Wirtschaft

Bauwirtschaft in Europa vor Aufschwung: Deutschland hinkt beim Wohnungsbau hinterher

Während die europäische Bauwirtschaft vor einer deutlichen Wachstumsphase steht, bleibt die Lage in der Bundesrepublik angespannt. Experten prognostizieren für den deutschen Wohnungsbau, dass die Talsohle erst im Laufe dieses Jahres durchschritten wird. Der Kontrast zwischen dem kontinentalen Boom und der heimischen Stagnation stellt Investoren und Projektentwickler vor neue Herausforderungen.
13.02.2026 11:28
Aktualisiert: 13.02.2026 11:28
Lesezeit: 5 min
Bauwirtschaft in Europa vor Aufschwung: Deutschland hinkt beim Wohnungsbau hinterher
Blick auf die Baustelle des ersten öffentlichen Gebäudes mit Carbonbeton vor beginn des Besuchs der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Foto: dpa). Foto: Robert Michael

Europäische Bauwirtschaft nimmt Fahrt auf

Für die europäische Bauwirtschaft geht es wieder aufwärts. Im laufenden Jahr wird dort ein reales Wachstum von 2,4 Prozent erwartet, wie die Forschergruppe Euroconstruct, zu der auch das Münchner Ifo-Institut gehört, mitteilt. Das wäre eine deutliche Verbesserung zu den nur 0,3 Prozent des vergangenen Jahres.

"Die europäische Bauwirtschaft schaltet 2026 aus dem Leerlauf direkt in den übernächsten Gang und hält dieses Tempo bis 2028 weitgehend durch", sagt Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. 2027 werden 2,2 Prozent erwartet, 2028 noch 1,9 Prozent.

Treiber sind sowohl der Wohnungs- als auch der Tiefbau. In beiden werde das Marktvolumen 2028 um jeweils 7,5 Prozent höher liegen als 2025. Ursache dafür seien das regional knappe Wohnraumangebot und der enorme Investitionsbedarf im Verkehrs- und Energiesektor. Der übrige Hochbau werde bis 2028 dagegen nur um 4,7 Prozent wachsen.

Unklar, was das Sondervermögen bringt

"Für die Bauwirtschaft in Deutschland ist noch unklar, welche Impulse das sogenannte Sondervermögen bringen wird, weil ein wesentlicher Teil nicht für Investitionen genutzt werden dürfte", sagt Dorffmeister. "Mit Blick auf den Verkehrsbereich machen sich die zusätzlichen Finanzmittel nur im Schienensektor positiv bemerkbar."

Die Untersuchung von Euroconstruct enthält auch eine Prognose zur Zahl der Wohnungsfertigstellungen in den einzelnen Ländern. In den 19 untersuchten Ländern wird sie demnach insgesamt von 1,44 Millionen im vergangenen Jahr kontinuierlich auf 1,66 Millionen in 2028 steigen. In Deutschland wird die Talsohle der Vorhersage nach allerdings erst im laufenden Jahr erreicht. 2026 steht demnach noch ein Rückgang um 20.000 auf 185.000 an, bevor es mit 205.000 Wohnungsfertigstellungen im Jahr 2027 und 215.000 im Jahr 2028 wieder aufwärtsgeht. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen hat zuletzt bereits angezogen. Es werde allerdings einige Zeit dauern, die Bauvorhaben auch umzusetzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...

DWN
Politik
Politik Erster AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt? Siegmund stellt sich zur Wahl
30.09.2026

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach seinem Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Dezember als Ministerpräsident...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aus für Bohai-Automotive: Werksschließung in Harzgerode
30.09.2026

Der Autozulieferer Bohai Automotive schließt sein Werk im Harz endgültig. Rund 550 Arbeitsplätze verschwinden an dem traditionsreichen...

DWN
Politik
Politik Neuordnung Pflegeversicherung beschlossen: Regierung bringt Pflegereform auf den Weg
30.09.2026

Die Bundesregierung gibt nach langem Ringen von Union und SPD grünes Licht für die geplante Pflegereform. Das Kabinett beschließt den...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Immobilienberatung: ChatGPT wählt einen Immobilienkredit – sinnvoll oder nicht?
30.09.2026

Ein Wohnungskauf für rund 803.000 Euro, eine hohe Eigenleistung und der Wunsch nach Kindern: Kann ChatGPT bei der Wahl des passenden...

DWN
Finanzen
Finanzen LPKF-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein: Verzögerte Aufträge belasten Ausblick
30.09.2026

Die LPKF-Aktie ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. Der Laserspezialist hat seine Prognose für 2026 deutlich gesenkt, weil sich...