Playmobil-Stellenabbau: Werk in Deutschland schließt – gelingt der Weg aus der Krise?
Der fränkische Spielwarenhersteller Playmobil spricht von einer Trendwende nach Krisenjahren. Die Traditionsmarke blicke nach schwierigen Jahren positiv auf das kommende Geschäftsjahr. Einige Indikatoren sprächen dafür, dass die Trendwende geschafft sei, sagte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter vor der Eröffnung der weltgrößten Spielwarenmesse im Januar in Nürnberg. In diesem Jahr sollen die in vielen Ländern bekannten Spielfiguren und ihre Welten quasi zum Leben erweckt werden.
Playmobil sieht Trendumkehr nach Krisenjahren
Die Playmobil-Figuren gibt es seit 50 Jahren, in der letzten Zeit hatten diese nach Angaben von Kurter aber an Relevanz bei den Kindern verloren. Der Playmobil-Hersteller Horst Brandstätter Group büßte demzufolge in den vergangenen Jahren mehr als ein Drittel seines Umsatzes ein. Eine Neuausrichtung der Marke und Innovationen, die neue Zielgruppen ansprechen, sollen das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen.
Die Transformation sei noch nicht abgeschlossen, mache aber gute Fortschritte, sagte Kurter. Genaue Zahlen zum noch bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 nannte er nicht. Das wichtige Weihnachtsgeschäft sei aber positiv verlaufen. In den beiden Kernmärkten, dem deutschsprachigen Raum und Frankreich, habe es leicht über der Gesamtentwicklung des Marktes gelegen.
Für die strategische Neuausrichtung wird auch das Stammwerk in Dietenhofen geschlossen und die Fertigung verlegt. Die Entscheidung trifft 350 Beschäftigte und sorgt für Kritik der Gewerkschaft.
Playmobil beendet Produktion in Dietenhofen
Dass das Playmobilwerk in Dietenhofen (Mittelfranken) schließt, teilte die Horst Brandstätter Group erst Anfang der Woche mit. Die Unternehmensgruppe begründet den Schritt mit der wirtschaftlichen Situation. Die Fertigung von Kunststoffteilen wie den bekannten Figuren sei durch die gestiegenen Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Konzernleitung plant, interne Synergien zu nutzen und Abläufe an anderen Standorten zu bündeln. Die Logistik in Herrieden und die Verwaltung in Zirndorf bleiben laut Unternehmensangaben unverändert bestehen.
Die Gewerkschaft IGBCE kritisiert die angekündigte Werksschließung scharf: „Diese bedeute nichts anderes als das Ende der Spielwarenproduktion am Standort Dietenhofen und damit das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland.“
IGBCE: Gebrochene Verspechen und jahrelanges Missmanagement
Ein solcher Schritt war gegenüber der Belegschaft und dem Betriebsrat im Umstrukturierungsprozess eigentlich ausgeschlossen worden. Auf konkrete Nachfragen durch Belegschaftsvertreter zur Standortperspektive mauerte die Geschäftsleitung seit nunmehr einem dreiviertel Jahr. „Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Das werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat und unserem gewerkschaftlichen Netzwerk nicht ohne Widerstand zulassen.“, so Maximilian Krippner, Gewerkschaftssekretär der IGBCE in Nürnberg.
Die Mitarbeiter des von Horst Brandstätter († 2015) gegründeten Unternehmens hätten nur 20 Minuten vor einer Betriebsversammlung von dem geplanten Aus erfahren. Für die IGBCE eine Riesensauerei.
Playmobil-Stellenabbau: Wie geht es jetzt?
Der Stellenabbau als Teil der Neuausrichtung des Unternehmens läuft seit 2023. Damals gab die Horst Brandstätter Group bekannt, dass weltweit 694 Jobs gestrichen werden, wovon 369 in Deutschland entfallen. Auch in der Vergangenheit kritisierte die Gewerkschaft den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Von Unternehmensseite heißt es diesmal: „Der konstruktive Austausch mit der Arbeitnehmervertretung hat bereits begonnen. Die Unternehmensleitung wird gemeinsam mit dem Betriebsrat über eine sozialverträgliche Umsetzung verhandeln, einschließlich der Einrichtung einer Transfergesellschaft“, berichtet die Pressemitteilung der Horst Brandstätter Group weiter.
Im Juni soll die Produktionsverlagerung abgeschlossen sein. Mit dem Wegfall des Standorts Dietenhofen endet ein traditioneller Fertigungsplatz der Spielwarenindustrie. Das Werk war innerhalb der Playmobil-Produktion auf Kunststoffteile spezialisiert. Die Verlagerung zeigt, wie stark Produktionskosten kunststoffverarbeitende Unternehmen unter Druck setzen.
Playmobil will mit Innovationen neue Zielgruppen erobern
Als große Neuerung will Playmobil in diesem Herbst eine Technik herausbringen, die Spielwelten wie Piraten, Polizei, Reiterhof und Zoo mit Geräuschen und sprechenden Figuren in Deutsch, Englisch und Französisch lebendig werden lässt. Diese gibt Playmobil-Vorstand Bahri Kurter zufolge auch Impulse für neue Spielideen und erzählt Geschichten.
Nach dem Erfolg zur Europameisterschaft 2024 bringt Playmobil außerdem Nationalspieler-Sammelfiguren zur Weltmeisterschaft 2026 und die 18 Mannschaften der Bundesliga 2026/2027 auf den Markt. Zudem kündigte Kurter eine Zusammenarbeit mit dem US-Wrestling-Veranstalter WWE an und Playmobil-Figuren im Barbie-Stil.
Playmobil, und mit ihm seine lächelnden Figuren, gehört seit der Markteinführung 1974 zum festen Inventar deutscher Kinderzimmer. 2015 starb Firmenpatriarch Horst Brandstätter und hinterließ dem Konzern ein Milliardenvermögen. Der Unternehmensgründer galt als bodenständig und heimatverbunden. Ende der 50er Jahre produzierte er Hula-Hoop-Reifen, in den 70ern kamen die berühmten Playmobil-Männchen auf den Markt.


