Technologie

Windkraft-Ausbau und Verschiebung des Öl-Embargos

Deutschland beschleunigt den Ausbau von Windkraft, während die Ölpreise global steigen. Politische und geopolitische Spannungen verschärfen den Druck auf die Energiewende.
24.03.2026 17:23
Lesezeit: 2 min

Reiche plant Schub für Windkraft an Land

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Ausbau der Windkraft in Deutschland deutlich beschleunigen. "Wir stehen klar zu den Ausbauzielen und geben insbesondere der Windenergie an Land bis 2030 einen zusätzlichen Boost von bis zu 12 Gigawatt", sagte Reiche. Sie bezeichnete dies als ein wichtiges Signal für den Standort Deutschland, für mehr Resilienz und ein zukunftsfähiges Energiesystem.

Am Mittwoch wird erwartet, dass Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vorstellt, mit dem sichergestellt werden soll, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht.

Reiches Ankündigung könnte zusätzliche Ausschreibungen für Windräder an Land nach sich ziehen. Mehrere Bundesländer hatten gefordert, kurzfristig zusätzliche Ausschreibungskapazitäten zu schaffen, um genehmigte und weit fortgeschrittene Projekte zügig umzusetzen. Andernfalls drohe ein Realisierungsstau.

2025 hatten Branchenverbände zufolge so viele neue Windräder Genehmigung erhalten wie nie zuvor – viele davon sind jedoch noch nicht gebaut und ans Netz gegangen.

Ministerin: Energie dort ausbauen, wo sie gebraucht wird

Ende 2025 lag die in Windrädern installierte Gesamtleistung Branchenverbänden zufolge bei rund 68 Gigawatt. Damit drohen die gesetzlichen Ziele für 2026 verfehlt zu werden: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für dieses Jahr eine installierte Leistung von 84 Gigawatt vor, bis 2030 soll sie auf 115 Gigawatt steigen.

Reiche betonte, der Ausbau erneuerbarer Energien müsse systemdienlich erfolgen. "Energie muss dort zugebaut werden, wo sie tatsächlich benötigt wird. Wir dürfen den Verbrauchern und der nächsten Generation keine unnötigen Systemkosten in Milliardenhöhe zumuten."

Die Ministerin will den Zubau von Wind- und Solaranlagen stärker an den hinterherhinkenden Netzausbau anpassen und Kosten senken. Teure "Abregelungen" sollen vermieden werden. Ihre Pläne für ein Netzpaket stehen jedoch in der Kritik: Umweltverbände und die Grünen werfen Reiche vor, die Energiewende auszubremsen.

Globale Ölmarkt-Unsicherheiten treffen Europa

Während Deutschland versucht, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, zeigen sich die Spannungen auf den globalen Energiemärkten drastisch. Der Iran-Krieg hat die Versorgung mit Öl erheblich gestört, und die EU-Kommission verschiebt deshalb die Vorlage für ein vollständiges und dauerhaftes Verbot russischer Ölimporte. Ursprünglich für den 15. April geplant, wurde die Präsentation auf unbestimmte Zeit verschoben, wie aus einer Terminübersicht der Brüsseler Behörde hervorgeht. Ein neues Datum nannte die Sprecherin nicht, ebenso wenig die Gründe für die Verzögerung.

Denkbar ist, dass sowohl die instabile Lage auf dem Weltölmarkt als auch die Kritik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban eine Rolle spielen. Bis zuletzt bezogen noch Ungarn und die Slowakei Öl aus Russland. 2022 hatte die EU zwar ein weitgehendes Einfuhrverbot beschlossen, allerdings mit entsprechenden Ausnahmen.

Größte Versorgungsstörung seit Jahrzehnten

Der Iran-Krieg stört die weltweite Ölversorgung massiv. Die Internationale Energieagentur (IEA) sprach Mitte des Monats von der "größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes". Die Golfstaaten haben die Ölproduktion um mindestens zehn Millionen Barrel pro Tag gedrosselt, da der Transport durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen ist.

Vor dem Krieg wurden täglich rund 20 Millionen Barrel Öl durch die Meeresenge transportiert, nun fließt nur noch ein Rinnsal. Als Reaktion darauf hat die IEA eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freigegeben, um die Versorgung zumindest teilweise zu stabilisieren.

Die Entwicklung verdeutlicht, wie eng die nationale Energiewende mit globalen Marktbedingungen verknüpft ist: Während Deutschland verstärkt auf Windkraft setzt, können geopolitische Krisen wie der Iran-Krieg kurzfristig die Versorgungssicherheit bedrohen und den Druck auf die Energiewende erhöhen.

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