Unternehmen

US-Zölle auf Stahl und Aluminium: Trump bringt Zölle auf den Weg

US-Präsident Donald Trump hat Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht. Der Republikaner unterzeichnete dazu zwei Anordnungen im Weißen Haus und sagte, die Zölle sollten ausnahmslos für Einfuhren aus allen Staaten gelten.
11.02.2025 10:22
Lesezeit: 3 min

Stahl und Aluminium: Trump bringt weitere Zölle auf den Weg

US-Präsident Donald Trump hat Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht. Der Republikaner unterzeichnete dazu zwei Anordnungen im Weißen Haus und sagte, die Zölle sollten ausnahmslos für Einfuhren aus allen Staaten gelten.

In den beiden Proklamationen, die die US-Regierungszentrale später veröffentlichte, ist aufgelistet, dass diverse Ausnahmeregeln für verschiedene Länder ab 12. März nicht mehr gelten sollen. Stattdessen soll dann ein einheitlicher Zoll-Satz von 25 Prozent greifen.

„Heute vereinfache ich unsere Zölle auf Stahl und Aluminium, damit jeder genau verstehen kann, was das bedeutet“, sagte Trump. „Es sind 25 Prozent ohne Ausnahmen (...). Und das gilt für alle Länder, egal, woher es kommt.“ Der Präsident sagte zu seiner Entscheidung: „Das ist eine große Sache.“ Auf diesem Weg werde Amerika wieder reich.

Obwohl viele Experten sie für kontraproduktiv halten, beschreibt Trump Zölle regelmäßig als eine Art wirtschaftspolitisches Wundermittel. Und er stellte direkt weitere Zoll-Ankündigungen in Aussicht, etwa mit Blick auf Autos, Computer-Chips und Pharmazeutika. "Das wird großartig für unser Land", kündigte Trump an. Details nannte er dazu aber nicht.

Sorge in Europa und Deutschland

Trump hatte die geplanten Zölle auf Stahl und Aluminium bereits am Sonntag angekündigt. Die Europäische Union warnte den US-Präsidenten daraufhin vor der Einführung dieser Importzölle. „Die EU sieht keine Rechtfertigung für die Verhängung von Zöllen auf ihre Exporte“, teilte die für die Handelspolitik zuständige EU-Kommission in Brüssel mit. „Wir werden handeln, um die Interessen europäischer Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher vor ungerechtfertigten Maßnahmen zu schützen.“

Auch die Bundesregierung zeigte sich nach Trumps Ankündigung von Sonntag besorgt. Zölle würden die deutsche exportorientierte Wirtschaft treffen, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums vor Journalisten in Berlin. Auf Nachfrage, ob mögliche Gegenmaßnahmen auch diesmal wieder US-Produkte wie Motorräder oder Whiskey treffen könnten, wie es schon während Trumps erster Amtszeit der Fall gewesen war, sagte der Sprecher, es gebe keinen Automatismus aufgrund der Erfahrung vom letzten Mal.

Erinnerungen an Trumps erste Amtszeit

Als Trump nach seinem ersten Wahlsieg Zölle auf europäische Stahl- und Aluminiumimporte einführte, reagierte die EU darauf mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter. Während der Amtszeit seines Nachfolgers Joe Biden wurde ein Stillhalteabkommen geschlossen, das die Zölle entschärfte.

Laut dem Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl sind die USA der wichtigste Absatzmarkt für die europäische Stahlindustrie. Aus der gesamten EU seien 2023 rund vier Millionen Tonnen in die USA exportiert worden. Allein aus Deutschland seien es jährlich rund eine Million Tonnen, zumeist Spezialstahl. Deutschland ist der größte Stahlproduzent in der EU und steht weltweit an siebter Stelle hinter China, Indien, Japan, den USA, Russland und Südkorea. Branchenübergreifend sind die USA für deutsche Exporteure der wichtigste Absatzmarkt.

Die USA beziehen ihren Stahl nach jüngsten Angaben des Branchenverbands American Iron and Steel Institute vor allem aus Kanada, Brasilien und Mexiko. Auch Deutschland und China rangieren demnach in den Top 10 der Herkunftsländer von Stahlimporten.

