SunContract baut Marktplatz für Strom-Sharing
Deutschland hat es schon. Und nun wird auch in Slowenien das Teilen von Strom ab 1. Juli möglich. Doch das neue Modell birgt mehrere Fallstricke, sagt Gregor Novak, Geschäftsführer von SunContract.
„Eine gute Idee kann an einer schlechten Nutzererfahrung scheitern. Wer Strom teilt, könnte Geld verlieren, statt Geld zu verdienen. Deshalb haben wir uns auf Basis unserer Erfahrung mit P2P-Sharing entschieden, einen neuen Marktplatz für Strom-Sharing zu eröffnen“, sagte Novak vergangene Woche vor unseren Kollegen von Finance.si.
SunContract will sich damit als eine Art energetischer Uber positionieren. Das Unternehmen vermittelt zwischen Angebot und Nachfrage beim Teilen von Strom.
Mit dem neuen Sharing-Konzept gelang es SunContract nach eigenen Angaben bereits, einem Kunden mit Produktionsbetrieb die Stromrechnung zu senken. Zuvor zahlte dieser rund 3.000 Euro für Strom, danach etwas mehr als 600 Euro weniger.
Was Strom-Sharing bedeutet
Nutzer mit Solaranlage oder kleinem Wasserkraftwerk, die nicht ihre gesamte Produktion selbst verbrauchen, können ab 1. Juli überschüssigen Strom an andere Adressen verschenken oder verkaufen.
Das Teilen erfolgt in 15-Minuten-Intervallen. Der Erzeuger kann sich mit einem oder mehreren Empfängern abstimmen und für jeden festlegen, welchen Energieanteil er in jedem 15-Minuten-Intervall abgeben will.
„Wir unterstützen das Konzept des Strom-Sharings, das in unser Rechtssystem übernommen wurde, sehr. Marktöffnung und mehr Wettbewerb sind immer gut für die Wirtschaft. Wir haben bereits vor acht Jahren einen Peer-to-Peer-Marktplatz innerhalb unserer Bilanzgruppe eingeführt, jetzt ist Strom-Sharing für alle geöffnet“, sagt Novak.
Gleichzeitig weist SunContract auf Risiken hin, durch die Nutzer verlieren könnten, statt zu profitieren.
Die zentrale Frage lautet, wie viel Strom geteilt werden soll
Wie viel Prozent Strom soll ich teilen? Diese Frage ist laut Novak entscheidend. Der Anteil muss in jedem 15-Minuten-Intervall festgelegt werden, während Produktion und Verbrauch stark schwanken.
Wie soll etwa ein Hotelbesitzer wissen, wie viel er spart, wenn er Strom über Sharing kauft? Wird in einem 15-Minuten-Intervall ein bestimmter Energieanteil gekauft, der Empfänger verbraucht ihn aber nicht, muss er ihn dennoch bezahlen. Die Energie fließt dann ungenutzt zum Lieferanten.
„Wenn uns die Gesetzgeber um Rat gefragt hätten, hätten wir ihnen eine bessere Lösung empfohlen. So steht im Gesetz, dass ein Sharing-Anteil festgelegt werden muss. Das ist eine Einschränkung, mit der genau jene ausgeschlossen werden, die man eigentlich einbeziehen wollte, nämlich kleine Nutzer“, sagt Novak.
Wegen der Schwankungen bei Produktion und Verbrauch sei es sinnvoll, Daten monatlich anzupassen. Dafür seien Algorithmen hilfreich, die Erzeugung und Verbrauch prognostizieren und sinnvolle Sharing-Anteile berechnen können.
Wie SunContract Geld verdienen will
Wer dagegen über die Plattform von SunContract Käufer oder Verkäufer sucht, gibt diese Risiken an SunContract ab, sagt Novak.
Für die Teilnehmer entstehen keine Kosten. SunContract verdient an der Differenz im Preis. Findet das Unternehmen einen Verkäufer, der Strom für acht Cent je Kilowattstunde anbietet, und auf der anderen Seite einen Käufer, der zehn Cent zahlt, liegt der Gewinn von SunContract in dieser Spanne.
