Finanzen

Deutsche Goldreserven: Hoher Goldpreis, explodierende Staatsschulden – sollte die Bundesbank Gold zu Geld machen?

Rekordschulden, Rekordausgaben: Der Bundeshaushalt steuert unter der schwarz-roten Regierung bis 2029 auf ein 850 Milliarden Euro schweres Schuldenloch zu. Eine astronomische Neuverschuldung für Deutschland, doch das Land verfügt über die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Doch warum Gold verkaufen, wenn man einfach neue Schulden machen kann?
23.01.2026 15:03
Lesezeit: 5 min
Deutsche Goldreserven: Hoher Goldpreis, explodierende Staatsschulden – sollte die Bundesbank Gold zu Geld machen?
Gold statt Schulden? Deutschland hat nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Mehr als ein Drittel dieser Goldbarren wird derzeit bei der US-Notenbank FED in New York verwahrt. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Bundeshaushalt: Schuldenschock für Deutschland – und die Rolle der Goldreserven

Es sind astronomische Zahlen, wie sie noch keine Bundesregierung zuvor bei der Haushaltsplanung vorgelegt hat: Der Haushaltsplan des Bundesfinanzministers verspricht Rekorde – auch bei den Schulden. Allein in diesem Jahr plant Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Ausgaben von 503 Milliarden Euro im regulären Kernhaushalt. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Anstieg um sechs Prozent. Da den geplanten Ausgaben nur 421 Milliarden Euro an Einnahmen gegenüberstehen, soll die Neuverschuldung von 33,3 Milliarden auf 81,8 Milliarden Euro hochschnellen.

Für die kommenden Jahre kalkuliert Klingbeil sogar mit noch höheren Schulden. Bis 2029 soll sich die sogenannte Nettokreditausnahme, also Schuldenaufnahme minus Tilgung, auf 500 Milliarden Euro summieren. Und zwar allein im regulären Etat. Hinzu kommen Ausgaben aus den Sonderschuldentöpfen für die Bundeswehr, die Infrastruktur und den Klimaschutz in Höhe von 347 Milliarden Euro. Das heißt, der Bundeshaushalt steuert auf ein 847 Milliarden schweres Schuldenloch zu.

Doch Deutschland hat nicht nur Schulden, sondern die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Goldreserven in Milliardenhöhe können als Sicherheit für Krisenzeiten eines Staates oder zum Schulden begleichen herangezogen werden. Angesichts der immensen Verschuldung Deutschlands wäre es wünschenswert, im Notfall sofortigen Zugriff auf alle Goldreserven zu haben. Denn letztendlich ist es das Geld deutscher Steuerzahler.

Wie viele Goldreserven hat Deutschland? Bundesbank verwaltet 3.350 Tonnen Gold

Der Bund besitzt die zweitgrößten Goldbestände der Welt nach denen der USA. Diese Goldreserven sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Finanzstabilität und werden von der Deutschen Bundesbank verwaltet: Ende 2024 verfügte Deutschland insgesamt über mehr als 3.350 Tonnen Gold, wie die Bundesbank in ihrem Geschäftsbericht für 2024 mitteilte, was einem Rekordwert von 270,58 Milliarden Euro entsprach. Davon lagern allerdings nur rund 51 Prozent (1.710 Tonnen) der Goldbarren in Deutschland, und zwar tief unter der Erde in Frankfurt am Main.

Die andere Hälfte der deutschen Goldreserven befindet sich im Ausland, nämlich in New York und London. So lagern zurzeit etwa 37 Prozent der Goldbarren (rund 1.236 Tonnen) im Wert von bis 100 Milliarden Euro – bei der US-Notenbank, der Federal Reserve Bank (Fed) in New York. Der Rest der deutschen Goldreserven (405 Tonnen) wird von der Bank of England in London verwahrt.