„Unschön, aber nicht verheerend“

Der frühere Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, erwartet allerdings überschaubare Folgen für Europa durch neue US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. „Es ist unschön für unsere Volkswirtschaften, aber nicht verheerend“, sagte Felbermayr der DPA. Zudem dürften die Stahlpreise sinken, wenn mehr Stahl in Deutschland bleibe und andere Länder statt in die USA mehr nach Deutschland lieferten. Das könne etwa den Bau von Windrädern günstiger machen.

Der heute in Wien tätige Wirtschaftsprofessor geht zurzeit davon aus, dass die US-Zölle vor allem ein „Drohinstrument“ sind. „Auch die USA haben kein nachhaltiges Interesse daran, sich wirklich abzuschotten und Zollmauern zu errichten“, sagte er. Europa sei aber heute in einer schwierigeren Position als vor acht Jahren, als ein Deal mit Trump gefunden wurde, um Zölle abzuwenden. Die Europäer seien mittlerweile abhängiger von den USA, etwa wegen der Flüssiggaslieferungen, und sie hätten den damals versprochenen Abbau von Industriezöllen nicht umgesetzt. „Die Frage ist, wie viel Porzellan wird zerschlagen, bis man wieder den Tisch decken kann.“

Aufschub für Mexiko und Kanada

Trump nutzt Zölle gern als außenpolitisches Druckmittel, um seine Ziele zu erreichen. Anfang Februar konnte ein nordamerikanischer Handelskrieg mit ungewissen Folgen für die Weltwirtschaft gerade noch abgewendet werden. Trump ließ sich nur wenige Stunden vor dem Inkrafttreten angedrohter Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Mexiko und Kanada auf Zugeständnisse der Nachbarn vor allem bei der Grenzsicherung ein. Dafür schob er die Handelsbeschränkungen für mindestens 30 Tage auf. Neue Zölle gegen China blieben dagegen in Kraft.

Und Trump lässt keinen Zweifel daran, dass noch einiges an Zöllen mit ihm kommen dürfte. Als Nächstes, innerhalb der kommenden zwei Tage, werde er reziproke Zölle verkünden, versprach Trump weiter. Damit sind wechselseitige Zölle gemeint, die dem Zollniveau des jeweiligen Handelspartners angepasst werden. Trump sagte, es sei ganz einfach: „Wenn sie uns etwas berechnen, berechnen wir ihnen etwas.“ Er wolle anderen Ländern nicht schaden. „Aber sie haben uns jahrelang ausgenutzt."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen So bleiben deine Online-Finanzdaten geschützt

Heutzutage wird jede deiner Aktivitäten online nachverfolgt. Es fühlt sich an, als würde immer jemand deine Einkäufe im Internet...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Globale Staatsverschuldung auf Rekordniveau: Was Anleger jetzt wissen sollten
12.04.2026

Die globale Verschuldung nimmt weiter zu und übertrifft zunehmend das Wachstum der Weltwirtschaft, während steigende Zinsen die...

DWN
Panorama
Panorama A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen
12.04.2026

Leadership gilt als moralischer Kompass unserer Zeit: empathisch, inklusiv, kontrolliert. Doch passt dieses Ideal zur Realität...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Arbeitsverträge als Risiko: So vermeiden Unternehmen teure Fehler
12.04.2026

Arbeitsverträge gelten in vielen Unternehmen als Formalität, doch fehlerhafte oder veraltete Vereinbarungen können schnell rechtliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geely Cityray im Test: Was stimmt eigentlich nicht mit dem günstigen Chinesen?
12.04.2026

Der Geely Cityray gehört zu den vernünftigsten Familien-SUV auf dem Markt. Für einen Preis von 27.000 Euro, der eher dem Segment...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsprojekte unter Druck: Milliardeninvestitionen geraten ins Stocken
12.04.2026

Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme, doch zentrale Projekte geraten durch Konflikte, Verzögerungen und steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreis-Prämie als Direktzahlung geplant? Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
12.04.2026

Die deutsche Regierung prüft neue Wege, um die hohen Kraftstoffpreise der Bürger auszugleichen und setzt möglicherweise mit einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Richtlinien im E-Commerce: One-Click-Return setzt neue Standards
12.04.2026

Neue EU-Vorgaben setzen den Onlinehandel unter Druck, da Rückgaben künftig genauso einfach funktionieren müssen wie der Kaufprozess...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation und Wachstum unter Druck: EZB warnt vor Risiken durch Energiepreise
12.04.2026

Die wirtschaftlichen Risiken im Euroraum nehmen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen spürbar zu, während die EZB...