Humanoide Roboter-Aktien: Die nächste KI-Wette?
Seit einiger Zeit führt fast jedes Gespräch früher oder später zur künstlichen Intelligenz. Offenbar wollen Menschen in dieser Technologie auch etwas finden, das ihnen physisch immer ähnlicher wird. Deshalb suchen nun auch Investoren danach, wer am Ende die besten Roboter bauen könnte, also Humanoide.
Schon oft wurde über eine mögliche Blase bei KI-Aktien gesprochen. Doch selbst wenn es eine solche Blase gibt, kann diese Kursfeier noch eine Weile weitergehen, berichtet das lettische Finanzportal Investoru Klubs. Es gibt Einschätzungen, dass die nächste Phase des KI-Wahns mit der Suche nach den besten humanoiden Robotern und womöglich weiteren Formen physischer KI-Technologie zusammenhängen wird.
Die Vorstellung von Robotern, die gehen, sprechen und auf unterschiedlichste Weise mit organischen Menschen und ihrer Umgebung interagieren können, fasziniert uns schon lange. Da künstliche Intelligenz immer klüger wird, ist es nur logisch, dass Wege gesucht werden, diese Technologie enger und erfolgreicher mit dem Fortschritt der Robotik zu verbinden. Einige Science-Fiction-Szenarien, hoffentlich eher die positiven, rücken damit näher an die Realität.
Fünf Billionen Dollar Marktpotenzial: Kommen Roboter bald in jeden Haushalt?
Morgan Stanley erwartet, dass im Jahr 2050 rund zehn Prozent der US-Haushalte mindestens einen humanoiden Roboter besitzen werden. Der Durchschnittspreis dürfte ungefähr dem eines guten Autos entsprechen. Die US-Investmentbank schätzt, dass allein der Markt für persönliche humanoide Haushaltsroboter, ohne solche Roboter in Fabriken, in 25 Jahren ein Volumen von fünf Billionen Dollar erreichen könnte. Weltweit könnten dann bereits eine Milliarde solcher Roboter im Einsatz sein.
In Zukunft könnte es normal werden, dass Familien auf ihre Liste großer langlebiger Anschaffungen zunehmend auch einen Roboter setzen, der etwa die Wohnung putzt, vielleicht Abendessen kocht, danach das Geschirr spült oder sogar Kinder betreut. Viele träumen davon, dass solche Roboter Arbeiten übernehmen, die Menschen nicht können oder immer weniger tun wollen.
Autofabriken als Geburtsort der Roboter
Die Verbindung zur Autobranche ist keineswegs zufällig. Eine Möglichkeit ist, dass gerade Autohersteller solche Roboter entwickeln oder deren Entwicklung unterstützen. Zugleich könnten sie in ihren eigenen Fabriken zu den größten Nutzern dieser Technologie werden.
Beim Poker gibt es Momente, in denen jemand alle Chips in die Mitte des Tisches schiebt und „All In“ sagt. Genau danach sieht es auch bei Tesla und seinem Chef Elon Musk aus. Der volle Einsatz richtet sich auf künstliche Intelligenz und humanoide Roboter. Berichten zufolge hat Musk Teile der Tesla-Produktionskapazität von Fahrzeugen abgezogen, um sich stärker auf seine humanoiden Optimus-Roboter zu konzentrieren. Musks Vision ist, dass es eines Tages mehr solcher humanoiden Roboter auf dem Planeten geben wird als Menschen. Das bedeutet auch, dass Aktien aus Musks Unternehmensimperium eine Wette auf den Aufstieg dieser Roboterindustrie sind. Im September vergangenen Jahres sagte Musk, das Optimus-Geschäft werde am Ende 80 Prozent des Tesla-Werts bestimmen.
