Fünf Aktien, die jahrzehntelang gehalten werden müssen
Sekera, Chefstratege für den US-Markt beim Investmentanalysehaus Morningstar, nennt fünf Aktien, die sich für langfristiges Investieren eignen:
- Microsoft
- Berkshire Hathaway
- McCormick & Company
- S&P Global
- Duke Energy
Der private Investor Mindaugas Navickas kommentierte diese Auswahl auf dem Portal unserer Kollegen vom litauischen Portal Verslo Zinios. Er sagt, dass er nicht alle diese Aktien persönlich für eine langfristige Anlage kaufen würde.
Microsoft als stabile Qualitätsaktie
Nach Einschätzung von Navickas kann man Microsoft-Aktien durchaus kaufen, halten und sich nicht weiter den Kopf zerbrechen.
„Ein Wachstum um das Zehnfache zu erwarten, wäre vielleicht naiv, aber als Sicherheitspuffer im Portfolio ist sie eine ideale Option“, sagt der Gesprächspartner. Er ergänzt, dass die Vergangenheit zwar nicht die Zukunft bestimmt, die Unternehmensgeschichte aber dennoch sehr wichtig sei. In diesem Fall sei sie wie aus dem Lehrbuch: stabil wachsend. In den vergangenen zehn Jahren gab es kein einziges Jahr, in dem Umsatz oder Gewinn gesunken wären. Das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum liegt bei rund 15 Prozent, der Gewinn je Aktie bei etwa 18 Prozent.
Früher erzielte Microsoft seine größten Einnahmen mit der Lizenzierung von Windows. In den vergangenen vier Jahren hat sich dieses Modell jedoch in Richtung eines Ökosystems rund um Microsoft 365 verändert, zu dem auch Cloudspeicher gehört. Nach der Änderung des Geschäftsmodells haben sich die Einnahmen verdreifacht. Heute stammt der größte Erlösstrom des Unternehmens aus Produkten für Serverdienste.
Das vor zehn Jahren gekaufte soziale Netzwerk LinkedIn generierte damals keine nennenswerten Einnahmen. Mit dem eingeführten Abo-Modell verdient es inzwischen rund zehn Prozent des gesamten Unternehmensumsatzes und wächst schneller als Microsoft insgesamt. Einen noch größeren Anteil erwirtschaften die Gaming-Sparte und erfolgreiche Zukäufe wie Activision Blizzard.
Aus Sicht des Investors ist Microsoft damit ein wirklich gutes Unternehmen, das man kaufen und im Portfolio halten kann.
Berkshire Hathaway und der Wert von Stabilität
Berkshire Hathaway ist im Kern ein dreiteiliges Konglomerat aus börsennotierten Unternehmen, privaten Geschäften und Bargeld.
„Gerade wegen des Bargelds stagniert das Unternehmen seit einem Jahr, da der riesige Cashbestand den Aktienwert nicht erhöht“, merkt Navickas an. Andererseits könne dieser Teil des Portfolios nützlich sein, falls die Aktienkurse fallen. Dann könnte Berkshire Hathaway große Käufe zu guten Preisen tätigen.
Seiner Einschätzung nach lohnt sich der Kauf dieses Unternehmens für einen langen Zeitraum, allerdings müssten Anleger angemessene Erwartungen haben. Das Unternehmen sei zu stark diversifiziert, als dass der Erfolg eines einzelnen Geschäftsbereichs den Aktienkurs spektakulär steigen lassen könnte.
McCormick & Company
Bei McCormick & Company, einem US-Hersteller von Gewürzen und Soßen, zeigt sich Navickas skeptisch. Wenn der Markt in fünf Jahren um mehr als das Doppelte steigt, die Aktie eines bestimmten Unternehmens aber um die Hälfte fällt, liege das nicht daran, dass niemand die Chance erkennt. Die meisten Investoren glaubten schlicht nicht mehr daran oder blickten skeptisch auf die Zukunftsaussichten.
Das Unternehmen steigere seine Cashflows nicht, die Reserven seien ebenfalls gering. Bei zusätzlichem Kapitalbedarf müsste es sich verschulden oder sogar eine Restrukturierung in Betracht ziehen, obwohl die langfristigen Schulden bereits über drei Milliarden Dollar liegen. Aus diesem Grund empfiehlt der Investor, dieses Unternehmen zu meiden.
