Finanzen

Goldpreis-Rally bleibt aus – trotz Iran-Krieg: Schweizer Privatbank Julius Bär erklärt die Gründe

Der Goldpreis reagiert trotz des Iran-Kriegs, steigender Energiepreise und wachsender Inflationssorgen ungewöhnlich verhalten und bleibt damit hinter der typischen Krisenreaktion zurück. Warum zeigt der Goldpreis aktuell keine klare Aufwärtsdynamik?
23.03.2026 05:51
Lesezeit: 2 min
Goldpreis-Rally bleibt aus – trotz Iran-Krieg: Schweizer Privatbank Julius Bär erklärt die Gründe
Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg nur verhalten und bleibt hinter der üblichen Aufwärtsdynamik in Krisenzeiten zurück (Foto: dpa) Foto: manything

Mehr Risikoaversion treibt den Goldpreis

Der Goldpreis fällt am 20. März trotz der Eskalation des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran. Nach Einschätzung der Bank Julius Bär ist für steigende Notierungen eine deutlich höhere Risikoaversion der Investoren erforderlich als derzeit zu beobachten ist.

Der Goldkurs am Kassamarkt sinkt aktuell um 2,8 Prozent auf 4684,04 Dollar je Unze. Damit erreicht er den niedrigsten Stand seit fast sechs Wochen, obwohl sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzt. Angriffe auf die Ölinfrastruktur und gegenseitige Drohungen mit Vergeltungsschlägen treiben zugleich die Preise für Öl und Gas nach oben und verschärfen die Inflationssorgen.

Goldpreis bleibt trotz geopolitischer Eskalation unter Druck

Gold gilt traditionell als sichere Anlage und als Absicherung gegen steigende Preise. Dennoch steht der Kurs derzeit unter Druck. Experten der Schweizer Privatbank Julius Bär sehen die Ursache in einer weiterhin geringen Risikoaversion sowie in der Erwartung steigender Renditen von US-Staatsanleihen und eines stärkeren Dollars.

Zudem sind die aktuellen Notierungen weiterhin von früheren Markterwartungen geprägt. Vor der Eskalation im Nahen Osten dominierten Prognosen, die von weiter steigenden Goldpreisen ausgingen, gestützt durch erwartete Zinssenkungen in den USA und einen schwächeren Dollar.

Gold verliert an Bedeutung als sicherer Hafen

Patrick Armstrong, Investmentchef bei Plurimi Wealth, vertritt die Auffassung, dass Gold zuletzt seine Funktion als sicherer Hafen eingebüßt hat und zunehmend als spekulatives Anlageinstrument wahrgenommen wird. Als Beleg verweist er auf die hohe Volatilität der Goldpreise in den vergangenen Wochen.

Nicholas Frappell, Leiter für institutionelle Märkte bei ABC Refinery Australia, betont, dass die Stärke des Dollars sowie der Druck zu einer strafferen Geldpolitik in den Industrieländern kurzfristig eine unsichere Perspektive für Gold schaffen. Sollte die Inflation jedoch schneller steigen als die Zinsen, könnten sinkende reale Zinssätze den Goldpreis mittelfristig stützen.

Marktdaten zeigen widersprüchliche Entwicklung

Seit dem 27. Februar, dem letzten Tag vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran, ist Gold um nahezu 12 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum legte der Dollarindex, der die Entwicklung der US-Währung gegenüber einem Korb wichtiger Währungen abbildet, um 2,6 Prozent auf 100,11 Punkte zu.

Seit Jahresbeginn liegt der Goldpreis am Kassamarkt dennoch mehr als 8 Prozent im Plus. Gleichzeitig notiert er rund 16 Prozent unter seinem historischen Höchststand vom 29. Januar, als er 5595,02 Dollar erreichte.

Goldpreis unter Druck und Bedeutung für Anleger in Deutschland

Die Entwicklung zeigt, dass geopolitische Eskalationen allein den Goldpreis nicht nachhaltig stützen. Für Anleger in Deutschland bleibt Gold dennoch ein wichtiger Baustein zur Absicherung, insbesondere in einem Umfeld erhöhter Inflation und anhaltender Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten.

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