Wirtschaft

Privatinsolvenzen steigen weiter deutlich an – 2026 neuer Höchststand erwartet

Steigende Lebenshaltungskosten, wachsende Unsicherheit und immer mehr finanzielle Engpässe: In Deutschland geraten zunehmend Haushalte unter Druck. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt deutlich – und Experten erwarten keine Entspannung. Droht vielen Verbrauchern eine dauerhafte Schuldenfalle?
27.02.2026 10:42
Lesezeit: 2 min

Privatinsolvenzen: Hohe Preise treiben mehr Menschen in die Schuldenfalle

Anhaltend hohe Energie- und Lebensmittelpreise treiben immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in die Schuldenfalle und letztlich in die Pleite. 107.816 Privatinsolvenzen wurden nach Angaben des Informationsdienstleisters Crif im vergangenen Jahr in Deutschland registriert. Das entspricht 7,8 Prozent mehr als 2024, und die Zahl der Privatinsolvenzen dürfte weiter steigen.

Die finanzielle Lage vieler Privatpersonen bleibt angespannt, sagt Crif-Deutschland-Geschäftsführer Frank Schlein: "Trotz einer grundsätzlich höheren Sparbereitschaft reichen die Rücklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen." Im Durchschnitt beliefen sich die Schulden der von Privatinsolvenzen Betroffenen auf rund 15.000 Euro.

Im laufenden Jahr noch mehr Verbraucherinsolvenzen erwartet

Für 2026 rechnet Crif derzeit mit 110.000 Privatinsolvenzen in Deutschland. Damit würde der Stand aus dem Jahr 2021 übertroffen, in dem es infolge einer Gesetzesänderung knapp über 109.000 Privatinsolvenzen gegeben hatte. Damals waren im Jahr zuvor zahlreiche Insolvenzanträge aufgeschoben worden, um von der ab dem 1. Januar 2021 geltenden Verkürzung der Restschuldbefreiung zu profitieren: Die Dauer des Verfahrens verkürzte sich von sechs auf drei Jahre.

Die Hauptursachen für Privatinsolvenzen bleiben laut Crif unverändert: Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung oder Scheidung sowie gesundheitliche Probleme. Diese Faktoren führen viele Betroffene in die Schuldenfalle und enden nicht selten in der Privatinsolvenz.

Junge Leute besonders oft von Privatinsolvenzen betroffen

Prozentual legten die Fallzahlen bei Privatinsolvenzen 2025 im Vergleich zum Vorjahr am stärksten bei den 18- bis 20-Jährigen zu (plus 52,6 Prozent) sowie bei den 21- bis 30-Jährigen (plus 28,6 Prozent). Ein möglicher Grund aus Sicht von Crif: Spontane Ratenkäufe. Angebote wie "Buy Now - Pay Later" ("Kaufe jetzt, bezahle später") wirken verlockend, vor allem wenn online mit wenigen Klicks bestellt werden kann und die Finanzierung zum Nulltarif beworben wird. Verbraucherschützer warnen regelmäßig, dass Konsumenten ihre finanzielle Leistungsfähigkeit überschätzen und mehr auf Pump kaufen, als sie sich leisten können – ein Risiko für spätere Privatinsolvenzen.

Die meisten Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr registrierte Crif im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 25.864 Fällen. Bezogen auf die Einwohnerzahl gab es die meisten Verbraucherpleiten in Bremen mit 201 Fällen je 100.000 Einwohner, die wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten demnach Bayern und Thüringen mit jeweils 86 je 100.000 Einwohner.

Privatinsolvenzen bleiben ein Warnsignal

Die Entwicklung der Privatinsolvenzen zeigt deutlich, wie stark viele Haushalte unter dem anhaltenden Kostendruck leiden. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise, wirtschaftliche Unsicherheit und individuelle Schicksalsschläge treiben zahlreiche Betroffene in die Schuldenfalle. Besonders alarmierend ist der starke Anstieg bei jungen Erwachsenen, die durch Konsumangebote und einfache Finanzierungsmodelle zusätzlich in finanzielle Risiken geraten. Auch wenn gesetzliche Regelungen wie die verkürzte Restschuldbefreiung Entlastung bieten, lösen sie nicht die strukturellen Probleme. Sollten Inflation und wirtschaftliche Schwäche anhalten, dürften Privatinsolvenzen weiter steigen – mit spürbaren Folgen für Verbraucher und Wirtschaft gleichermaßen.

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