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Pleitewelle überrollt Deutschland: Immer mehr Insolvenzen – Standort zu teuer

Immer mehr Betriebe wanken in die Pleite, wie der IWH-Insolvenztrend von Februar bestätigt. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen – besonders Bäckereien geben auf. Strom, Gas und Öl zum Backen sind zu teuer - ganz zu schweigen von den Zutaten. Die Folge: Traditionsunternehmen verschwinden für immer.
16.03.2026 06:00
Lesezeit: 3 min
Pleitewelle überrollt Deutschland: Immer mehr Insolvenzen – Standort zu teuer
IWH-Forscher zählten alleine für Februar 1.466 Insolvenzfälle in Deutschland. Zudem weisen die Zahlen daraufhin, dass im März weiterhin hohe Insolvenzzahlen zu erwarten sind. (Foto: dpa) Foto: Oliver Berg

Pleitewelle überrollt Deutschland: Insolvenzen steigen – Bäckereien sterben aus

Im Großen stirbt die Chemieindustrie- und im Kleinen die Bäckereien: Beides eine direkte Folge der zu hohen Produktionskosten in Deutschland. Bäckereien trifft es besonders hart, immer mehr Betriebe geben auf: Im Sauerland gab gerade die traditionsreiche Bäckerei-Kette Kayser bekannt alle Filialen zu schließen. 120 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Jetzt trifft es die nächste Traditionsbäckerei in Hessen: Eine der ältesten familiengeführte Bäckerei Deutschlands hat Insolvenz angemeldet. Nachwirkungen der Corona-Maßnahmen, hohe Energiekosten, der Mindestlohn und ein verändertes Konsumverhalten kulminieren nun im Ende der Bäckerei Breithaupt aus Darmstadt. Hoffnung auf eine Fortführung des Betriebs gibt es nicht. Das Traditionsunternehmen wird zur Jahresmitte schließen.

Traditionsbäckerei Breithaupt schließt nach 435 Jahren

Bereits in den letzten Monaten war es zu Einschnitten in der Struktur des Unternehmens gekommen. Medienberichten zufolge beschäftigte das Traditionsunternehmen, das auf insgesamt 435 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt, vor Kurzem noch rund 40 Angestellte in insgesamt sechs Filialen. Inzwischen sind nur noch das Darmstädter Hauptgeschäft und eine weitere Filiale mit insgesamt rund 20 Mitarbeitern aktiv.

Inhaberin Bettina Breithaupt nennt gegenüber Bild mehrere Gründe für die dramatische Entwicklung: einerseits die Corona-Maßnahmen, andererseits die politisch verantwortete hohe Kostenbelastung. „Mit Corona ging’s bergab“, erklärte die Inhaberin. Besonders die Lockdowns hatten dem Handwerk erheblichen Schaden zugefügt.

Bäckereisterben: Erheblicher Schaden durch Corona-Lockdown

Insbesondere Bäckerei-Cafés waren von den umfangreichen Lockdowns stark betroffen. Bei über 86 Prozent der von den Landesinnungsverbänden befragten Betriebe gingen die Einnahmen aus dem Verkauf von Kaffee, Heißgetränken sowie Snacks deutlich zurück. Auch die Bäckerei Breithaupt betrieb Café-Angebote, inklusive Frühstücksangebot. Insgesamt musste die Bäckereibranche vom Beginn der Coronakrise im Jahr 2020 bis Anfang 2021 demnach Umsatzeinbußen von rund 13 Prozent oder mehr als einer Milliarde Euro hinnehmen.

Desweiteren bereitete die steigende Kostenbelastung am deutschen Standort der hessischen Kultbäckerei Schwierigkeiten. Nach Abzug aller Kosten reiche es nicht mehr für notwendige Investitionen, so Breithaupt. Vor allem die hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie die überbordende Bürokratie entwickelten sich zu einem existenziellen Problem. Auch die steigenden Personalkosten – insbesondere die kontinuierliche Anhebung des Mindestlohns – machten sich bemerkbar, denn kaum eine Branche ist so personalintensiv wie das Bäckerhandwerk. Den finalen Todesstoß versetzte dem Geschäft das rückläufige Kaufverhalten der Kunden. Gegen günstigere Preise großer Ketten kommen echte Handwerksbetriebe nicht an.

Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der deutschen Bäckereibetriebe um rund 30 Prozent auf etwa 8.100 eingebrochen. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um sieben Prozent auf 200.700 zurück. Das geht aus dem Bäckerei-Monitor 2025 der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hervor.

IWH-Insolvenztrend: Zahl der Insolvenzen nehmem um 58 Prozent zu

Laut dem aktuellen IWH-Insolvenztrend sind im Februar die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland „außergewöhnlich stark“ um 5 Prozent gegenüber Januar angestiegen. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Februar der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl damit um 58 Prozent höher!

Die Forscher zählten alleine für Februar 1.466 Insolvenzfälle in Deutschland. Zudem weisen die Zahlen daraufhin, „dass im März weiterhin hohe Insolvenzzahlen zu erwarten sind. Im April und Mai ist ein weiterer Anstieg der Zahlen wahrscheinlich“, so Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung.

Fazit: So viele Handwerkspleiten wie seit 2014 nicht mehr

Die internen Frühindikatoren des Instituts weisen auf eine Fortsetzung des Negativtrends hin. Wahrscheinlich wird das Jahr 2026 die Zahl der Firmenpleiten von 2025 noch überholen: Da gab es im Handwerk so viele Insolvenzen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Die Zahl der Firmenpleiten stieg 2025 im Vergleich zu 2024 um 13,3 Prozent auf 4.950 Insolvenzen.

Wenn jahrzehntelang gut etablierte Unternehmen massenhaft aus dem deutschen Markt ausscheiden, weil die Rahmenbedingungen, die sie selbst nicht beeinflussen können, schuld am Niedergang sind - hat das nichts mehr mit gesunder Marktbereinigung zu tun. Es sind vor allem die deutlich gestiegenen Energie- und Materialkosten sowie die Lohnkosten, die die Liquidität kleiner Betriebe gefährden. Wenn hier die Politik nicht endlich entgegenwirkt, werden immer weniger Betriebe und damit Arbeitsplätze überleben. Der Mittelstand gibt auf: Es ist keine Schockwelle, sondern ein schleichender Rückzug - für immer.

Der monatliche IWH-Insolvenztrend gilt als Frühwarnsystem für das Insolvenzgeschehen in Deutschland. Er basiert auf Auswertungen der elektronischen Bekanntmachungen der Amtsgerichte und verbindet diese mit Unternehmensdaten.

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