Trump sendet widersprüchliche Signale im Iran-Krieg
Die Finanzmärkte zeigen derzeit großes Vertrauen darin, dass Präsident Donald Trump einen Rückzug aus dem Krieg gegen den Iran vorbereitet. Doch die Aussagen des US-Präsidenten bleiben widersprüchlich und lassen unterschiedliche Interpretationen zu. Für Investoren stellt sich damit eine zentrale Frage, die auch an den Märkten intensiv diskutiert wird.
Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um Kursrückgänge zu nutzen und darauf zu setzen, dass der Konflikt im Nahen Osten bald endet und die Märkte ihren Tiefpunkt bereits erreicht haben? Die Entwicklung der vergangenen Stunden deutet zumindest darauf hin, dass viele Marktteilnehmer genau diese Erwartung haben.
Die Marktreaktion am Montagabend, dem 9. März, schien diese Einschätzung zunächst zu bestätigen. Der Ölpreis gab nach, während die Aktienmärkte zulegten. In Europa ist es weiterhin Dienstagvormittag, der 10. März, doch möglicherweise reagieren die Märkte auf die politischen Signale ein oder zwei Schritte zu früh.
Uneinheitliche Aussagen der Kriegsparteien
Die grundlegenden Botschaften der drei wichtigsten Akteure in diesem Konflikt sind bislang alles andere als eindeutig. In den USA erklärte Präsident Donald Trump im Gespräch mit dem Fernsehsender CBS, der Krieg sei „nahe daran, beendet zu werden“. Zugleich betonte er, die USA lägen deutlich vor dem ursprünglich vorgesehenen Zeitplan von vier bis fünf Wochen.
Wie erwartet reagierten die Märkte positiv auf diese Aussagen. Viele Investoren interpretierten die Worte als Hinweis auf eine mögliche Entspannung der Lage, die den Druck auf Energiepreise und globale Lieferketten verringern könnte. Doch diese Einschätzung wird von den anderen Kriegsparteien bislang nicht bestätigt.
Die Antwort aus Teheran fiel deutlich schärfer aus. Die iranische Führung erklärte, allein der Iran entscheide darüber, ob der Krieg beendet werde. Solange die Angriffe der USA und Israels anhielten, werde man nicht zulassen, dass auch nur „ein Liter Öl“ aus dem Nahen Osten exportiert werde.
Israels strategisches Ziel bleibt der Regimewechsel
Auch aus Israel gibt es bislang keine offiziellen Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen der Krieg beendet werden könnte. In Tel Aviv gilt jedoch als offenes Geheimnis, dass das strategische Ziel darin besteht, das religiöse Regime im Iran zu stürzen. Hintergrund sind jahrzehntelange Drohungen aus Teheran gegen den israelischen Staat.
Israel begründet seine Haltung mit einem seit Langem andauernden Konflikt, der von iranischer Seite immer wieder angeheizt worden sei. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Einfluss der Revolutionsgarden und ihre Unterstützung regionaler Milizen verwiesen.
Die Ziele der USA erscheinen dagegen zunächst enger gefasst. Washington will nach eigenen Angaben vor allem das iranische Atomprogramm zerstören und verhindern, dass das Land Langstreckenraketen entwickelt, die auch amerikanisches Territorium erreichen könnten.
Präsident Trump erklärte zudem, er wolle einen iranischen Staatschef an der Spitze des Landes sehen, den er akzeptieren könne. Wer diese Rolle übernehmen könnte, bleibt jedoch offen. Als unwahrscheinlich gilt Ayatollah Mojtaba Khamenei, der als möglicher Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Khamenei gilt.
Widersprüchliche Signale aus Washington
Berichten zufolge soll der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Präsident Trump maßgeblich dazu bewegt haben, den Angriff auf den Iran zu unterstützen. Zu den ersten Zielen gehörte Ayatollah Ali Khamenei, der in den ersten Stunden des Krieges getötet wurde. Damit sollte offenbar die politische Führung des Landes erschüttert werden.
Inzwischen steht jedoch sein Sohn an der Spitze des Iran. Aus israelischer Sicht stellt sich daher die Frage, ob der militärische Einsatz tatsächlich einen strategischen Durchbruch gebracht hat. Die ursprünglichen Ziele des Angriffs erscheinen damit zumindest teilweise unerreicht.
Trump selbst sendet unterdessen widersprüchliche Botschaften. Wenige Stunden nachdem er gegenüber einem Fernsehreporter erklärt hatte, der Krieg sei „so gut wie abgeschlossen“, sagte er einem anderen Journalisten, man habe „noch nicht genug gewonnen“.
