Inflation wird zum Risiko für Aktien
Nach Einschätzung der Strategen der Bank of America führen der starke Zustrom vieler Anleger in den Aktienmarkt und das wachsende Risiko steigender Inflation dazu, dass der Aktienmarkt Anfang Juni „reif“ für Gewinnmitnahmen ist. Die Kapitulation der Bären und der kräftige Zufluss von Geld in Aktien und Technologieunternehmen dürften in den kommenden Wochen auslaufen. Anfang Juni werde ein guter Zeitpunkt sein, um sich teilweise aus dem Markt zurückzuziehen, sagte Michael Hartnett, Leiter des Strategenteams der Bank.
Die Strategen gehen davon aus, dass die Verbraucherpreisinflation in den USA vor den Zwischenwahlen im November über fünf Prozent steigen könnte. Das wäre aus ihrer Sicht eine schlechte Nachricht für den Aktienmarkt, berichtet das polnische Wirtschaftsmedium Puls Biznesu unter Berufung auf Bloomberg.
Hartnett weist darauf hin, dass eine Verbraucherpreisinflation von mehr als vier Prozent Anleger in risikoreicheren Anlageklassen nervös macht. Daten aus den vergangenen 100 Jahren zeigen, dass der S&P 500 nach Erreichen eines solchen Inflationsniveaus in den folgenden drei Monaten im Durchschnitt um vier Prozent und in den folgenden sechs Monaten um sieben Prozent fiel.
Anleiherenditen überschreiten kritische Marke
Hartnett verweist außerdem auf die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen, die über die Marke von fünf Prozent gestiegen ist. Diese Schwelle hatte er kürzlich in einem Bericht als „Maginot-Linie“ bezeichnet. Am Freitag lag die Rendite bei 5,091 Prozent und stieg um fast sechs Basispunkte. Am letzten Tag vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten, der zur stärksten Inflation in den USA seit Jahren beigetragen hat, lag die Rendite 30-jähriger US-Anleihen noch bei 4,62 Prozent.
Bank of America teilte zudem mit, dass ihre Kunden, die zusammen Vermögenswerte von 4,5 Billionen Dollar verwalten, einen rekordhohen Aktienanteil von fast 66 Prozent in ihren Portfolios halten. Gleichzeitig liegt der Bargeldanteil mit 9,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten.
Bloomberg erinnert daran, dass der S&P 500 seit seinem Tief vom 30. März um 18 Prozent gestiegen ist. Der Nasdaq 100 legte sogar um 29 Prozent zu. Steigende US-Renditen und mögliche Gewinnmitnahmen am amerikanischen Aktienmarkt wirken auch auf europäische Anleger und Unternehmen zurück. Wenn Kapital aus Risikoanlagen abgezogen wird, kann das Finanzierungskosten erhöhen, Börsenbewertungen drücken und exportorientierte Konzerne über schwächere Nachfrage und stärkere Marktschwankungen belasten.

