Finanzen

China reduziert weiter massiv Dollar-Reserven

China reduziert weiter unablässig seine Reserven an US-Dollar. Das hat nicht nur geopolitische Gründe. Verliert der Dollar seinen Status als Weltreservewährung?
11.04.2023 14:00
Lesezeit: 3 min
China reduziert weiter massiv Dollar-Reserven
China stößt weiter unablässig Dollar-Anleihen ab. (Foto: dpa) Foto: Adrian Bradshaw

China stößt weiter massiv US-Staatsanleihen ab. Der Wert von Treasuries im Besitz chinesischer Gläubiger sank im Februar auf 850 Milliarden Dollar, wie aus Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht.

Der Abwärtstrend bleibt demnach intakt. Chinas Bestände erreichten Ende Februar das niedrigste Niveau seit 13 Jahren.

Finanzexperten führen das unter anderem darauf zurück, dass die Rendite der 10-jährigen US-Papiere (eine wichtige Benchmark für das Zinsniveau weltweit) zwischenzeitlich auf über 4 Prozent gestiegen waren. Der Abverkauf und folgliche Kursverlust der Anleihen hatte einige chinesische Inbestoren verunsichert, weshalb sie in den Verkaufstrend einstimmten, um weitere Verluste zu vermeiden.

„Es ist nur natürlich, dass chinesische Institutionen ihre Bestände an US-Staatsanleihen reduzieren, um ihre Investitionen zu optimieren“, sagte der cinesische Finanzanalyst Zhao Qingming gegenüber der Global Times.

Geopolitische Verkaufsgründe

Infolge der jüngsten Bankenkrise, die eine weniger restriktive Zinspolitik der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) erwarten lässt, sind die Kurse der 10 jährigen Anleihen schon wieder deutlich gestiegen.

Damit dürfte der Abwärtstrend bei den chinesischen Dollar-Reserven aber nicht aufhören. Denn geopolitische Faktoren spielten auch eine wichtige Rolle.

„Seit der russischen Invasion wäre eine Abkehr von US-Staatsanleihen [...] eine verständliche Reaktion auf die politischen Entwicklungen,“ sagte ein Stratege eines großen US-Vermögensverwalters gegenüber Nikkei. Chinas sei daran interessiert, seine finanzielle Unabhängigkeit zu bewahren.

Nach Kriegsbeginn im Februar 2022 beschränkten die USA den Zugang Moskaus zum Dollar und froren unter anderem die russischen Währungsreserven ein. Die Verringerung der Bestände an US-Staatsanleihen verringert das Risiko ähnlicher Sanktionen gegen Peking. Auf dem höchsten Stand (Herbst 2013) hielten chinesische Inhaber inklusive der Zentralbank PBOC 1,3 Billionen Dollar an US-Treasuries, was sie viele Jahre zum größten Gläubiger der Vereinigten Staaten machte.

Heute diversifiziert das Reich der Mitte zunehmend seine Währungsreserven. Der Dollar-Anteil sinkt. Zugleich steigen die Goldreserven erheblich an. Chinas Goldimporte stiegen im letzten Jahr um rund 60 Prozent. Die offiziellen Goldbestände der chinesischen Zentralbank knackten Ende 2022 die Marke von 2.000 Tonnen und nahmen alleine im vierten Quartal um rund fünf Prozent zu.

Abwertungseffekte waren wichtiger als direkte Verkäufe

Derweil sollte man die Zahlen nicht überinterpretieren. Die Fed-Ökonomen Bertaut und Judson gehen davon aus, dass Abwertungseffekte für rund zwei Drittel des 174 Milliarden Dollar schweren Rückgangs in 2022 verantwortlich. Jeder langjährige Investor von US-Treasuries musste 2022 erhebliche Bewertungsverluste hinnehmen.

Die darüber hinaus sinkenden Bestände bedeuten zudem nicht unbedingt, dass massiv Dollar-Anleihen direkt abgestoßen wurden. Ein Teil dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Zinspapiere fällig und nicht reinvestiert wurden. Andernfalls wäre wohl zuletzt der Kurs der 10-jährigen noch stärker unter Druck gekommen.

Die gesamten Devisenreserven Chinas beliefen sich Stand Februar auf 3,13 Billionen Dollar und damit etwas höher als im September-Tief von 3,03 Billionen. Schätzungweise immer noch 60 Prozent dürften in auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten angelegt sein.

Der chinesische Abverkauf von Dollar-Anleihen scheint also erst begonnen zu haben.