Sicher ist: Mit Musk-Aktien wird Anlegern nie langweilig. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich schwerer sagen. Die Tesla-Aktie verlor in diesem Jahr 5,3 Prozent, legte auf Sicht von zwölf Monaten aber um 25 Prozent zu. Über fünf Jahre ergibt sich, trotz echter Achterbahnfahrt, ein Plus von 120 Prozent. Neben Tesla sprechen Investoren auch über andere Fahrzeughersteller, die humanoide Robotertechnologie erfolgreich übernehmen könnten.
Boston Dynamics und Hyundai: Die Vision von 100 Robotern statt 1.000 Arbeitern
Hyundai kontrolliert etwa das interessante Robotikunternehmen Boston Dynamics, das seine Atlas-Humanoiden entwickelt. Hyundai plant, solche Arbeiter zunehmend in den eigenen Autofabriken einzusetzen.
Der Atlas-Roboter soll so entwickelt sein, dass er für die meisten Aufgaben innerhalb von weniger als einem halben Tag trainiert werden kann. Er könne bis zu 55 Kilogramm heben und verfüge über menschenähnliche Arme sowie präzise Sensoren, was ihn für industrielle Umgebungen geeignet mache. Der Heilige Gral der Hersteller scheint darin zu liegen, etwa 1.000 Fabrikarbeiter durch 100 Roboter zu ersetzen, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche arbeiten.
Die Hyundai-Aktie ist in diesem Jahr um 120 Prozent gestiegen, auf Sicht von zwölf Monaten sogar um 260 Prozent. Dieser Anstieg fiel mit den Robotisierungsplänen rund um Atlas zusammen.
Verfügbare Informationen zeigen, dass Boston Dynamics in der Forschung auch eng mit Toyota zusammenarbeitet. Einige Investoren gehen davon aus, dass auch der japanische Konzern davon profitieren könnte. Die Toyota-Aktie verlor in diesem Jahr zehn Prozent, liegt auf Sicht von zwölf Monaten aber weiterhin 15 Prozent im Plus.
Unter den Robotik-Unternehmen lässt sich außerdem Rockwell Automation hervorheben. Die Aktie des Unternehmens stieg in diesem Jahr um 16 Prozent und auf Sicht von zwölf Monaten um 46 Prozent.
Humanoide Roboter-Aktien: Ohne Nvidia läuft nichts
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, nicht zu sehr über einzelne Roboter nachzudenken und einfach die guten alten Nvidia-Aktien zu kaufen. Der Grund ist klar: Die Halbleiter des Unternehmens werden für fast alle diese und viele andere Technologien benötigt. Zudem hat die Nvidia-Führung mit Blick auf diese Entwicklung erklärt, dass am Ende jedes Industrieunternehmen auch zu einem Robotikunternehmen werde.
Nvidia ist scheinbar nicht mehr der neue aufregende Modetrend an der Wall Street. KI-Investoren haben in diesem Jahr in entlegeneren Ecken der Branche nach kleineren und vermeintlich spannenderen Titeln gesucht. Dadurch stand Nvidia zumindest in diesem Jahr etwas im Schatten. Hinzu kommt das Risiko, dass die erwarteten Börsengänge von SpaceX und OpenAI Aufmerksamkeit von Nvidia abziehen. „Investoren sollten allerdings darauf achten, wohin das Geld tatsächlich fließt und wahrscheinlich weiter fließen wird“, schreibt das Wall Street Journal.
Erst vergangene Woche meldete Nvidia sowohl einen höheren Gewinn, der sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifachte, als auch einen deutlich höheren Umsatz, der binnen eines Jahres um 85 Prozent stieg. Nvidias Börsenwert hat in diesem Jahr die Marke von fünf Billionen Dollar überschritten. Trotzdem behaupten manche Investoren, Nvidia sei weiterhin unterbewertet. Die Aktie wird derzeit mit knapp dem 25-Fachen des erwarteten Gewinns der kommenden zwölf Monate gehandelt. Blickt man auf diese Branche, wirkt das zumindest nicht astronomisch.
Roboter-ETFs als breitere Wette
In Europa gibt es auch einige börsengehandelte Fonds, die Aktien von Robotik- und Automatisierungsunternehmen bündeln. Der größte thematische ETF dieser Art ist iShares Automation & Robotics, dessen Anteilspreis binnen eines Jahres um 41 Prozent gestiegen ist.
