Finanzen

Vorfälligkeitsentschädigung zurückfordern – Jetzt handeln!

Zahlreiche Kreditnehmer haben möglicherweise das Recht, gezahlte Vorfälligkeitsentschädigungen zurückzuerhalten. Grund dafür sind irreführende Klauseln in den Darlehensverträgen. Ein neues Gerichtsurteil des OLG Schleswig-Holstein hat den Weg für eine Reihe von Rückforderungen und Klagen geebnet. Prüfen Sie, ob auch Sie Ansprüche geltend machen können.
11.03.2024 11:54
Aktualisiert: 11.03.2024 11:54
Lesezeit: 3 min

Bankkunden aufgepasst: Für viele tausende Darlehensnehmer könnte ein aktuelles Urteil (Aktenzeichen: 5 U 107/23) des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein (OLG) nicht nur eine finanzielle Erleichterung, sondern auch eine unerwartete Rückzahlung ihrer Vorfälligkeitsentschädigung bedeuten.

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist die Gebühr, die Ihnen in Rechnung gestellt wird, falls Sie einen Kredit vor Ablauf der üblichen Laufzeit von 10, 15 oder 20 Jahren zurückzahlen. Solche Zahlungen treten typischerweise auf, wenn Sie Ihre Immobilie veräußern und den damit verbundenen Kredit vorzeitig ablösen. Warum? Normalerweise sichern sich Banken gegen den Zinsverlust durch eine vorzeitige Kreditrückzahlung ab, indem sie diese Entschädigung einfordern. Jährlich nehmen Kreditinstitute in Deutschland dadurch Millionen von Euro an Vorfälligkeitsentschädigungen ein.

Doch nun steht die Gültigkeit dieser Praxis infrage: In der zugrunde liegenden Rechtstreitigkeit hat das OLG entschieden, dass eine Bank aufgrund eines Formfehlers den Anspruch auf eine bereits erhobene Vorfälligkeitsentschädigung verliert. Konkret wurde die Bank verurteilt, 17.797,14 Euro, nebst Zinsen, an die betroffenen Kunden zurückzuerstatten.

Fehler in der Formulierung der Zinsbindung führt zur Unwirksamkeit – Banken verlieren Ansprüche

Der Hintergrund: Eine missverständliche Formulierung im zugrunde liegenden Darlehensvertrag, die eine Vielzahl von Baufinanzierungen betreffen könnte! In dem Vertrag war geregelt, dass beim vorzeitigen Ausstieg aus dem Kreditverhältnis eine Entschädigung fällig wird. Die betroffenen Kunden, ein Ehepaar, hatten für ihre Finanzierung eine 15-jährige Zinsbindung gewählt.

Der Knackpunkt lag in einem Detail: Das Gesetz räumt Darlehensnehmern nach Paragraph 489 BGB ein gesetzliches Recht auf vorzeitige Kündigung „nach Ablauf von zehn Jahren unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten“ ein. Jedoch wurde es versäumt, die Kunden im Vertrag über dieses Sonderkündigungsrecht aufzuklären, was die entsprechende Klausel im Darlehensvertrag ungültig machte.

Die Bank argumentierte, dass der Darlehensvertrag alle wichtigen Informationen enthalte und ein gesondert ausgewiesener Hinweis auf das Recht zur Sonderkündigung nicht nötig sei. Sie vertrat die Ansicht, dass aufgeklärte Verbraucher gesetzlich festgelegte Fristen kennen. Diese Verteidigung wurde vom Gericht jedoch nicht akzeptiert.

Vorfälligkeitsentschädigung bereits gezahlt? Urteil betrifft auch ältere Darlehensverträge!

Doch was heißt das konkret? In der Praxis bedeutet dies, dass eine potenzielle Rückerstattung bereits entrichteter Vorfälligkeitsentschädigungen in vielen Fällen möglich ist! Diese Chance besteht auch für ältere Verträge, solange die dreijährige gesetzliche Verjährungsfrist noch nicht verstrichen ist. Kunden könnten somit unter Umständen Tausende von Euros zurückerhalten.