Deutsche Goldreserven: Goldwert stark gestiegen

Sabine Mauderer ist Vizepräsidentin der Bundesbank und sagte bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Februar: „Besonders in der langfristigen Betrachtung ist die Neubewertungsreserve für Gold stark angewachsen.“ Im Vergleich zum Stand bei Beginn der Währungsunion, also Anfang 1999, sei die Bewertungsreserve für Gold fast dreizehnmal so hoch. Heißt: Berücksichtigt man noch die starke Preissteigerung des Goldes von gut einem Viertel im bisherigen Jahresverlauf, entspricht der reine Marktwert des deutschen Goldes aktuell sogar rund 340 Milliarden Euro. Damit ließe sich doch manches Loch im Bundeshaushalt stopfen, oder?

Gold statt Schulden: Warum das Gold nicht zu Geld machen?

Die Diskussion über die Goldreserven ist alt: Schon häufig hat die Haushaltslage zu Begehrlichkeiten bei Politikern geführt, einen Teil der Reserven zu „versilbern“ und damit Lücken im Bundeshaushalt zu stopfen, das Gesundheitswesen oder die Rente zu reformieren. Doch ein Eingriff in die Reserven würde nach Ansicht von Währungsexperten das Vertrauen in den Euro, aber auch die Zahlungsfähigkeit der Bundesrepublik erschüttern, dass ohnehin durch die Rekordneuverschuldung extrem erschüttert ist. Die Bundesbank führt außerdem die universelle Akzeptanz von Gold als Zahlungsmittel, die Diversifikation der Währungsreserven und die Robustheit des Landes gegen Schocks an.

Experten warnen: Goldverkauf hätte politische Konsequenzen

Alexander Kriwoluzky ist Makroökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Er sagt: „In der Regel haben sich die Zentralbanken darauf geeinigt, dieses Gold nicht zu verkaufen oder nicht in großem Maße zu verkaufen, um den Preis des Goldes nicht künstlich nach unten zu treiben.“ Denn wenn die Zentralbanken auf einmal das Gold verkauften, dann würde der Preis des Goldes fallen.

Die politischen Konsequenzen wären dann unter Umständen dramatischer, als der finanzielle Gewinn groß wäre. Die Bundesbank würde hohe Verluste machen. „Die Menschen in der Bevölkerung werden unter Umständen das Vertrauen in die Bundesbank verlieren“, sagt Kriwoluzky. Das kenne man bereits aus der deutschen Geschichte: „Vor mehr als 100 Jahren gab es ja schon mal eine Hyperinflation. Und damals war es ja praktisch der Fall, dass die Zentralbank angefangen hat, die fiskalischen Defizite der Weimarer Republik zu finanzieren. Und das führte zur Inflation.“

Rücklage: Gold als Reserve für extreme Krisen

Wenn der Preis für einen Barren steigt, profitiert der Bund aber im Prinzip schon jetzt: Denn Gewinne, unter anderem aus der Wertsteigerung des Goldes, überweist die Bundesbank ans Finanzministerium. Derzeit schreibt sie allerdings rote Zahlen. Deswegen hat die Bank zuletzt auch keine Gewinne ausgeschüttet.

Gerade in so einer Situation seien die Goldreserven jedoch eine wichtige Rücklage, heißt es. Außerdem würden sie für extreme Krisen vorgehalten. Einen dramatischen Währungsverfall etwa. „Das sind in der Regel Kriegsfälle“, sagt Kriwoluzky. „Ansonsten kann ich mir jetzt kein Szenario vorstellen, wo die Bundesbank unbedingt an die Reserven rangehen muss.“

Bundesbankpräsident Nagel: „Gold ist der Vertrauensanker“

Begehrlichkeiten gab es in der Vergangenheit trotzdem immer wieder: Mal wollten Politiker mit dem Gold eine Kulturstiftung aufbauen, mal Steuersenkungen finanzieren oder die Sozialsysteme sanieren. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagt dazu: „Ich denke keine Nanosekunde darüber nach und an der Einschätzung hat sich nichts geändert. Gold ist der Vertrauensanker auch für die deutsche Bevölkerung, auch für unsere Bilanz. Und auch rückblickend muss man sagen, es war richtig, dass man diesen Begehrlichkeiten nicht nachgekommen ist.“ So mussten die Deutschen im 20. Jahrhundert zwei Währungszusammenbrüche erleben.

