Wie Pensionsfonds funktionieren und warum Zeit ihr größter Vorteil ist
Die zusätzliche Altersvorsorge gehört zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen im Leben. Viele Menschen denken beim Thema Ruhestand zuerst an die staatliche Rente. Genau hier liegt jedoch das Problem, denn die Leistungen aus der ersten Säule reichen oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Deshalb werden Pensionsfonds und zusätzliche Rentenversicherungen für private Haushalte immer wichtiger. Sie sollen die staatliche Rente nicht ersetzen, sondern ergänzen. Gerade weil die Einkommenslücke im Alter für viele spürbar größer wird, gewinnt die langfristige Zusatzvorsorge deutlich an Gewicht.
„Die freiwillige zusätzliche Rentenversicherung lässt sich am einfachsten als Lösung verstehen, um die Einkommenslücke zu schließen, die nach dem Renteneintritt zwischen dem früheren Gehalt und der staatlichen Rente entsteht“, sagt Žiga Godec, Leiter des internen Vertriebsnetzes bei der Versicherung PRVA.
Er ergänzt, dass die Generation, die derzeit in Rente geht, im Schnitt rund 40 Prozent weniger erhält als die Einkommen, an die sie während ihrer Erwerbsjahre gewöhnt war und die für ihren bisherigen Lebensstandard maßgeblich waren.
Zweite und dritte Säule klar trennen
In der Praxis werden zweite und dritte Säule oft miteinander verwechselt. Der Unterschied ist jedoch wesentlich. Die zweite Säule bezeichnet die freiwillige zusätzliche Rentenversicherung, die ausdrücklich auf eine ergänzende Altersrente ausgerichtet ist. Die dritte Säule umfasst dagegen allgemeinere Formen des langfristigen Sparens und Investierens, die ebenfalls dem Alter dienen können, aber nicht derselben Rentenlogik folgen.
„Es handelt sich um zweckgebundenes Sparen und um die einzige Form des Sparens, die unser Staat mit einer steuerlichen Erleichterung fördert. Damit ist zugleich auch der wichtigste Unterschied zur dritten Säule erklärt. Dort kann ebenfalls für eine zusätzliche Rente oder für jeden anderen Zweck gespart werden, doch eine steuerliche Begünstigung als Belohnung für das Sparen gibt es dort nicht“, sagt Godec.
Gerade dieser steuerliche Anreiz macht die zweite Säule besonders. In sie können Unternehmen oder Privatpersonen einzahlen. Anspruch auf die steuerliche Begünstigung haben neben Beschäftigten und Selbstständigen auch Studierende, die auf Honorarbasis arbeiten. Die erste Säule bleibt zwar das Fundament des Systems, doch die zweite Säule gewinnt an Bedeutung, weil sie gezielt die Versorgungslücke im Alter schließen soll.
Wie die Fonds arbeiten
Die Grundlogik der Pensionsfonds ist einfach. Die Beiträge werden auf einem persönlichen Konto gesammelt und über die Jahre angelegt. Die Einzahlungen können dabei aus zwei Richtungen kommen. Entweder zahlt das Unternehmen für den Beschäftigten ein, oder der Einzelne übernimmt die Beiträge selbst. Möglich ist auch eine Kombination aus beiden Varianten.
„Bei der kollektiven Versicherung schließt das Unternehmen den Vertrag mit der Versicherung oder der Pensionsgesellschaft ab und ist zugleich der Prämienzahler für seine Beschäftigten. Bei der individuellen Versicherung ist der Einzelne sowohl Vertragspartner als auch Prämienzahler. Möglich ist auch eine Kombination, bei der ein Teil der Prämie vom Unternehmen und ein Teil vom Beschäftigten selbst gezahlt wird“, erklärt Žiga Godec.
Für diese Form der Vorsorge gilt eine Obergrenze, bis zu der steuerliche Begünstigungen möglich sind. „In dieses System können jährlich höchstens 3.224,18 Euro beziehungsweise 268,68 Euro pro Monat eingezahlt werden, wenn man weiterhin Anspruch auf steuerliche Begünstigungen haben will“, sagt der Gesprächspartner von Prva zavarovalnica.
Zusätzliche private Einzahlungen seien sinnvoll, da die Beiträge der Arbeitgeber in vielen Fällen nicht ausreichen, um den gesamten Vorsorgebedarf für eine spätere Zusatzrente vollständig und in ausreichendem Umfang abzudecken.
Warum der frühe Einstieg so wichtig ist
Der größte Vorteil von Pensionsfonds liegt nicht in einem einzelnen Produktmerkmal, sondern in der Zeit. Je länger die Laufzeit, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt. Dann wächst nicht nur das eingezahlte Kapital, sondern auch die bereits erzielten Erträge. Genau daraus ergibt sich auf lange Sicht der entscheidende Unterschied.