Kreditnehmer, deren Kreditauszahlungen nicht später als im Jahr 2021 zurück liegen, sollten ihre Verträge daher aufmerksam prüfen. Der Versuch, Vorfälligkeitsentschädigungen zurückzufordern, könnte sich lohnen! Wie im Fall von Herrn Müller, der im Jahr 2022 eine Immobilienfinanzierung über 200.000 Euro aufgenommen hatte und 5.000 Euro an Vorfälligkeitsentschädigung zahlen musste, als er sein Darlehen vorzeitig zurückzahlte. Da die Informationen in seinem Vertrag unzureichend waren, kann er nun die komplette Summe nebst Zinsen von seiner Bank zurückfordern.

Darüber hinaus erlaubt das Urteil betroffenen Kreditnehmern die vorzeitige Rückzahlung ihrer Darlehen, ohne dabei exorbitante Vorfälligkeitsentschädigungen fürchten zu müssen – ein Faktor, der bisher viele von einer frühzeitigen Tilgung abgehalten hat. Dies gibt ihnen die finanzielle Freiheit, zu entscheiden, ob sie bei niedrigeren Zinssätzen refinanzieren oder ihr Eigentum ohne die zusätzliche Last einer Strafzahlung verkaufen möchte.

Was Verbraucher tun sollten: Tipps wie Sie Vorfälligkeitsentschädigungen zurückbekommen!

In jedem Fall markiert das OLG-Urteil einen Wendepunkt, indem es die Bedeutung der Verbraucherrechte bei Intransparenz in Kreditverträgen hervorhebt. Es stellt klar, dass irreführende Informationen unzulässig sind und legt fest, dass die Klarheit der Vertragsinformationen aus Sicht des durchschnittlichen Verbrauchers gewährleistet sein muss.

Insbesondere Darlehensverträge von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie DSL- und Sparda-Banken stehen im Verdacht, von dem Urteil betroffen zu sein. Mit weitreichenden Konsequenzen, sowohl für einzelne Kunden als auch die Bankinstitute. Experten erwarten, dass die Institute künftig mit zahlreichen Rückforderungen und Klagen konfrontiert werden.

Bei Unklarheiten oder Ungereimtheiten in ihren Kreditverträgen sollten Verbraucher rechtliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Der Sparkassen- und Giroverband fungiert dabei als kostenfreie Schlichtungsstelle, um Differenzen zwischen Banken und Kunden beizulegen – eine vorteilhafte Alternative, bevor man rechtliche Schritte einleitet. Häufig lassen sich Unstimmigkeiten im Vertrag, ob nun Fehler in der Gestaltung oder in der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung, im Sinne der Verbraucher klären. Die Verbraucherzentrale bietet weiterführende Hilfestellungen an und ermöglicht über ihren Online-echner, die Höhe einer möglichen Vorfälligkeitsentschädigung zu ermitteln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Konjunkturerholung gewinnt an Breite: Asien stark, Deutschland überrascht
23.02.2026

Immer mehr Indikatoren sprechen dafür, dass die Weltwirtschaft in eine Phase breiterer Erholung eintritt. Die ersten...

DWN
Politik
Politik Tausende Kinder von Sanktionen beim Bürgergeld betroffen
23.02.2026

Immer mehr Familien geraten durch Sanktionen beim Bürgergeld unter Druck – mit spürbaren Folgen für Kinder. Neue Zahlen zeigen eine...

DWN
Politik
Politik Geheimer Deal: Iran einigt sich mit Russland auf Kauf tragbarer Raketensysteme
23.02.2026

Ein geheimer Rüstungsdeal zwischen Iran und Russland sorgt für neue Spannungen im Nahen Osten. Für rund 500 Millionen Euro soll Teheran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?
23.02.2026

Donald Trump bringt erneut globale Strafzölle ins Spiel – nur Tage nach einer juristischen Schlappe vor dem Supreme Court. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie profitiert von Milliardenförderung: Mehr Fördermittel für grünen Stahl aus Salzgitter
23.02.2026

Die Salzgitter-Aktie legt am Montag leicht zu: Milliardenförderung, grüner Stahl und politische Rückendeckung verändern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
23.02.2026

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Demografischer Wandel: Europa und vor allem Deutschland altern schneller
23.02.2026

Niedrige Geburtenraten, steigende Lebenserwartung: Europa erlebt einen erheblichen demografischen Wandel. Aktuelle Daten belegen die...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trumps Team sucht mit politischem Druck und finanziellen Anreizen Verbündete in Europa
23.02.2026

Die Regierung von Donald Trump verfolgt ein neues außenpolitisches Ziel: den Export ihrer ideologischen Agenda nach Europa. Dabei geht es...