Wirtschaft

Absatzmarkt USA: Kommen Zölle von 25 Prozent auf deutsche Autos?

Donald Trump macht Ernst: Die USA sollen laut dem Präsidenten Strafzölle von 25 Prozent auf alle Produkte aus der EU erheben. Die EU sei ein ungerechtes Konstrukt, das einzig dazu bestimmt sei, die USA über den Tisch zu ziehen, so Trump. Vor allem deutsche Autobauer fürchten um den wichtigen Absatzmarkt USA. Wie kann die EU reagieren — und was bedeuten die Androhungen Trumps für Europas geopolitische Ausrichtung?
05.03.2025 05:57
Aktualisiert: 09.03.2025 07:00
Lesezeit: 4 min
Absatzmarkt USA: Kommen Zölle von 25 Prozent auf deutsche Autos?
Warum Trump Strafzölle auf deutsche Autos will (Foto: dpa).

Lange wurden sie befürchtet, jetzt scheinen die Strafzölle der USA auf europäische Produkte zu kommen. Donald Trump kündigte in seiner ersten Kabinettssitzung 2025 Strafzölle von 25 Prozent an und brachte damit den Dax zum Einbruch. Vor allem deutsche Autobauer müssen schwere Einbußen befürchten, sollte sich der Präsident nicht zu einem Deal überreden lassen.

EU und USA im Handelskrieg: Es begann mit dem „Chicken War“

Seit Jahren belegen sich USA und EU gegenseitig mit Zöllen. Ikonisch ist der sogenannte „Hühnchen-Krieg“. So erhob die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft in den frühen 1960er Jahren Sonderzölle auf US-Hühnchen, um die eigenen Landwirte zu schützen. Die Gegenmaßnahme ließ nicht lange auf sich warten: 1963 verhängte US-Präsident Lyndon B. Johnson einen Sonderzoll von 25 Prozent auf europäische Trucks, der bis heute fortbesteht.

Immer wieder ergaben sich Ungleichgewichte zwischen den beiden Märkten. So erhebt die EU deutlich höhere Zölle auf importierte Agrarprodukte aus den USA als diese auf europäische Produkte. Auch werden importierte US-Autos mit einem Pauschalzoll von 10 Prozent belegt, während die USA auf alle Wagen, abgesehen von Trucks, nur 2,5-prozentige Einfuhrzölle verlangt.

Dieses Ungleichgewicht will Trump nicht auf sich sitzen lassen. Die EU habe die „USA auf andere Weise ausgenutzt“, als andere Handelspartner wie Kanada. Im Jahr 2018 erhob Trump verhältnismäßig hohe Zölle auf Aluminium und Stahl aus der EU, welche mit Zöllen auf Whiskey, Blue Jeans und Motorräder gegensteuerte. Die Zölle auf Aluminium und Stahl wurden just im Februar 2025 erhöht. Beide Seiten machten mit diesen Nadelstichen Milliardenverluste, der Gewinn für den jeweiligen heimischen Markt fällt gering aus.

10 statt 25 Prozent? Europäer versuchen sich am „Art of the Deal“

Während etwa im Kiel Institut für Weltwirtschaft die Schrumpfung des deutschen Automobilsektors um bis zu vier Prozent befürchtet wird, geben sich manche Politiker besonnen. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses der EU, fasst es so zusammen: „Trump nutzt Zölle auch ganz bewußt, um politischen Druck aufzubauen. Unsere Devise muss lauten: Verteidigen wo notwendig und verhandeln wo möglich.“

Auch Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler, sieht im Disput mit Trump Verhandlungsspielräume. Dieser würde, ganz im Sinne seiner „Art of the Deal“, eine Maximalforderung ausrücken, um sich dann herunterhandeln zu lassen. Es sei möglich, dass Trump sich auf Strafzölle von 10 Prozent festlegen ließe, so Walk. Da der Euro gleichzeitig an Wert verliere, könnten die Absätze in US-Dollar den Verlust einigermaßen abfedern. Gleichwohl, so Walk, würden die Zölle insbesondere deutsche Autobauer, die deutsche Pharmazeutik und den Maschinenbau hart treffen.

Europas Politiker und Industrielle versuchen sich dieser Zeiten an etlichen Charmeoffensiven, um ihre Beziehungen mit Trump und den USA zu verbessern. Doch Trump bleibt bei seinen Maximalforderungen, auch eine Reise des VW-Chefs Oliver Blume in die USA zu persönlichen Gesprächen mit dem US-Präsidenten konnte daran nichts ändern.

