Wirtschaft

So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke übertrifft inzwischen die Kapazität der Kohlekraftwerke. Noch bleibt Kohle kurzfristig ein wichtiger Stützpfeiler des Stromsystems, doch bis 2030 sollen erneuerbare Energien rund die Hälfte der chinesischen Stromerzeugung ausmachen.
04.09.2026 16:00
Lesezeit: 7 min
So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
Am schnellsten wächst die Photovoltaik: Gemäß dem Fünfjahresplan für den Energiesektor sollen in China bis zum Jahr 2030 mehr als 20 Prozent der elektrischen Energie in Solarkraftwerken erzeugt werden. (Bild: Hu Huhu/Xinhua/dpa) Foto: Hu Huhu

China überholt Kohle mit Solarenergie

In China wurden bis Ende Juli dieses Jahres Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.286 Milliarden Kilowatt beziehungsweise 1,286 Terawatt installiert. Das ist mehr als die gesamten Kapazitäten der Kohlekraftwerke, teilte die chinesische Energiebehörde National Energy Administration gestern mit. „Das ist ein wichtiger Meilenstein des chinesischen Übergangs zu grüner und CO₂-armer Energie. Es entsteht ein neues chinesisches Stromsystem, in dem neue Energiequellen die Hauptsäule sind“, sagte Liu Zhiqiang vom nationalen Elektrizitätsrat der Agentur Xinhua.

Bis Ende Juli erreichten die installierten Solarkraftwerke mehr als 30 Prozent aller installierten Kapazitäten zur Stromerzeugung, berichtet das Wirtschaftsportal Casnik Finance. Betrachtet man nur die neu hinzugekommenen Kapazitäten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres, liegt der Anteil der Sonne bei mehr als 40 Prozent. Das zeigt die beschleunigte Expansion der Photovoltaik.

China verändert die Energiebranche weltweit

China hat die gesamte Photovoltaik-Kette aufgebaut, von Forschung und Entwicklung bis zur Endproduktion. Schneller technologischer Fortschritt, kontinuierlich steigende Moduleffizienz, ständige Verbesserungen und Massenproduktion ermöglichen sinkende Kosten. Die schnelle Entwicklung der Photovoltaik-Kette verändert auch anderswo auf der Welt die Energiebranche.

In China werden mehr als 80 Prozent der Photovoltaik-Module und 70 Prozent der Ausrüstung für Windkraftwerke weltweit produziert, schreibt Xinhua. Durch das schnelle Wachstum neuer Energiekapazitäten gelang es China, bei steigender Nachfrage zusätzliche Energie bereitzustellen. Das ist besonders wichtig in Zeiten globaler Unsicherheiten und Störungen bei weltweiten Energielieferungen. China hat das größte und am schnellsten wachsende Energiesystem, das auf erneuerbare Energien umgestellt wird.

Von Januar bis Juli erzeugten chinesische Solarkraftwerke 802,4 Terawattstunden Strom. Das entspricht etwa 13 Prozent des gesamten Verbrauchs. Zum Vergleich: In Slowenien werden pro Jahr etwa 13 Terawattstunden Strom verbraucht.

Kohlekraftwerke bleiben die Hauptsäule

Die Produktion von Solarkraftwerken schwankt natürlich stark im Tagesverlauf und hängt vom Wetter ab. Deshalb ist die Auslastung in Stunden deutlich geringer als bei Kohlekraftwerken. Kurzfristig werden Kohlekraftwerke daher weiterhin eine wichtige Säule des Stromsystems bleiben.

China erzeugte im Jahr 2025 noch immer den größten Teil seines Stroms in Wärmekraftwerken. Diese laufen in China überwiegend mit Kohle. Ihr Anteil lag bei 59,8 Prozent, das entspricht 6.327 Terawattstunden. Wasserkraftwerke erzeugten 1.462 Terawattstunden beziehungsweise 13,8 Prozent. Solarkraftwerke kamen auf 1.173 Terawattstunden oder 11,1 Prozent, Windkraftwerke auf 1.128 Terawattstunden oder 10,7 Prozent. Kernkraftwerke lieferten 485 Terawattstunden beziehungsweise 4,6 Prozent.

Wie sich die Anteile bis 2030 verändern sollen

China wird die Säule der erneuerbaren Energien weiter stärken. Im Fünfjahresplan für Energie von 2026 bis 2030 ist vorgesehen, dass mit erneuerbaren Quellen insgesamt 6.000 Terawattstunden Strom erzeugt werden. Davon sollen 4.000 Terawattstunden aus Wind- und Solarkraftwerken kommen, der Rest aus Wasserkraftwerken und anderen Technologien erneuerbarer Energien.

Zugleich sollen mehrere Maßnahmen für eine bessere Integration erneuerbarer Quellen in das Energiesystem beschlossen werden. Durch den Ausbau von Batteriespeichern und die Entwicklung von Wasserstofftechnologien werde Photovoltaik berechenbarer und besser steuerbar, sagt Liu Zhiqiang vom chinesischen Elektrizitätsrat.

Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA wird China den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 37 Prozent bis 2030 auf etwa 50 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in der EU liegt bei etwa 48 Prozent. Die EU soll von rund 48 Prozent in Richtung 63 Prozent wachsen.

Solarstrom steigt auf mehr als 20 Prozent

Nach dem Fünfjahresplan soll China die Kapazität seiner Kernkraftwerke von rund 62 Gigawatt Ende 2025 bis 2030 auf 110 Gigawatt erhöhen. Das entspricht einem Plus von fast 80 Prozent. Bei ähnlicher Effizienz der Stromproduktion in Kernkraftwerken könnte die jährliche Erzeugung von rund 485 auf 850 bis 860 Terawattstunden steigen. Die Prognosen der IEA liegen etwas niedriger.

Kernenergie würde damit etwa sechs Prozent der Stromerzeugung in China beitragen. Solarenergie käme auf mehr als 20 Prozent, Windenergie auf 16 bis 17 Prozent, Wasserkraftwerke und andere nichtfossile Quellen auf etwa sieben Prozent. Kohle würde bei 40 bis 42 Prozent liegen.

Erneuerbare Energien werden im chinesischen Strommix bis 2030 damit auf etwa 50 Prozent kommen, prognostiziert die Internationale Energieagentur IEA. Das ist zugleich das offizielle Ziel Chinas bis 2030.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Nataša Koražija

Zum Autor:

Nataša Koražija ist leitende Journalistin und Redakteurin bei der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance und hat sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Infrastruktur und Logistik spezialisiert. 

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pflege statt Arbeit: Immer mehr pflegende Erwerbstätige gehen Arbeitsmarkt verloren
25.10.2026

Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger könnte den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren laut einer Prognose spürbar belasten: Bis 2045...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umsatzwarnungen: Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
25.10.2026

Der Schokohasen-Hersteller leidet unter teuren Kakaopreisen und dem heißen Sommer. Nun soll ein alter Bekannter vorm Weihnachtsgeschäft...

DWN
Politik
Politik Frankreich führt Aufschläge für Medikamente ein. Was bedeutet das für die Preise in Deutschland und für Generika?
25.10.2026

In Frankreich wurde eine neue Vereinbarung mit der Pharmaindustrie über Arzneimittelpreise erzielt, die dazu führen könnte, dass einige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Rüstungsfirma Covenant: Protest gegen Marschflugkörper-Produktion ab 2027 in Leipzig
24.10.2026

Die US-Rüstungsfirma Covenant will in Leipzig Marschflugkörper herstellen. Der Standort soll weltweit die größte Basis für Europas...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...