Unternehmen

Uber schluckt Delivery Hero für 13 Milliarden Euro

Uber kauft den Berliner Essenslieferanten für knapp 13 Milliarden Euro. Was das für den Hauptsitz in Berlin und die Beschäftigten bedeutet.
16.07.2026 10:19
Aktualisiert: 16.07.2026 10:19
Lesezeit: 5 min
Uber schluckt Delivery Hero für 13 Milliarden Euro
Uber macht den Milliarden-Deal perfekt und übernimmt den Berliner Essenslieferanten Delivery Hero. (Foto: dpa) Foto: Paul Zinken

Delivery Hero lässt sich von Uber schlucken: Aktie verliert dennoch

Der deutsche Lieferdienst-Konzern Delivery Hero schlüpft nach jahrelangen Verlusten unter das Dach des US-Konzerns Uber . Der Fahrdienstvermittler und Lieferdienst aus den Vereinigten Staaten hat sich einen Großteil der Delivery-Hero-Anteile gesichert und will sich in einem Milliardendeal auch den Rest einverleiben. Die Führung des Berliner Konzerns unterstützt den Schritt und wirbt bei Aktionären sowie Beschäftigten für den Zusammenschluss. Zugleich will Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern an einen Finanzinvestor verkaufen.

Börse: Aktie gibt trotz Übernahme nach

An der Börse wurden die Neuigkeiten jedoch mit leichten Kursverlusten aufgenommen. Die Delivery-Hero-Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn rund 0,7 Prozent auf 37,90 Euro und entfernte sich damit weiter von dem Preis von 41,50 Euro, den Uber für jedes Papier bietet.

Die Offerte des US-Konzerns bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro. Mit Kursen von zuletzt rund 40 Euro wurde die Aktie des Lieferdienst-Konzerns etwa doppelt so hoch gehandelt wie noch vor wenigen Monaten. Analyst Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies sieht in einer ersten Reaktion auf den Deal kaum Spielraum für die Aktionäre, einen höheren Übernahmepreis durchzusetzen. Auch die Chancen auf einen Gegenbieter schätzt er als gering ein.

Mitte April hatte das Papier noch weniger als 20 Euro gekostet. Als dann bekannt wurde, dass Uber seinen Anteil aufgestockt hat, trieb dies den Kurs deutlich nach oben. Mit dem jetzigen Gebot von 41,50 Euro greift Uber zudem deutlich tiefer in die Tasche als zunächst geplant: Noch im Mai war von 33 Euro je Aktie die Rede gewesen.

Übernahme: Prosus verkauft Anteil an Uber

Zuletzt hielt Uber bereits knapp 25 Prozent an dem Berliner Konzern, hinzu kamen Finanzinstrumente über knapp zwölf Prozent. Zudem gibt der Delivery-Hero-Großaktionär Prosus seinen Anteil von knapp 17 Prozent an Uber ab. Dazu hatte sich die niederländische Beteiligungsgesellschaft im Zuge des Kaufs des Konkurrenten Just Eat Takeaway (Lieferando) bereit erklärt.

Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, sein Deutschland-Geschäft jedoch bereits vor einigen Jahren an Just Eat Takeaway verkauft und ist hierzulande operativ nicht mehr aktiv. Wegen seiner starken Präsenz in Asien, Südeuropa, auf der arabischen Halbinsel und in Afrika zählt das Unternehmen dennoch zu den größten Essenslieferdiensten der Welt. Uber betreibt mit Uber Eats selbst einen Essenslieferdienst – auch in vielen Städten Deutschlands.

Uber verpflichtet sich im Zuge des Kaufs, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der Bundeshauptstadt vorzunehmen.

Verkauf: Delivery Hero trennt sich von 14 Ländermärkten

Unterdessen will sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern trennen, in denen das Unternehmen bislang mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei. Käufer ist den Angaben zufolge die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York. Sie bezahlt dafür 1,4 Milliarden Euro. Voraussetzung ist, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber gelingt. Jefferies-Experte Thorne bewertet den Schritt positiv, denn dadurch dürften Uber und Delivery Hero kartellrechtlichen Bedenken zuvorkommen.

Konzernchefs: Zusammenschluss soll Wachstum sichern

Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft zu kämpfen hatte. "Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig", sagte sie. "Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern."

Delivery Hero hat jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss erzielte der Konzern nur im Jahr 2019. Damals hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn erzielt.Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Delivery-Hero-Chef und -Mitgründer Niklas Östberg warben nun für den Zusammenschluss mit Uber: "Durch die Zusammenführung unserer Plattformen bringen wir erschwingliche, zuverlässige Lieferdienste zu Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt", sagte Khosrowshahi. Östberg dankte seinen Beschäftigten dafür, "dass sie dieses Unternehmen über 15 Jahre hinweg aufgebaut haben".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen TSMC-Aktie profitiert vom KI-Boom
16.07.2026

Die TSMC-Aktie erhält neuen Rückenwind: Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger hebt seine Umsatzprognose an und erhöht zugleich seine...

DWN
Technologie
Technologie Warum kauft China so viele deutsche Firmen?
16.07.2026

China kauft Deutschlands Kronjuwelen: Das ehrgeizige Reich der Mitte übernimmt immer mehr deutsche Traditionsunternehmen – und mit ihnen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrigwasser beeinträchtigt Schifffahrt und treibt Transportkosten
16.07.2026

Derzeit herrschen an Flüssen wie Rhein, Elbe und Donau extrem niedrige Pegelstände. Der Wasserstand könnte mancherorts in den kommenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber schluckt Delivery Hero für 13 Milliarden Euro
16.07.2026

Uber kauft den Berliner Essenslieferanten für knapp 13 Milliarden Euro. Was das für den Hauptsitz in Berlin und die Beschäftigten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG-Importe der EU: Amerika kassiert, Europas Industrie zahlt
16.07.2026

Europa wollte sich aus der Abhängigkeit von russischem Gas befreien und setzte auf Flüssigerdgas aus aller Welt. Doch inzwischen liefern...

DWN
Finanzen
Finanzen Robotik-Aktien: Warum Yaskawa die nächste Nvidia werden könnte
16.07.2026

Der nächste große KI-Gewinner könnte keine Texte schreiben, sondern Roboterarme bewegen. Während Yaskawa vom weltweiten...

DWN
Politik
Politik Weniger Papierkram: So will die Koalition Bürger und Firmen entlasten
16.07.2026

Keine grüne Plakette mehr fürs E-Auto, keine Prüfaufkleber auf der Kaffeemaschine im Büro: Die Regierung beschließt Entlastungen von...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Sandisk und Intel leiden unter Ausverkauf bei Chipaktien, während Händler weitere Inflationsdaten verarbeiten
15.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street bewegten und warum einige Schwergewichte trotz Marktdrucks kräftig...