Die Verträge sollen jeweils bis Jahresende abgeschlossen werden, aber monatlich gelten.
Käufer erhalten künftig zwei Rechnungen. Die erste kommt vom Stromlieferanten und enthält Netzentgelte sowie weitere Kosten. Die zweite kommt von SunContract für die erhaltene elektrische Energie zum zuvor festgelegten Preis.
Mit Strom-Sharing lässt sich also die Stromkostenbelastung senken, allerdings nicht bei allen Rechnungsbestandteilen. Reduziert wird nur der Anteil, der auf die über Sharing bezogene elektrische Energie entfällt. Wer 20 Prozent seines Stroms aus Sharing erhält, hat deshalb nicht automatisch eine um 20 Prozent niedrigere Stromrechnung.
Was für Nutzer mit Net Metering gilt
Nutzer mit jährlichem Net-Metering-System können teilnehmen, allerdings nicht als Empfänger. Sie können als Absender auftreten und einen Teil ihrer überschüssigen Energie an andere Nutzer weitergeben.
Die in das Sharing abgegebene Energie wird jedoch von der eingespeisten Energie in den jeweiligen 15-Minuten-Intervallen abgezogen. Deshalb muss vorher geprüft werden, ob sich dies wirtschaftlich lohnt.
„Wichtig ist, das Nutzungsprofil zu verstehen. Wann entstehen Produktionsüberschüsse, wann nutzt der Empfänger Energie, welcher Anteil lässt sich sinnvoll übertragen, wie erscheint die Vereinbarung auf der Rechnung und ist sie wirtschaftlich für beide Seiten sinnvoll“, sagt Novak.
Strom-Sharing läuft bereits in mehreren EU-Staaten
In der EU funktioniert Strom-Sharing bereits in sieben Ländern, darunter Tschechien, Italien, Österreich, Frankreich, Spanien und Griechenland. In Deutschland trat die Regelung im Juni dieses Jahres in Kraft.
Slowenien gehört zu den Ländern, die Strom-Sharing im Sommer öffnen. Neben Deutschland befinden sich in dieser Gruppe auch die Niederlande, Dänemark, Zypern und die Slowakei. In der dritten Gruppe stehen 13 Nachzügler, die diese Möglichkeit noch nicht geöffnet haben. Dazu gehört unter anderem Kroatien.
„Bei SunContract unterstützen wir Strom-Sharing sehr. Vor acht Jahren haben wir einen P2P-Marktplatz eingeführt, der innerhalb einer Bilanzgruppe funktioniert. Jetzt ist das System des Strom-Sharings viel offener und nicht auf einen einzigen Lieferanten begrenzt. Das bedeutet mehr Wettbewerb, und mehr Wettbewerb ist gut für die Wirtschaft“, sagt Novak.
Strom-Sharing wird zum Test für den Energiemarkt
Das slowenische Modell zeigt, wie schwierig die Öffnung dezentraler Strommärkte in der Praxis ist. Die Grundidee ist einfach. Wer Strom überschüssig erzeugt, kann ihn anderen zur Verfügung stellen. Doch sobald Verbrauch, Produktion, Netzabrechnung und 15-Minuten-Intervalle zusammenkommen, entstehen Risiken, die kleine Nutzer kaum selbst kalkulieren können.
Genau hier setzt SunContract an. Das Unternehmen will nicht nur vermitteln, sondern Unsicherheit aus dem System nehmen und über Preisdifferenzen verdienen. Damit wird Strom-Sharing zu einem Plattformgeschäft, das dem Energiemarkt mehr Wettbewerb bringen kann, aber auch neue Abhängigkeiten von digitalen Vermittlern schafft.
Entscheidend wird sein, ob regulatorische Modelle einfach genug sind, damit Haushalte und kleine Unternehmen tatsächlich teilnehmen können. Sonst bleibt eine gute energiepolitische Idee ein komplexes Spezialprodukt für wenige professionelle Nutzer.