Der Präsident erklärte zudem, man werde „entschlossener denn je auf einen endgültigen Sieg hinarbeiten“. Diese Haltung bekräftigte er später auch auf seiner Plattform Truth Social. Dort schrieb Trump, der Iran würde im Falle einer Blockade der Straße von Hormus „zwanzigmal härter“ getroffen als bisher.
Iran setzt auf eine Strategie des wirtschaftlichen Drucks
In militärischen Konflikten ist es üblich, dass Regierungen ihre nächsten Schritte nicht offenlegen. Doch die Kommunikation aus Washington wirkt widersprüchlich. Einerseits versucht die US-Regierung, die Märkte zu beruhigen und steigende Energiepreise zu verhindern.
Andererseits entsteht der Eindruck strategischer Unsicherheit. Die Reaktionen aus dem Iran deuten dagegen auf eine deutlich entschlossenere Linie hin. Diese könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Weltwirtschaft haben.
Der Nahostexperte Fawaz Gerges von der London School of Economics erklärte gegenüber Reuters, die iranische Führung befinde sich in einer existenziellen Auseinandersetzung. Aus ihrer Sicht gehe es um das politische Überleben des Systems.
Der Seniorforscher Alex Vatanka vom Middle East Institute beschreibt die Lage ähnlich drastisch. Der Iran und seine Revolutionsgarden seien wie ein verwundetes Tier. Gerade deshalb könnten sie in dieser Phase besonders gefährlich reagieren.
Finanzmärkte setzen auf Trumps Rückzugsstrategie
Die Marktreaktionen am Dienstag, dem 10. März, deuten darauf hin, dass viele Investoren davon ausgehen, Trump suche erneut einen Weg aus der Eskalation. Ähnliche Entwicklungen waren bereits nach dem sogenannten Liberation Day sowie während der Zollkonflikte mit anderen Ländern zu beobachten.
Auch damals wurden zunächst harte Maßnahmen angekündigt, die später wieder abgeschwächt wurden. Viele Marktteilnehmer rechnen deshalb auch diesmal mit einem ähnlichen Verlauf. An den Finanzmärkten kursiert deshalb seit einiger Zeit die spöttische Abkürzung „Taco“ Sie steht für die Erwartung vieler Investoren, dass der Präsident in kritischen Momenten zurückweicht und einen politischen Kompromiss sucht.
Auch das Analysehaus TS Lombard vertritt diese Einschätzung. In einer von der Financial Times zitierten Analyse heißt es, Trump habe kein Interesse an steigenden Energiepreisen kurz vor den amerikanischen Zwischenwahlen.
Irans Strategie der maximalen wirtschaftlichen Kosten
Diese Einschätzung könnte jedoch einen entscheidenden Punkt unterschätzen. Der Iran verfolgt offenbar eine Strategie, die darauf abzielt, seinen Gegnern möglichst hohe wirtschaftliche Kosten aufzuerlegen. Dabei spielt vor allem die Straße von Hormus eine zentrale Rolle.
Die wichtige Meerenge ist bislang weder vermint noch durch iranische Kriegsschiffe blockiert worden. Doch bereits die Drohung Teherans, Schiffe auf dieser zentralen Handelsroute anzugreifen, reicht aus, um den Schiffsverkehr erheblich zu verunsichern.
Militärisch hat der Iran kaum Chancen gegen die Streitkräfte der USA. Wirtschaftlich kann das Land jedoch erheblichen Schaden anrichten. Eine Störung dieses zentralen Energiekorridors würde den Transport von Öl, Erdgas und zahlreichen Industriegütern massiv beeinträchtigen.
Unklar bleibt zudem, wie lange der Iran seine Angriffe mit Raketen und Drohnen fortsetzen kann. Nach Angaben amerikanischer Quellen wurde etwa die Hälfte des iranischen Raketenarsenals zerstört.
Steigende Risiken für Energiepreise und Weltwirtschaft
Andere Quellen erklärten jedoch gegenüber Reuters, der Iran verfüge weiterhin über genügend Raketen, um seine Angriffe noch mehrere Wochen fortzusetzen. Damit könnte der wirtschaftliche Druck auf die USA weiter steigen. Höhere Benzin- und Dieselpreise würden schnell auch andere Wirtschaftsbereiche belasten.
Steigende Energiepreise und gestörte Lieferketten würden nicht nur die USA treffen. Auch Europa und große Teile Asiens wären von solchen Entwicklungen unmittelbar betroffen.
Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft wären die Folgen besonders spürbar. Höhere Ölpreise, steigende Transportkosten und unsichere Handelsrouten könnten die Inflation erneut anheizen und die wirtschaftliche Erholung zusätzlich bremsen.
