Astrolight, ein litauisches Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen, entwickelt Laserkommunikationslösungen für Anwendungen im Weltraum, an Land und auf See. Nun hat das Unternehmen den litauischen Regionalwettbewerb des Startup World Cup gewonnen – des weltweit führenden Pitch-Wettbewerbs für Start-ups. Astrolight wird am 6. November 2026 beim Grand Finale des Startup World Cup in San Francisco antreten und dort mit Finalisten aus aller Welt um den Titel des globalen Champions sowie ein Investment von 1 Million US-Dollar konkurrieren.
"Litauen beim Grand Finale des Startup World Cup zu vertreten, ist ein wichtiger Meilenstein für Astrolight auf unserem nächsten Wachstumsschritt", sagte Astrolight-CEO Laurynas Mačiulis. "Laserkommunikation wird zu einer entscheidenden Technologie für die Raumfahrtwirtschaft. Unser Fokus auf integrierte Systeme für Weltraum- und Bodenanwendungen verschafft uns eine starke Position in einem Markt, dessen Volumen in den kommenden zehn Jahren Milliardenhöhe erreichen dürfte."
Die Technologie bietet viele Vorteile
Im Vergleich zur klassischen Funkkommunikation ist Laserübertragung deutlich schwerer zu orten, zu stören oder zu manipulieren und erzeugt kaum "abstrahlende" Signale, die von Gegnern analysiert werden könnten. Allerdings hat sie auch klare Grenzen: Sender und Empfänger müssen extrem präzise aufeinander ausgerichtet sein, selbst kleinste Abweichungen können die Verbindung unterbrechen. Zusätzlich können Wetterbedingungen wie Nebel, Regen oder Wolken die Übertragung stark beeinträchtigen. Trotz dieser Schwächen gilt die Technologie als Schlüssel für die Zukunft – insbesondere im Weltraum, wo klassische Funkfrequenzen knapp werden. Raumfahrtorganisationen wie NASA und ESA arbeiten daher an optischen Netzwerken, die langfristig ein weltweites Laser-Kommunikationssystem zwischen Satelliten und Erde ermöglichen könnten.
Denn der Datenverkehr im Weltraum nimmt rasant zu. Herkömmliche Funkkommunikation stößt dabei an ihre Grenzen: Die verfügbaren Frequenzen sind überlastet und stark reguliert. Laserkommunikation, die bis zu 100-mal schneller arbeitet und sich deutlich schwerer stören oder abfangen lässt, gilt daher als Schlüsseltechnologie der Branche. Sie funktioniert im Prinzip wie eine Glasfaserübertragung – nur ohne Kabel. Statt Funkwellen nutzen die Systeme einen stark gebündelten Laserstrahl, in den digitale Daten als Lichtimpulse codiert werden. Ein Sender wandelt die Informationen in Licht um, ein Empfänger liest den Strahl wieder aus und rekonstruiert die Daten. Der entscheidende Vorteil liegt in der extrem hohen Frequenz des Laserlichts: Im Vergleich zu Funkwellen kann es deutlich mehr Informationen pro Sekunde transportieren. Dadurch sind Datenraten von mehreren Gigabit bis hin zu Terabit pro Sekunde möglich. Gleichzeitig ist der Strahl so eng fokussiert, dass er kaum abzufangen ist – ein Mithören wäre praktisch nur direkt im Strahl selbst möglich.
Partnerschaften mit ESA und Satellitenherstellern
Astrolight wurde 2019 von Laurynas Mačiulis, dem ehemaligen Mitgründer und CTO von Kongsberg NanoAvionics, gemeinsam mit Mitgründern aus führenden europäischen Lasertechnologie-Unternehmen gegründet. Das Unternehmen hat bereits Verträge und Partnerschaften mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA, führenden Industrieunternehmen und bedeutenden Satellitenherstellern. Das Unternehmen brachte drei seiner ATLAS-1-Laserterminals zu Testzwecken in den Orbit, schloss sich einem von Kepler Communications geführten Konsortium zur Entwicklung des optischen Multi-Orbit-Transportnetzwerks HydRON der ESA an und arbeitet gemeinsam mit der ESA am Aufbau der ersten optischen Bodenstation in der Arktis auf Grönland.
