Ölpreis aktuell: Ölreserven geraten durch den Krieg im Nahen Osten unter Druck
Die kommerziell verfügbaren Ölreserven sinken infolge des Kriegs im Nahen Osten sehr schnell und reichen nur noch für wenige Wochen. Das warnte Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, am vergangenen Montag am Rande eines Treffens der Finanzminister der G7-Staaten in Paris. Das berichten unsere Kollegen von Puls Biznesu. Birol erklärte, die Freigabe strategischer Ölreserven, die im März beschlossen worden war, habe "rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag" auf den Markt gebracht. Diese Reserven seien jedoch "nicht unbegrenzt" verfügbar.
Ölreserven schwinden laut IEA in hohem Tempo
Mit Blick auf die kommerziell verfügbaren Ölreserven sagte Birol: "Ich denke, dass sie derzeit sehr schnell sinken. Uns bleiben noch einige Wochen, aber wir müssen uns bewusst sein, dass die Bestände rasch schrumpfen." Bereits am 13. Mai hatte die IEA vor einem "rekordhohen" Rückgang der Ölreserven gewarnt. Hintergrund ist der andauernde Krieg im Nahen Osten und die zunehmende Belastung der internationalen Lieferwege. "Mehr als zehn Wochen nach Beginn des Kriegs im Nahen Osten erschöpfen die wachsenden Lieferausfälle durch die Straße von Hormus die weltweiten Ölreserven in Rekordtempo. Der schnelle Rückgang der Reserven vor dem Hintergrund anhaltender Störungen könnte künftige starke Preissprünge ankündigen", warnte die Agentur.
Werden die Ölreserven zum Risikofaktor?
Nach Angaben der IEA sanken die weltweiten Ölreserven im März und April um 250 Millionen Barrel. Das entspricht einem Rückgang um vier Millionen Barrel pro Tag. Um die Märkte zu beruhigen, kündigten 32 Mitgliedstaaten im März eine koordinierte Freigabe von 426 Millionen Barrel an. Das entsprach mehr als einem Drittel ihrer strategischen Reserven und galt als beispiellose Entscheidung.
Für Deutschland ist die Entwicklung vor allem über Energiepreise, Raffineriekosten und industrielle Lieferketten relevant. Sinkende globale Ölreserven erhöhen die Preisvolatilität und können damit auch Unternehmen, Verbraucher sowie energieintensive Branchen in Deutschland treffen.

