Finanzen

Warum fallende Inflation kein Ende der Gold-Rallye bedeutet

Die Inflation sinkt, die Wirtschaft scheint stabilisiert und Aktien wieder attraktiver. Doch es gibt auch Argumente, warum Gold jetzt das bessere Investment ist.
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26.11.2023 10:30
Aktualisiert: 26.11.2023 10:30
Lesezeit: 3 min
Warum fallende Inflation kein Ende der Gold-Rallye bedeutet
Die Inflation fällt, doch die Gold-Rallye geht weiter. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Die fallende Inflation in den USA und in Europa hat bei Investoren die Erwartung gestärkt, dass die Zentralbanken den Zinsanstieg nicht weiter fortsetzen werden und sogar wieder umkehren könnten. Dies würde bedeuten, dass die Wirtschaft glimpflich davonkommt, also ohne eine schwere Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit.

„In einem solchen Szenario wäre es vernünftig, wenn Anleger Aktien und sogar Anleihen gegenüber Gold den Vorzug geben würden“, schreibt diese Woche Rebecca Patterson, eine frühere leitende Anlagestrategin beim US-Hedgefonds Bridgewater Associates von Ray Dalio, in einem Gastbeitrag für die Financial Times.

Doch was spricht gegen Gold? Patterson schreibt, dass sich Gold in der Vergangenheit in zwei Szenarien tendenziell besser entwickelt hat: in einem rezessiven Umfeld mit niedrigen und sinkenden Zinssätzen und erhöhter Unsicherheit und in einem Umfeld wirtschaftlicher Überhitzung mit hoher und steigender Inflation.

Zentralbanken wollen weiter massiv Gold kaufen

Doch auch wenn eine konjunkturelle Lage, wie sie derzeit von den Märkten erwartet wird, in der Vergangenheit tendenziell ungünstig für Gold war, so sieht Patterson mit Blick auf das kommende Jahr dennoch mindestens drei Faktoren, die dazu beitragen könnten, dass Gold seine jüngste Rallye fortsetzt, die den Preis bereits auf 2.000 Dollar steigen ließ.

Erstens haben die Zentralbanken angedeutet, dass sie ihre Goldreserven weiter aufstocken wollen. Die Analystin erinnert daran, dass Währungsreserven vor allem der Liquidität und Stabilität dienen und nicht der Rendite wegen erworben werden. Das sei auch ein Hauptgrund dafür, dass die Zentralbanken so viele US-Staatsanleihen besitzen.

Zudem hat in den letzten Jahren ein anderer Aspekt an Bedeutung gewonnen, dass nämlich die Zentralbanken eine Diversifizierung zum Schutz vor geopolitischen Schocks suchen. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch die westlichen Sanktionen gegen russische Vermögenswerte, von denen auch die Währungsreserven der russischen Zentralbank betroffen waren.

Denn in der Folge vermeiden Russland und zahlreiche Staaten, die mit Russland Geschäfte machen, auf Dollar lautenden Vermögenswerten sowie Vermögenswerte von US-Verbündeten, die möglicherweise ähnliche Sanktionen verhängen würden. Stattdessen setzen sie auf eine Diversifizierung ihrer Währungsreserven.

Gold hat davon profitiert. Denn es stellt einen relativ liquiden, stabilen Vermögenswert dar, der außerhalb des Zahlungssystems SWIFT verwendet werden kann, das vom Westen gegen Russland instrumentalisiert wurde. Für Gold spricht auch, dass es in der Vergangenheit in Zeiten erhöhter Unsicherheit in der Regel gut abgeschnitten hat.

Im vergangenen Jahr kauften die globalen Zentralbanken nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council eine Rekordmenge von 1.136 Tonnen Gold, weitere 800 Tonnen wurden in den ersten drei Quartalen 2023 gekauft. Angeführt wurden die Goldkäufe von Schwellenländern, insbesondere von China und der Türkei.

China war in den ersten neun Monaten dieses Jahres mit 181 Tonnen bei weitem der größte Goldkäufer unter den Zentralbanken, wodurch die offiziellen Goldreserven des Landes auf 2.192 Tonnen anstiegen. Einige Analysten gehen jedoch davon aus, dass die tatsächlichen chinesischen Goldreserven deutlich höher liegen, als offiziell gemeldet wird.

China hat nach Ansicht von Rebecca Patterson noch reichlich Spielraum nach oben, um seine Goldbestände zu erhöhen, wenn es eine weitere Diversifizierung anstrebt. Denn der Anteil von Gold an den Gesamtreserven liegt offiziell bei nur etwa 4 Prozent und damit deutlich niedriger als bei den anderen größeren Zentralbanken.

Zum Vergleich: Die Währungsreserven der Federal Reserve und der Deutschen Bundesbank bestehen nach offiziellen Angaben zu etwa zwei Dritteln aus Gold. Die Goldreserven Russlands machen knapp ein Viertel der gesamten Währungsreserven des Landes aus, während die Goldreserven der Türkei 26 Prozent der Gesamtreserven ausmachen.

Eine im Mai veröffentlichte Umfrage des World Gold Council ergab, dass zwei Drittel der Zentralbanken der Schwellenländer und 39 Prozent der Zentralbanken der Industrieländer davon ausgehen, dass sie ihre Goldbestände in den nächsten fünf Jahren auf mindestens 16 Prozent der Gesamtreserven erhöhen werden. Bei China sind es derzeit nur 4 Prozent.

Starker Goldkonsum in China erwartet

Doch nicht nur von Chinas Zentralbank werden weitere starke Goldkäufe erwartet, sondern auch die chinesischen Haushalte, die traditionell die größten Goldkonsumenten der Welt sind, könnten mehr Gold kaufen. Denn die Anlagemöglichkeiten für chinesische Privatanleger sind begrenzt und der Immobiliensektor strauchelt.

Wenn es der chinesischen Regierung nicht gelingt, die Immobilienkrise einzudämmen und die Preise nachhaltig zu stabilisieren, werden die Aktienmarkt wahrscheinlich weiter unter Druck geraten. Es könnte den Haushalten vernünftiger erscheinen, ihre Ersparnisse verstärkt in Gold umzuschichten, um ihr Vermögen zu erhalten.

Geopolitische Umbrüche machen Gold attraktiv

Patterson nennt noch einen dritten Grund, warum die Gold-Rallye sich trotz allem Gegenwind fortsetzen könnte. Demnach könnten Anleger auch im Westen ihre Goldallokationen erhöhen, „um sich gegen einen ungewöhnlich vollen politischen Kalender abzusichern, der die ohnehin schon unruhigen geopolitischen Verhältnisse noch verschärfen könnte“.

Im kommenden Jahr finden in Dutzenden von Ländern Wahlen statt, deren Ergebnisse in kritischen Ländern wie den USA, Taiwan und Mexiko drastische politische Veränderungen auszulösen drohen. Die verschärften geopolitischen Unsicherheit könnten die Erwartungen an die Konjunktur dämpfen und ein attraktives Umfeld für Gold schaffen.

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