Politik

Das große Geschäft mit den Impfstoffen hat begonnen

Die EU einigt sich mit dem US-Hersteller Moderna, Bill Gates‘ Impfallianz erhält hunderte Millionen Dosen des Herstellers AstraZeneca und Russland wirbt offensiv für seinen Impfstoff Sputnik 5.
24.11.2020 15:45
Aktualisiert: 24.11.2020 15:45
Lesezeit: 3 min
Das große Geschäft mit den Impfstoffen hat begonnen
Berlin: Bill Gates (l-r), Gründer von Microsoft und der Bill & Melinda Gates Foundation, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Erna Solberg, Ministerpräsidentin von Norwegen, und Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der World Health Organization (WHO), stehen bei der Abschlussveranstaltung des World Health Summit 2018 auf der Bühne. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Die von der Bill&Melinda Gates Stiftung angeführte, internationale Impfallianz Gavi hat sich Hunderte Millionen Dosen des Corona-Vakzins von AstraZeneca für ärmere Länder gesichert. Die von Regierungen und privaten Partnern getragene Allianz begrüßte am Dienstag die angeblich positiven Ergebnisse zur Wirksamkeit des Impfstoffs und bezeichnete diese als gute Nachrichten für die Initiative Covax der Weltgesundheitsorganisation WHO, die eine Verteilung der Corona-Impfstoffe weltweit anstrebt. Für Covax seien Hunderte Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten gesichert worden, erklärte die in Genf ansässige Gavi, die Covax zusammen mit der WHO leitet.

"Positive frühe Daten zu jedem Impfstoffkandidaten sind willkommene Neuigkeiten - umso mehr, wenn es sich um einen Impfstoff handelt, der über herkömmliche Kühl- und Lagermethoden transportiert und geliefert werden kann, und sich der Hersteller dazu verpflichtet hat, diesen auf nicht gewinnorientierter Basis für die Dauer der Pandemie zu liefern", sagte Gavi-Chef Seth Berkley.

AstraZeneca hatte am Vortag mitgeteilt, dass sein Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent erreichen könne. Im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen der Partner Pfizer und Biontech und von Moderna, die ebenfalls positive Wirksamkeitsdaten veröffentlicht hatten, kann das Vakzin von AstraZeneca bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, was die Verteilung erleichtert.

Über die Initiative Covax der WHO werden Impfstoffdosen für ärmere Länder bereitgestellt, die sich diese auf anderem Weg nicht beschaffen können. Bislang haben die Geberländer fünf Milliarden Dollar zugesagt, darunter umgerechnet rund 600 Millionen Dollar aus Deutschland. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller fordert noch mehr Geld für Covax. "Wichtig ist jetzt, die Finanzierungslücke für 2021 schnellstmöglich zu schließen. Alle Industriestaaten, auch die USA, sind aufgerufen, sich zu beteiligen", sagt der CSU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe nach dem G20-Gipfel zurecht darauf verwiesen, dass eine gerechte Verteilung der Impfstoffe in der Corona-Krise gerade für Entwicklungsländer entscheidend sei.

EU einigt sich mit Moderna, Russland preist seinen Impfstoff an

Die Europäische Union hat sich bei einem weiteren Pharmakonzern den Zugriff auf Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs gesichert. Die EU sei sich mit dem US-Biotechkonzern Moderna über den Erwerb von bis zu 160 Millionen Impfdosen einige geworden, erklärte Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Dienstag. Die EU-Kommission hat sich damit bislang insgesamt fast zwei Milliarden Impfdosen gesichert, darunter von Pharmakonzernen wie AstraZeneca, den Partnern Sanofi/GlaxoSmithKline sowie BioNTech und Pfizer, Johnson & Johnson sowie CureVac. Dem Deal mit Moderna soll am Mittwoch grünes Licht gegeben werden.

Die tatsächlichen Einkäufe werden von den EU-Regierungen getätigt, wenn der Impfstoff von der EU-Arzneimittelbehörde zugelassen wird. Der Lieferzeitpunkt ist noch unbekannt. Der Deal mit Moderna würde es aber erlauben, bis zu 80 Millionen Menschen zu impfen, da das Vakzin in zwei Dosen verabreicht wird.

Ein EU-Vertreter hatte Reuters in der vergangenen Woche gesagt, die EU strebe einen Preis von weniger als 25 Dollar pro Dosis für den Moderna-Impfstoff an. Moderna-Chef Stephane Bancel sagte allerdings am Wochenende, das Unternehmen werde den Regierungen je nach bestelltem Betrag zwischen 25 und 37 Dollar pro Dosis in Rechnung stellen.

Russland rührte derweil am Dienstag die Werbetrommel für seinen Corona-Impfstoff Sputnik V, der weniger als die Vakzine der Konkurrenz kosten soll, wie Kirill Dmitriew, Leiter des Staatsfonds RDIF, der die Forschung finanziert, sagte. Im Ausland soll der Impfstoff, der in zwei Dosen verabreicht wird, weniger als zehn Dollar je Dosis kosten. Er wäre damit zwar günstiger als der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer, der auf der neuartigen mRNA-Technologie beruht und in Europa 15,50 Euro (gut 18 Dollar) pro Dosis kosten soll. Er wäre aber teurer als der Impfstoff von AstraZeneca, dessen Preis in Europa bei rund 2,50 Euro pro Dosis liegen soll.

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