Zugeständnisse, Produktionsverlagerungen oder Vergeltungsmaßnahmen: Das können die Europäer jetzt tun

Charmeoffensiven reichen offenbar nicht, um Trump von seinem radikalen Kurs abzubringen. Die USA haben aber Wünsche, die von ihren Partnern erfüllt werden können, um im Umkehrschluss niedrigere Zölle auszuhandeln. So wurden Strafzölle auf mexikanische Produkte ausgesetzt, nachdem sich die Regierung zu einer militärischen Beteiligung des US-Grenzschutzes bereit erklärte. Und nach Zugeständnissen des ukrainischen Präsidenten Selenskyjs zum Abbau und Export ukrainischer Rohstoffen in die USA vergaß Trump sogar, seinen Amtskollegen je als „Diktator“ bezeichnet zu haben.

Ähnliche Zugeständnisse müssen auch von der EU kommen, um die vergiftete Partnerschaft mit den USA zu revitalisieren. Das Handelsdefizit zwischen den USA und der EU könnte etwa mit höheren LNG-Importen ausgeglichen werden. Nachdem die LNG-Importe aus den USA in die EU zwischen 2023 und 2024 um mehr als 15 Prozent gesunken waren, könnten diese wieder erhöht werden, um den USA entgegenzukommen.

Auch möglich ist eine Verlagerung der Produktion in die USA. Nach dem Vorbild von Mercedes-Benz und BMW könnten auch VW, Porsche und Audi mehr Werke in den USA bauen und dort auf eine verstärkte Produktion setzen. Die Zölle wären damit umgangen, es täten sich allerdings neue Probleme auf: Abwanderung von Fachkräften und Know-how aus Deutschland, hohe Anfangsinvestitionen und der mühsame Aufbau einer neuen Infrastruktur wären nur einige Nachteile für Europas Automobilbranche.

Am schwerwiegendsten dürften jedoch der Verlust heimischer Arbeitsplätze und fehlende Steuereinnahmen für den alten Kontinent ausfallen. Und damit wäre nur der Autoindustrie halbwegs geholfen, während Branchen wie die Pharmazie sich nicht so einfach ins Ausland verlagern lassen und somit immer noch von Strafzöllen bedroht würden.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte „feste und verhältnismäßige Gegenmaßnahmen“ vonseiten der EU. Doch Vergeltungsmaßnahmen in Form von eigenen Strafzöllen auf amerikanische Produkte würden allerdings wenig bringen, warnt etwa Kanzler Olaf Scholz.

Dieses Beispiel scheint sich zu bestätigen, blickt man auf den Handelskrieg zwischen den USA und China: Seit 2018 wetteifern beide Mächte mit drakonischen Zöllen auf chinesische Technik und US-amerikanische Agrarprodukte. Zwar spülten die Zölle kurzfristig Geld in die amerikanischen Kassen und etwa der „Phase-One-Deal“ kurbelte den Export US-amerikanischer Güter nach China an. Doch höhere Kosten im Inland und Exporteinbußen durch Vergeltungsmaßnahmen schadeten der US-amerikanischen und Chinas Wirtschaft. Europa und die USA könnten in einem eskalierenden Handelskonflikt ebenso beiderseitig Einbußen davontragen.

EU gegen USA: Suchen die Europäer jetzt neue Verbündete?

Manche Stimmen vermuten gar, dass die Europäer indessen nach neuen Partnern suchen und ihre Abhängigkeit von den USA weiter verringern.

Öffentlichkeitswirksam reiste Ursula von der Leyen nach Indien und besprach dort in Neu-Delhi mit Premierminister Narendra Modi ein neues Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. Besonders wichtig war dabei die vereinfachte Einfuhr europäischer Autos. Auch Indien ist in der prekären Lage, entweder die Energieimporte aus den USA zu erhöhen oder mit hohen Strafzöllen belegt zu werden. Im Februar traf sich von der Leyen zudem mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau, um den Handel von Rohstoffen zu besprechen. Mit Mexiko schloss die EU im Januar ein neues Abkommen, um den Handel anzukurbeln und kritische Rohstoffe aus dem Land zu sichern.

Brisant: Auch die Gespräche zwischen der EU und China seien derzeit „hochdynamisch“, so Bernd Lange. Neben dem Investitionsabkommen CAI (Comprehensive Agreement on Investment) stehen Ausfuhrzölle auf Batterien für Elektroautos aus China zur Debatte. Und China startet in den USA und der EU eine regelrechte Charmeoffensive, bei der es sich als verlässlichen Partner darstellt. Den dürfte die EU brauchen, und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Europas De-Risking-Strategie ausgerechnet durch die USA ins Wanken gebracht wird.

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Virgil Zólyom

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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