Noch stärker legte der L&G ROBO Global Robotics and Automation ETF zu, dessen Anteilspreis um 52 Prozent stieg. Zu den größten Positionen dieses Index gehören Aktien von Teradyne, einem Entwickler robotisierter Industrieausrüstung. Ebenfalls enthalten sind Papiere von Intuitive Surgical, einem Pionier der robotergestützten Chirurgie.
Robotik-Aktien: Die Erwartungen sind groß, aber der Weg bleibt holprig
Roboter können nicht an menschlichen Krankheiten erkranken, sie sind nicht emotional anspruchsvoll und können faktisch ununterbrochen arbeiten. Das ist ein verlockender Faktor auf dem Weg zu höherer Arbeitseffizienz. Auf der anderen Seite weisen Experten darauf hin, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist, bis humanoide Roboter trotz beeindruckender, auf einzelne Tricks zugeschnittener Demonstrationen auch einfache Arbeiten zuverlässig erledigen können. Gerade einfache Tätigkeiten verlangen häufig die menschliche Superkraft schlechthin: Anpassungsfähigkeit.
Am Ende kann sich auch herausstellen, dass es billiger bleibt, Menschen zu beschäftigen. „Maschinen können springen, tanzen und sehr populär werden. Sie jedoch in nützliche Arbeiter zu verwandeln, bleibt viel schwieriger und teurer, als es scheinen mag“, merkt Bloomberg an. Die Technologiebranche ist per Definition sehr wandelbar. Ja, künstliche Intelligenz und damit ausgestattete physische Roboter werden die Welt wahrscheinlich verändern. Trotzdem kann es sein, dass einige frühe Pioniere dieser Technologien nicht die langfristigen Gewinner sein werden.
Humanoide Roboter-Aktien und eine neue Welt
Irgendwann können auch Fragen entstehen, ob künstliche Intelligenz zu klug wird, um sie kontrollieren zu können. Sie muss nicht unbedingt jene guten Absichten haben, die man vorher erwartet hat. Oder sie wird ganz sicher auch für schlechte Zwecke genutzt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Robotern auch in der Kriegsführung eine wachsende Rolle zukommen.
Man kann natürlich an das Szenario des Films Terminator denken. Doch KI-Technologien könnten Gesellschaften womöglich auf viel subtilere Weise beeinflussen. Nicht zufällig heißt es, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert. Es gibt Annahmen, dass eine solche Intelligenz in der Lage sein könnte, die öffentliche Meinung relativ fein zu beeinflussen. Sie könnte mit beispielloser Kraft Inhalte erzeugen, korrigieren und im Internet nach vorne schieben. Danach könnte sich auch die gesellschaftliche Stimmung in ihre Richtung neigen. Nicht ausgeschlossen ist, dass darauf eine kleine Menschengruppe übermäßig viel Einfluss nimmt und Roboter für solche Aufgaben mobilisiert.
Eltern, Assistent oder Erzieher? Die wachsende Macht künstlicher Intelligenz
Eine der wichtigsten Lebensentscheidungen eines Menschen könnte künftig darin bestehen, welche künstliche Intelligenz er als Assistenten oder, leicht ironisch formuliert, als echten Lebenspartner wählt. Man kann sich vorstellen, dass dies in absehbarer Zukunft auch eine Entscheidung sein könnte, die ständig beschäftigte Eltern für ihre Kinder treffen müssen, wohl gegen entsprechende Bezahlung. In einem solchen Fall könnte auch die Erziehung von Kindern in die Hände künstlicher Intelligenz gelegt werden, mit ausreichend vielen möglichen Folgen. Dann könnte diese KI den Menschen formen wie ein Stück Holz und aus ihm ein Individuum mit bestimmten Werten, politischer Haltung, Fähigkeiten sowie Denk- und Kommunikationsstil machen.