Globalisierung des Yuan steht erst am Anfang

Auch wenn China offensichtlich versucht, seine Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, hat es nur begrenzte Fortschritte bei der Globalisierung des Yuan gemacht, was ein wichtiger Meilenstein für dieses Ziel ist. Daten des globalen Zahlungsverkehrssystems SWIFT zeigen, dass der Yuan im Januar 2023 nur bei 1,91 Prozent der weltweiten Transaktionen verwendet wurde und damit sogar etwas weniger als ein Jahr zuvor.

Obwohl China nach Kaufkraftparität vor den USA die größte Wirtschaftsnation der Welt ist, ist der Yuan nur die global fünftgrößte Zahlungswährung, nur die drittgrößte Währung im Handel und nur die fünftgrößte Reservewährung.

In diesem Kontext ist die Energie-Kooperation mit Saudi-Arabien ein großer Schritt. Im Rahmen dessen wollen die beiden Staaten die chinesischen Ölimporte in Yuan statt in Dollar abwickeln. Die Verbreitung des Yuan dürfte also zunehmen, jedoch nicht so stark wie manche Finanzbeobachter glauben mögen.

Trotz der zunehmenden Öffnung der heimischen Finanzmärkte ist Chinas Anleihemarkt noch längst nicht so weit entwickelt wie in den USA und der Yuan nachwievor nicht frei handelbar.

Ende des Dollars als Weltreservewährung hätte "katastrophale Folgen"

Sollte der Yuan mittelfristig den Dollar als Weltleitwährung verdrängen, wären die Auswirkungen wahrscheinlich dramatisch.

Die ehemalige stellvertretende Sekretärin für öffentliche Angelegenheiten des US-Finanzministeriums, Monica Crowley, hat vor „katastrophalen“ Folgen gewarnt, wenn der US-Dollar seinen Status als Weltreservewährung verliert. „Das würde das Ende des US-Dollars bedeuten“, sagte sie in einem Interview mit Fox News und prophezeite „eine vollständige Implosion des globalen Wirtschaftssystems“.

Wenn sich die Schwellenländer vom US-Dollar abwenden würden und stattdessen dem chinesischen Yuan zuwenden und infolgedessen der Dollar nicht mehr die dominierende Währung wäre, sieht Crowley eine große Wirtschaftskrise und Hyperinflation auf die Welt zukommen.

„Dann gäbe es eine vollständige Implosion des globalen Wirtschaftssystems, aber sicherlich des amerikanischen Wirtschaftssystems. Und wenn das passieren würde, hätten wir es mit einer himmelhohen Inflation zu tun, einer Inflation, wie sie in der Weimarer Republik herrschte. Wenn Sie glauben, dass die Inflation jetzt schon schlimm ist, dann warten Sie nur ab“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Jakob Schmidt

                                                                            ***

Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechenzentren: Warum Energieaktien zur Nebenwette auf künstliche Intelligenz werden
13.06.2026

Der Energiesektor könnte zu einem der Gewinner beim Bau der Rechenzentren werden, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bahn: Familientickets ab 60 Euro – worauf Sie unbedingt achten müssen
13.06.2026

Die Deutsche Bahn bringt ein neues Familienticket zum Festpreis an den Start und verspricht attraktive Konditionen für Reisende. Doch das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lexus LBX im Test: Hybrid-SUV erinnert an die besten Diesel-Zeiten
13.06.2026

Der Lexus LBX setzt nicht auf reinen Elektroantrieb, sondern auf einen effizienten Hybrid. Im Test überzeugt der kleine SUV mit Verbrauch,...

DWN
Technologie
Technologie Glasfaser-Boom ohne Kunden: Warum die Branche ins Straucheln gerät
13.06.2026

Schnelles Internet gilt als Schlüssel für die digitale Zukunft Deutschlands. Doch während immer mehr Glasfaserkabel verlegt werden,...

DWN
Panorama
Panorama EY-Umfrage: Jobmarkt verunsichert Deutschlands Studierende
13.06.2026

Wer heute studiert, blickt offenbar weniger sorglos auf den Arbeitsmarkt als frühere Jahrgänge. Eine aktuelle Umfrage von EY zeigt...

DWN
Technologie
Technologie KI-Revolution: In einer Branche ist sie schon angekommen
13.06.2026

In der Softwarebranche ist die KI-Revolution nicht mehr Zukunftsmusik. Sie zeigt, wie schnell ein Beruf kippen kann und welche Fragen sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Sechs Thesen zur Krisenbewältigung
13.06.2026

Deutschlands Wirtschaft steckt in einer tiefen strukturellen Krise, da das exportgetriebene Wachstumsmodell der letzten Jahrzehnte spürbar...