Zwischenfälle elektronischer Kriegsführung im Weltraum und auf der Erde nehmen längst zu. Russisches GPS-Spoofing aus Kaliningrad reicht inzwischen bis zu 450 Kilometer weit nach Europa hinein. Störungen von GPS- und AIS-Signalen haben im Persischen Golf stark zugenommen. Zudem wird Russland vorgeworfen, europäische Satellitenkommunikation abzufangen und britische Militärsatelliten regelmäßig zu stören.
Milliardenmarkt: Engpässe bei Funkfrequenzen treiben Nachfrage
Das führende Marktforschungsunternehmen Novaspace prognostiziert, dass die weltweiten Umsätze mit Laserkommunikationsterminals für die Raumfahrt bis 2035 auf 12,9 Milliarden US-Dollar steigen werden. Treiber ist der strukturelle Wandel weg von der klassischen Funkkommunikation (RF), da Betreiber zunehmend mit Frequenzengpässen, regulatorischen Hürden, Lizenzierungsverzögerungen und Störungen kämpfen.
Ähnlicher Druck entsteht inzwischen auch bei KI-Infrastrukturen. Da landgestützte Rechenzentren zunehmend an Grenzen bei Fläche, Energieversorgung und Kühlung stoßen, prüfen Branchenführer die Verlagerung von Rechenzentren und Rechenkapazitäten in den Orbit. Hochgeschwindigkeits-Laserkommunikation gilt dabei als zentrale Infrastrukturkomponente.
"Mit dem Wachstum von Satellitenkonstellationen und der Ausweitung von Missionen in den Bereichen Erdbeobachtung, Verteidigung, Katastrophenschutz und künftig auch KI-Infrastruktur im Orbit steigt der Bedarf an Datenübertragungen zwischen Weltraum und Erde rasant", erklärte Mačiulis. "Allein mit klassischer Funkkommunikation wird sich dieses Wachstum bald weder technologisch noch regulatorisch bewältigen lassen. Laserverbindungen werden diese Lücke schließen. So wie Glasfasernetze das Internet revolutioniert haben, wird Laserkommunikation die Raumfahrtkommunikation bei Datenmengen und Übertragungsgeschwindigkeit grundlegend verändern."
NATO-Tests unter realen Einsatzbedingungen
Ein konkreter Anwendungsfall stammt aus dem militärischen Bereich. Astrolights Lasersystem POLARIS wurde sowohl bei der NATO-Übung Digital Backbone Experimentation (DiBaX) in Lettland als auch bei der maritimen Großübung REPMUS/Dynamic Messenger erfolgreich getestet. Während DiBaX, einer von der NATO und dem lettischen Verteidigungsministerium unterstützten Übung, betrieb das Unternehmen zwei POLARIS-Terminals neun Tage lang unter realistischen Einsatzbedingungen – darunter Regen, Nebel und Wind.
Dabei verband die Technologie einen Militärstützpunkt mit einem provisorischen Gefechtsstand und demonstrierte die Kompatibilität mit bestehender militärischer Kommunikationsinfrastruktur. Nach Angaben des Unternehmens ließen sich Daten auch unter schwierigen Wetterbedingungen zuverlässig übertragen.
Laut Astrolight bietet Laserkommunikation gegenüber klassischen Funkverbindungen entscheidende Vorteile: Die Technologie lässt sich mit herkömmlichen Mitteln der elektronischen Kriegsführung kaum stören, verursacht keine leicht ortbaren Funksignale und ermöglicht Datenraten, die bis zu 100-mal höher liegen als bei RF-Systemen. Das kompakte POLARIS-Terminal wurde speziell für Einsätze zu Land, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum entwickelt.
Erfolgreiche Schiff-zu-Schiff-Kommunikation
Vergangenes Jahr testete Astrolight sein POLARIS-System gemeinsam mit der litauischen Marine in der Ostsee - unsere Kollegen von Verslo žinios berichteten. Nach Angaben des Unternehmens gelang dabei eine sichere, nicht detektierbare und unterbrechungsfreie Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen zwei Kriegsschiffen.