Die Goldreserven seien ein „großer Vertrauensanker in der Bevölkerung“, so Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Die Erlöse aus dem Goldverkauf wären ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Der deutsche Staat steht derzeit mit etwa 2,7 Billionen Euro in der Kreide.

Warum lagert überhaupt deutsches Gold im Ausland?

Die Gründe liegen in der Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem das Gold der Reichsbank von den Alliierten konfisziert worden war, lagen die Goldbestände der jungen Bundesrepublik bei Null. Es wurden also keine Goldbestände der Bundesrepublik in die USA, England oder Frankreich geschafft, sondern sie wurden ihr als teilweise Bezahlung ihrer hohen Leistungsbilanzüberschüsse seit 1951 gutgeschrieben. Das sahen die Regeln der damaligen Europäischen Zahlungsunion (EZU) und des internationalen Währungssystems von Bretton Woods vor. Dieses Gold wurde aber nicht nach Deutschland geliefert, sondern es blieb zumeist an den großen Goldhandelsplätzen in den USA, Großbritannien und Frankreich.

Noch 2013 lagerten 69 Prozent der deutschen Goldreserven im Ausland. Eine große Rolle spielten dabei auch Sicherheitsaspekte. Während des Kalten Krieges erstreckte sich der Machtbereich der Sowjetunion bis an die Grenze der Bundesrepublik, sodass es nahe lag, die Reserven in weiter westlich gelegenen Lagerstellen zu belassen.

Zollstreit: Ist das Gold unter Trump noch sicher?

Doch wie sicher ist das deutsche Gold in New York, was hauptsächlich aus Handelsüberschüssen erwirtschaftet wurde? Genau diese Handelsüberschüsse sind Donald Trump ein Dorn im Auge. Seine Antwort darauf sind Zölle. Inmitten des Zollstreits mit der EU und der zunehmenden Entfremdung zwischen Washington und Berlin mehrt sich die Kritik, dass noch immer ein Drittel der deutschen Goldreserven bei der US-Notenbank Federal Reserve lagern. Auch die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump gegen Notenbankchef Jerome Powell, in denen er die Unabhängigkeit des amerikanischen Zentralbankensystems infrage stellt, befeuern die Debatte in Krisenzeiten um die Sicherheit des deutschen Goldes in Amerika. Der Europäische Steuerzahlerbund hat bereits die Rückführung des Goldes in die Tresore der Bundesbank gefordert.

Fazit: Goldreserven als „Vertrauensanker“?

Deutschland sitzt auf einem Goldschatz, während es gleichzeitig in Schulden versinkt. Die Begründungen für das Festhalten an den Reserven wirken angesichts der dramatischen Haushaltslage zunehmend weltfremd. Natürlich sollte nicht das gesamte Gold verkauft werden – aber ein teilweiser Verkauf zur Schuldentilgung wäre ein Signal der Vernunft. Stattdessen erleben wir eine Regierung, die trotz gegenteiliger Wahlversprechen munter neue Schulden macht und das Gold als unantastbare Reserve behandelt. Die Zeche zahlen am Ende die Bürger – durch höhere Steuern, Inflation und eine erdrückende Schuldenlast für kommende Generationen. In dieser Situation erscheint die Anlage in physische Edelmetalle für Privatanleger umso sinnvoller. Denn während der Staat seine Goldreserven hortet und gleichzeitig Schulden anhäuft, sollten Bürger ihre eigene Vermögenssicherung in die Hand nehmen.

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Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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