto: Jim Lo Scalzo

Europa-Krise: Warum Jamie Dimon Alarm schlägt

JPMorgan Chef Jamie Dimon sieht Europa in einer Lage, die für die Vereinigten Staaten zu einer ernsten wirtschaftlichen Bedrohung werden könnte. Er kritisierte die langsame europäische Bürokratie, die Unternehmen, Investitionen und Innovationen vertrieben habe. Dimon sprach am Samstag auf dem Reagan Forum zur nationalen Sicherheit, so die DWN-Kollegen von Finance.si. Er erklärte, Europa habe ein gravierendes Problem. Die sozialen Sicherungssysteme seien zwar beeindruckend. Dennoch kehrten die Folgen der langen wirtschaftlichen Fehlanreize nun zurück.

Dimon leitet die größte amerikanische Bank und warnt seit Jahren davor, dass eine fragmentierte Europäische Union eines der wichtigsten globalen Risiken darstellt. In seinem diesjährigen Aktionärsbrief betonte er erneut, dass Europa mehrere schwere Probleme lösen müsse, um seine wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Am Wochenende lobte er zwar die Einführung des Euro und den europäischen Beitrag zu Frieden und Stabilität. Gleichzeitig warnte er jedoch, dass nachlassende militärische Anstrengungen und die zunehmenden Schwierigkeiten, innerhalb der Europäischen Union Einigungen zu erzielen, die Zukunft des Kontinents gefährden. Wenn Europa zerfalle, werde auch die Grundlage für das Prinzip "America first" verschwinden. Die Vereinigten Staaten würden dadurch stärker geschwächt als jeder andere, da Europa wirtschaftlich und politisch ein zentraler Verbündeter sei. Dimon forderte daher ausdrücklich mehr amerikanische Unterstützung. Eine schwache Europa-Krise schade den USA.

Europas Strukturprobleme und die US-Politik

In einem separaten Teil seiner Rede lobte Dimon die Maßnahmen von Präsident Donald Trump zur Reduzierung der Bürokratie in der amerikanischen Verwaltung. Seiner Einschätzung nach versuche die Regierung entschlossen, jene Teile des Staatsapparates zu reformieren, die den wirtschaftlichen Fortschritt gebremst hätten. Das könne gelingen, ohne die Sicherheit von Lebensmitteln, Banken oder anderen kritischen Bereichen zu gefährden. Die Regierung von Präsident Trump veröffentlichte mittlerweile eine neue nationale Sicherheitsstrategie. Sie fokussiert die amerikanischen Interessen stärker auf die westliche Hemisphäre und die Sicherung der eigenen Heimat. Europa beschreibt die Strategie als einen Kontinent, der sich auf gefährliche Weise in Richtung eines "zivilisatorischen Verschwindens" bewege.

Investitionen, Sicherheit und der Blick nach Deutschland

Parallel verstärkt JPMorgan die eigenen Investitionen in den amerikanischen Verteidigungssektor. Im Oktober kündigte die Bank an, in den kommenden zehn Jahren bis zu eintausendfünfhundert Milliarden Euro in Industrien zu lenken, die die wirtschaftliche Sicherheit und strategische Widerstandskraft der Vereinigten Staaten stärken. Das sind bis zu fünfhundert Milliarden Euro mehr, als der Konzern ursprünglich vorgesehen hatte. Dimon erklärte, es sei offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten zu abhängig von unsicheren Quellen für kritische Mineralien, Vorprodukte und industrielle Fertigung geworden seien. JPMorgan will bis zu zehn Milliarden Euro Eigenkapital bereitstellen, um Unternehmen bei Expansion, Innovation und strategischer Produktion zu unterstützen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen im Minus; Trump schießt gegen die Fed
04.09.2026

Spannung an der Wall Street: Was die Märkte jetzt bewegt und warum Anleger aufmerksam bleiben sollten.

DWN
Technologie
Technologie Samsung-Streit: Stadt darf vorerst keine neuen iPads kaufen
04.09.2026

Viele Kommunen setzen bei der Digitalisierung ihrer Schulen auf Tablets von Apple. Doch ein Rechtsstreit mit Samsung zwingt die Stadt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: Die vier wichtigsten Herausforderungen für Apples neuen Chef John Ternus
04.09.2026

Und so beginnt es. John Ternus hat Tim Cook offiziell als Vorstandschef von Apple abgelöst. Und was für ein Imperium er erbt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...