Der Test fand in einer Region statt, in der Störungen von Funk- und Navigationssystemen zunehmend zum Sicherheitsproblem werden. Gerade in der Ostsee registrieren Behörden und Militärs seit geraumer Zeit verstärkt elektronische Störmaßnahmen, die Kommunikations- und Ortungssysteme beeinträchtigen können.
"Die Realität moderner Kriegsführung zeigt, dass sichere und schnelle Kommunikation nicht allein von verwundbaren Funksignalen abhängen sollte", sagte Astrolight-Chef Laurynas Mačiulis. "Dieser Test beweist, dass die von uns entwickelte Technologie bereits funktioniert und in das digitalisierte Gefechtsfeld der Zukunft integriert werden kann."
Während der Demonstration arbeitete das POLARIS-System stabil und stellte die Verbindung innerhalb kurzer Zeit her. Nach Angaben von Astrolight zeigen die ersten Ergebnisse zudem, dass das System auch Verbindungen jenseits des Horizonts ermöglichen kann. Das Terminal wurde im Rahmen eines nationalen Verteidigungstechnologieprogramms des litauischen Verteidigungsministeriums entwickelt und kann Daten mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde über Entfernungen von bis zu 50 Kilometern übertragen.
Vertreter der litauischen Streitkräfte sehen in der Technologie einen wichtigen Baustein für künftige NATO-Kommunikationssysteme. Nach Angaben der litauischen Beschaffungsbehörde soll der Prototyp nun weiteren Tests unterzogen und schrittweise in militärische Strukturen integriert werden. Ziel sei es, widerstandsfähige und verdeckt operierende Kommunikationsnetze aufzubauen, die auch unter Bedingungen elektronischer Kriegsführung funktionieren.
Dual-Use-Strategie: Militär und Raumfahrt zugleich
Astrolight verfolgt eine sogenannte Dual-Use-Strategie und entwickelt Kommunikationslösungen sowohl für zivile als auch für militärische Anwendungen. Neben dem POLARIS-System arbeitet das Unternehmen an dem satellitengestützten Laserterminal ATLAS. Dieses soll hochauflösende Daten aus Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen deutlich schneller zur Erde übertragen als herkömmliche Funkverbindungen.
Parallel entwickelt Astrolight eine Bodenstation für den Empfang der optisch übertragenen Daten. Für die Weiterentwicklung seiner Technologien erhielt das Unternehmen 2025 eine Finanzierung in Höhe von 2,8 Millionen Euro.
Geopolitische Spannungen erhöhen den Bedarf
Besonders die baltischen Staaten sehen sich seit Monaten verstärkten Störmaßnahmen ausgesetzt. GPS- und Funkstörungen, die westlichen Sicherheitskreisen zufolge häufig aus Russland und der Region Kaliningrad stammen, treten inzwischen nahezu täglich auf. Ähnliche Vorfälle wurden zuletzt auch in anderen Teilen Europas sowie im Nahen Osten registriert. Für Militärs und Betreiber kritischer Infrastruktur wächst damit die Bedeutung von Kommunikationssystemen, die auch in umkämpften und elektronisch gestörten Umgebungen zuverlässig funktionieren.
"Die aktuelle geopolitische Lage zeigt, wie verwundbar Satellitenkommunikation sein kann, wenn sie ausschließlich auf Funkfrequenzen basiert", ergänzte Mačiulis. "Für militärische Nutzer wie auch kommerzielle Betreiber wird belastbare Konnektivität zunehmend zu einem strategischen Vorteil. Laserkommunikation sollte deshalb nicht nur wenigen hochspezialisierten Missionen vorbehalten sein. Kleinere, kosteneffiziente und interoperable Terminals können optische Verbindungen deutlich breiter verfügbar machen und mehr Betreibern helfen, ihre Kommunikation im Weltraum abzusichern. Genau darauf arbeiten wir bei Astrolight hin."

