BASF China: Milliardeninvestition im wichtigsten Chemiemarkt
Der deutsche Chemiekonzern BASF hat im südchinesischen Zhanjiang einen neuen Industriekomplex eröffnet, der entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sein könnte. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si unter Berufung auf das Handelsblatt. China gilt als wichtigster Chemiemarkt der Welt, zudem stammt bereits rund die Hälfte der globalen Produktion aus dem Land, mit weiter steigender Tendenz. Wer dort nicht präsent ist, verliert international an Bedeutung. BASF investierte in den Standort 8,7 Milliarden Euro und damit etwas weniger als die ursprünglich geplanten zehn Milliarden Euro. Das Projekt wurde 2018 angekündigt und trotz Pandemie ohne Verzögerungen umgesetzt. Es handelt sich um die größte deutsche Investition in China.
Grüne Chemie China: Energieversorgung senkt Kosten und Emissionen
Eine Besonderheit des neuen Komplexes ist die vollständige Versorgung mit erneuerbarer Energie. BASF errichtete gemeinsam mit einem chinesischen Partner einen Windpark mit einer Leistung von 500 Megawatt. Dadurch sollen die Emissionen um bis zu 50 Prozent sinken und gleichzeitig die Energiekosten reduziert werden. Auf einem Banner zur Eröffnung des Werks heißt es: "Für die sozialistische Modernisierung im Geiste des 20. Zentralkomitees." Die Gewinne aus dem chinesischen Standort will BASF unter anderem nutzen, um die Stammwerke in Ludwigshafen zu modernisieren. Dort plant der Konzern Investitionen in Milliardenhöhe und will sich als Zentrum für grüne Chemie positionieren. Gleichzeitig schreibt der deutsche Teil des Unternehmens weiterhin rote Zahlen.
BASF China Strategie: Wachstum trotz Risiken und Preisdruck
BASF ist seit rund 140 Jahren in China aktiv und erzielte dort lange Zeit besonders hohe Margen. Der Bau des neuen Werks fällt jedoch in eine Phase schwächeren Wachstums. Nach inoffiziellen Angaben liegt die Profitabilität aktuell unter den Erwartungen. Die Umsätze in der Region China inklusive Macao und Hongkong gingen von 8,6 auf 8,2 Milliarden Euro zurück. Dennoch rechnet der Konzern damit, dass der neue Standort bis 2030 einen Gewinn zwischen einer Milliarde und 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Diese Prognose gilt als ambitioniert, da die chinesische Chemieindustrie unter erheblichen Überkapazitäten leidet. Unternehmen produzieren mehr, als der Markt aufnehmen kann, weshalb die Preise seit über 40 Monaten unter Druck stehen.
Gleichzeitig sieht BASF weiterhin höhere Erträge in China als in anderen Regionen. Vorstandschef Markus Kamieth hofft auf eine Belebung der Inlandsnachfrage, auch im Zuge des neuen Fünfjahresplans der chinesischen Regierung. Allerdings blieben entsprechende Impulse bislang begrenzt.
Der neue Komplex könnte zudem in der aktuellen geopolitischen Lage Vorteile bieten. Angesichts von Spannungen im Nahen Osten könnte die Anlage weniger abhängig von Rohstoffen aus dem Persischen Golf sein. BASF installierte in Zhanjiang einen neuen Steamcracker, der neben klassischen Rohstoffen auch Alternativen wie Butan verarbeiten kann. In solchen Anlagen werden fossile Ausgangsstoffe in chemische Grundstoffe aufgespalten, die anschließend in integrierten Produktionsketten weiterverarbeitet werden, etwa zu Kunststoffen für die Automobilindustrie, Medizinprodukte oder Konsumgüter.
Ein weiterer Vorteil ist die strategische Lage. Der Standort beliefert vor allem die Industrie in der Provinz Guangdong, einem der wichtigsten Industriezentren Chinas mit zahlreichen Kunden aus der Automobilbranche, Verpackungsindustrie, Textilproduktion sowie aus den Bereichen Klebstoffe, Lacke und Kosmetik. Im Unterschied zur bisherigen Produktion in Nanjing, die in einem Gemeinschaftsunternehmen organisiert war, gehört das neue Werk vollständig BASF. Ein Grund dafür ist der Schutz technologischen Know-hows.
Kritik an einer möglichen zu starken Abhängigkeit von China weist Konzernchef Kamieth zurück. Derzeit erzielt BASF rund 14 Prozent seines Umsatzes in China. Dieser Anteil soll künftig auf etwa 20 Prozent steigen, während Europa der wichtigste Markt bleibt. Laut Kamieth handelt es sich nicht um eine Verlagerung von Produktion aus Deutschland nach China, sondern um eine Reaktion auf die schwächere Nachfrage in Europa. Auch geopolitische Risiken, etwa im Zusammenhang mit Taiwan, bewertet er als gering.
Der Großteil des technologischen Know-hows für das Projekt stammt weiterhin aus Ludwigshafen. Rund 80 Prozent der Forschung und Entwicklung verbleiben dort. Dennoch stehen die deutschen Standorte unter Druck. Entlassungen sind derzeit nicht geplant, jedoch muss der Konzern seine Verluste ausgleichen. Im vergangenen Jahr verzeichnete BASF in Deutschland ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Diese Summe entspricht in etwa dem Gewinn, den der Konzern bis 2030 in China erzielen will.
Für Deutschland zeigt sich damit ein zentrales Spannungsfeld. Einerseits bleibt Ludwigshafen das Herz der Forschung und Entwicklung. Andererseits verlagert sich das Wachstum zunehmend nach Asien, insbesondere nach China. Konkrete politische oder wirtschaftliche Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie werden im Ausgangstext nicht genannt. Dennoch verdeutlicht die Entwicklung, wie stark globale Standortentscheidungen inzwischen von Energiepreisen, Nachfrage und geopolitischen Rahmenbedingungen abhängen.
Die BASF China Strategie wird zum Schlüssel für die Zukunft des Konzerns. Während das Wachstum in Asien neue Chancen eröffnet, steigt zugleich der Druck auf die deutschen Standorte, sich im globalen Wettbewerb neu zu behaupten.