Wer früh mit dem Sparen beginnt, kann ein bestimmtes Ziel mit deutlich geringeren monatlichen Beiträgen erreichen. Wer spät anfängt, muss in den letzten Berufsjahren spürbar mehr zurücklegen, um auf dieselbe zusätzliche Rente zu kommen. Deshalb ist bei der Altersvorsorge oft nicht die erste Frage entscheidend, welches Produkt gewählt wird, sondern wann mit dem Aufbau begonnen wird.
Nach Einschätzung von Godec liegt genau hier das Hauptproblem vieler Sparer. Nicht unbedingt zu niedrige Arbeitgeberbeiträge seien das Kernproblem, sondern vor allem der späte Start. Pensionsfonds funktionieren vor allem dann gut, wenn sie als langfristiges Vorsorgeinstrument verstanden werden und nicht als Lösung, an die erst kurz vor dem Ruhestand gedacht wird.
Lebenszyklusfonds senken das Risiko
Weil das Rentensparen über Jahrzehnte läuft, können die Mittel nicht über den gesamten Zeitraum gleich angelegt werden. Genau deshalb spielen Lebenszyklusfonds eine zentrale Rolle. Ihr Prinzip ist einfach. Das Anlagerisiko wird an das Alter des Sparers angepasst. In jungen Jahren ist ein höherer Aktienanteil möglich, später wird schrittweise vorsichtiger investiert.
„Sie sind eine Lösung, die es einem weniger informierten Sparer ermöglicht, in der freiwilligen zusätzlichen Rentenversicherung bei moderatem Risiko optimale Erträge zu erzielen. Die Mittel werden nämlich entsprechend dem Alter des Kunden auf die Fonds verteilt“, erklärt der Leiter des internen Vertriebsnetzes bei Prva zavarovalnica.
In jüngeren Jahren sind die Mittel deshalb meist stärker in Aktien investiert, weil bis zum Ruhestand noch genug Zeit bleibt, um Kursschwankungen auszugleichen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil riskanter Anlagen, während sicherere Instrumente stärker ins Gewicht fallen. Einige Jahre vor dem Ruhestand steht dann vor allem der Werterhalt des bereits angesparten Vermögens im Mittelpunkt.
Garantierte Rendite ist nicht automatisch besser
Auf den ersten Blick wirkt eine garantierte Rendite wie die sicherste Lösung. Beim langfristigen Sparen ist das Bild jedoch komplizierter. Fällt der Ertrag zu niedrig aus, verliert das Vermögen real an Wert, weil die Inflation die Rendite aufzehrt. Sicherheit auf dem Papier kann damit langfristig teuer werden.
„In der Praxis fast nie“, antwortet Godec auf die Frage, wann eine garantierte Rendite sinnvoll sei. Bei langen Laufzeiten sei eine solche Entscheidung finanziell meist nicht sinnvoll. Zwar könne das Vermögen in einem garantierten Fonds nicht unter die Summe der eingezahlten Prämien fallen. Langfristig sei es dort jedoch schwer, die reale Kaufkraft des Geldes zu erhalten.
Deshalb erscheint eine garantierte Rendite in der Regel vor allem in den letzten Jahren vor dem Ruhestand sinnvoll. Dann geht es weniger um zusätzliches Wachstum als um den Schutz des bereits aufgebauten Vermögens. Über längere Zeiträume hinweg sind höhere Ertragschancen für viele Sparer wichtiger als die scheinbare Sicherheit einer Garantie.
Kosten und Wechselmöglichkeiten
Viele Sparer sorgen sich auch um die Kosten. Diese sind bei der zusätzlichen Rentenvorsorge jedoch gesetzlich gedeckelt. „Die höchstzulässigen Kosten der zusätzlichen Rentenvorsorge sind gesetzlich begrenzt“, erklärt Dubravka Derossi Uršič, Exekutivdirektorin für Vertrieb und operatives Marketing bei Modra zavarovalnica.
„Die Abschlusskosten werden als Prozentsatz des Einzahlungsbetrags berechnet und dürfen nicht mehr als drei Prozent betragen, in der Praxis liegen sie aber deutlich niedriger. Die Ausstiegskosten sind auf ein Prozent des Auszahlungsbetrags begrenzt.
Die jährliche Verwaltungsgebühr sinkt zusätzlich. Im Jahr 2026 darf sie 0,9 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Nettovermögens des Fonds nicht überschreiten, ab 2027 wird sie auf 0,8 Prozent begrenzt sein.“ Wichtig ist außerdem, dass Sparer nicht an einen einzigen Anbieter gebunden sind.
„Beim Übertrag von Mitteln zwischen Pensionsfonds verschiedener Verwalter haben weder der bisherige noch der neue Verwalter Anspruch auf Abschluss oder Ausstiegskosten“, betont Derossi Uršič. Zulässig ist lediglich eine Verwaltungsgebühr für den Übertrag, die 15 Euro nicht überschreiten darf.
