Politik

Militär belastet Flugsicherung – Bund soll mehr zahlen

Die Deutsche Flugsicherung drängt auf eine finanzielle Neuaufstellung und sieht den Bund stärker in der Pflicht. Vor allem die Kosten für militärische Mitnutzung der Infrastruktur seien bislang unzureichend abgedeckt, so Unternehmenschef Arndt Schoenemann.
23.01.2026 09:47
Lesezeit: 1 min

Die DFS bestreitet ihren Haushalt aber zu wesentlichen Teilen aus den Gebühreneinnahmen, die zivile Fluggesellschaften für Überflüge sowie Starts und Landungen zahlen müssen. Militärflüge werden den Verursachern zwar auch in Rechnung gestellt, machen aber wegen der geringen Zahl nur einen kleinen Teil von rund 5 Prozent der Einnahmen aus.

In einem bereits bei der Bundesregierung hinterlegten Konzept schlägt die DFS vor, dass der Bund 25 Prozent ihres Etats fest übernimmt, eine Summe von derzeit 350 Millionen Euro pro Jahr. Damit soll beispielsweise abgegolten werden, dass die Flugsicherung ihren hoheitlichen Auftrag erfüllt und beispielsweise die deutschen Flughäfen rund um die Uhr erreichbar hält. Sie überwacht zudem den deutschen Luftraum und betreibt dafür bundesweit die entsprechende Infrastruktur wie Radaranlagen.

Ohne zivile Lotsen geht es im Ernstfall nicht

"Auch die Kontrolle des extrem komplexen deutschen Luftraums im Bündnis- oder Verteidigungsfall wäre ohne die zivilen Lotsen nicht darstellbar", sagt der DFS-Chef. Eine eigenständige militärische Luftsicherung existiert in Deutschland, abgesehen von den Militärflughäfen, schon seit Jahren nicht mehr. Die zusätzlichen Bundesmittel sollten dem Konzept zufolge ab 2027 in den Bundeshaushalt eingebracht werden.

Militärische Anforderungen wachsen

"Die militärischen Anforderungen an uns wachsen massiv", berichtet Schoenemann, ohne auf heikle Sicherheits-Details einzugehen. Schon nach dem mutmaßlich russischen Cyberangriff auf die Büro-Infrastruktur des Unternehmens in Langen bei Frankfurt habe man zusätzliche Leute eingestellt und Technik angeschafft. Die Flugsicherungssysteme seien von dem Angriff im Jahr 2024 nicht betroffen gewesen. Hier finden gerade umfangreiche Investitionen statt.

Auf Entlastungen dürften bei einer Umsetzung des Konzepts die zivilen Fluggesellschaften hoffen, die ihre Flugsicherungsgebühren bislang auf ihre Passagiere umwälzen. Der DFS-Chef zeigt Verständnis für Forderungen, die Steuern und Gebühren für Flüge in Deutschland abzusenken: "Wenn der Staat die Infrastruktur der Flugsicherung von uns erwartet und sie nutzt, kann nicht alles von den Airlines bezahlt werden."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...