Wie das Geld ausgezahlt wird
Die zusätzliche Rentenversicherung ist kein klassisches Sparkonto, von dem jederzeit Geld abgehoben werden kann. Das angesparte Kapital ist für die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben gedacht. „Der Ruhestand kann altersbedingt, beruflich oder wegen Erwerbsunfähigkeit erfolgen. Die Person muss einen Rentenbescheid des Zpiz erhalten und ihn dem Anbieter der zusätzlichen Rentenversicherung vorlegen“, erklärt Derossi Uršič.
Die Grundform der Auszahlung ist eine Rente. Möglich sind eine klassische Rente, eine klassische Rente mit Vererbbarkeit und eine beschleunigte Rente. Bei der letzten Variante erhält der Versicherte anfangs höhere monatliche Beträge und danach eine niedrigere Zahlung bis ans Lebensende. Welche Form gewählt wird, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab.
Mit den jüngsten Änderungen der Rentengesetzgebung wurde die Auszahlung flexibler gestaltet. „Nach der neuen Regelung ist die Auszahlung nicht mehr zwingend ausschließlich an eine lebenslange Rente gebunden, sondern das Gesetz ermöglicht mehr Flexibilität bei der Wahl der Auszahlungsform“, sagt Derossi Uršič. Dennoch bleibt die Zusatzrente der eigentliche Kern dieses Produkts.
Steuervorteile in Sparphase und Ruhestand
Die zweite Säule ist nicht nur wegen der langen Laufzeit interessant, sondern auch wegen ihrer steuerlichen Logik. Der Vorteil greift bereits während der Ansparphase. „Steuerliche Vorteile erwarten uns sowohl in der Sparphase als auch in der Rentenphase“, sagt Godec. Während der Einzahlungsphase kann der Einzelne steuerliche Erleichterungen geltend machen.
Auch im Ruhestand bleiben steuerliche Vorteile bestehen. Nach Angaben von Godec berücksichtigt der Staat bei der ausgezahlten Rente eine Steuerbegünstigung von 50 Prozent. Das bedeutet, dass nur die Hälfte der Zusatzrente in die steuerliche Bemessung einfließt. Gerade dadurch bleibt die zweite Säule auch in der Auszahlungsphase attraktiv.
Derossi Uršič erläutert dies präziser: „Aus steuerlicher Sicht gilt derzeit weiterhin, dass die Hälfte des Betrags der Rentenzahlung von der Besteuerung ausgenommen ist, während der Rest in die steuerliche Bemessungsgrundlage des Rentners einfließt. Bei kleineren Beträgen wird im Laufe des Jahres keine Einkommensteuervorauszahlung abgeführt, die endgültige Berechnung nimmt die Finanzverwaltung vor.“
Warum die Einmalzahlung nicht im Mittelpunkt steht
Eine einmalige Auszahlung ist zwar möglich, aber sie ist nicht der eigentliche Zweck dieser Vorsorgeform. Gerade hier besteht oft ein Missverständnis. Viele Menschen sehen die zweite Säule noch immer als eine Art besonderes Sparkonto für einen späteren Einmalbetrag. Genau dafür ist sie jedoch nicht gedacht.
„Die Mittel in der zusätzlichen Rentenversicherung sind für die Nutzung beim Eintritt in den Ruhestand bestimmt, und zwar in Form einer Rente, die das Mitglied bis ans Lebensende erhält“, betont Derossi Uršič. Bei individuell eingezahlten Mitteln ist eine Einmalzahlung zwar möglich, steuerlich ist sie jedoch deutlich weniger attraktiv als die laufende Rentenzahlung.
Damit wird klar, dass die zweite Säule keine allgemeine Reserve für unvorhergesehene Lebenslagen sein soll. Sie ist als zweckgebundene Vorsorge für die Zeit nach dem Erwerbsleben konzipiert. Ihre Stärke liegt in der planbaren, langfristigen Ergänzung der staatlichen Rente.
Demografischer Druck erhöht auch in Deutschland die Relevanz
Am Ende zeigt sich, dass die größte Stärke von Pensionsfonds in der Verbindung aus Zeit, Disziplin, schrittweiser Risikoreduzierung und steuerlichen Anreizen liegt. Es geht nicht um einen schnellen Effekt, sondern um einen langen Aufbau über Jahrzehnte. Genau darin liegt ihr zentraler Nutzen.
Auch für Deutschland ist diese Logik relevant. Der demografische Druck auf die gesetzlichen Systeme wächst, und die Debatte über zusätzliche private Vorsorge dürfte weiter an Schärfe gewinnen. Gerade deshalb wird auch hier entscheidend sein, wie früh Menschen mit dem langfristigen Vermögensaufbau für das Alter beginnen und welche verlässlichen Rahmenbedingungen der Staat dafür setzt.