S&P Global
S&P Global nennt Navickas dagegen den König der Diversifikation und Sicherheit. Das Unternehmen bietet Kreditratings, Preisbewertungen und Indizes an. Langfristig sei eine Rendite von etwa zehn Prozent rational erwartbar. Das entspreche angemessenen Anlegererwartungen, ohne dass man auf zufällige Glücksfälle oder außergewöhnliche Sprünge setzen sollte.
Duke Energy
Duke Energy ist ein führendes Unternehmen im Versorgungssektor, der in Krisen oder schwierigen Phasen als besonders stabil gilt.
„Man kann langsames Wachstum und Stabilität erwarten, aber bei einer Investition in ein solches Unternehmen sollte man kaum Überraschungen erwarten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es außergewöhnlich positiv überrascht, bleibt sehr gering“, sagt der Gesprächspartner.
Stabilität, Qualität und Anlagehorizont
Navickas nennt außerdem die fünf größten Unternehmen in seinem eigenen Portfolio, die zusammen fast 30 Prozent des gesamten Portfolios ausmachen: Johnson Controls International, Tesla, Qualcomm, Alphabet, besser bekannt als Google, und Coinbase.
Vytenis Šimkus, Investmentstratege bei Swedbank, betont, dass bekannte, reputationsstarke und stabile Unternehmen meist der beliebteste und recht sichere Weg seien, in Aktien zu investieren.
Lang bestehende große Konzerne dürften zwar kein extrem schnelles Wachstum zeigen, aber eine stetige Rendite bringen. Microsoft, Berkshire Hathaway, Coca-Cola oder Apple gehörten zu diesem Aktientyp. Investitionen in „Qualität“ seien die Wahl vieler Anleger.
Andererseits könne man, wenn man stetiges Wachstum aus Aktien anstrebt, auch über eine Investition in den gesamten Index nachdenken. Dann erhalten Anleger sowohl Qualität als auch kleinere und jüngere Unternehmen, die möglicherweise stärker wachsen. Wer Geld in einzelne Unternehmen investiert, bleibt häufig hinter der durchschnittlichen Marktrendite zurück.
Šimkus betont, dass man in allen Sektoren Qualitätsunternehmen finden kann, die hervorragende langfristige Anlagen darstellen. Unterschiedliche Branchen reagieren jedoch unterschiedlich auf verschiedene wirtschaftliche Bedingungen, weshalb sich kurzfristige Positionierungen ständig verändern. In guten Zeiten steigen Wachstums-, Technologie- und zyklische Industrieunternehmen. In Phasen der Unsicherheit suchen Investoren eher Schutz bei Versorgern und Gesundheitsunternehmen.
„Kurzfristige spekulative Positionen sind riskant und oft entweder mit bestimmten Marktmoden oder mit konkreten Unternehmensnachrichten und Ereignissen verbunden“, warnt Šimkus. Mit solchen Unternehmen könne man durchaus Geld verdienen, aber man müsse die Situation sehr gut verstehen.
Bedeutung des Investitionszeitraums
Aleksandras Izgorodinas, Ökonom der Citadele Bank, sagt ebenfalls, dass für langfristige Anlagen meist stabil arbeitende Unternehmen mit starken Marktpositionen aus reifen oder stetig wachsenden Sektoren gewählt werden.
Solche Unternehmen zeichnen sich in der Regel durch kontinuierliches Umsatzwachstum, ein tragfähiges Geschäftsmodell und die Fähigkeit aus, in verschiedenen Wirtschaftszyklen Gewinne zu erwirtschaften.
Anleger achten häufig auf Sektoren wie Technologie, Finanzdienstleistungen, Konsumgüter oder Infrastruktur. Doch auch innerhalb dieser Branchen müsse die individuelle Lage jedes Unternehmens bewertet werden.
„Was den Anlagezeitraum betrifft, hängt er von den Zielen und der Strategie des Investors ab. Langfristiges Investieren ist meist mit einem Horizont von mehreren oder sogar mehr als zehn Jahren verbunden“, sagt der Ökonom. Gleichzeitig sollten Anlageentscheidungen regelmäßig überprüft werden, unter Berücksichtigung der Marktentwicklung.
Kürzere Anlagezeiträume werden laut Izgorodinas häufiger Unternehmen oder Sektoren zugeordnet, die stärkeren Kursschwankungen unterliegen und stärker von Konjunkturzyklen oder Marktstimmungen abhängen. Dazu zählen etwa zyklische Sektoren wie Rohstoffe, Energie oder bestimmte Industriezweige, deren Ergebnisse stärker von Nachfrageschwankungen oder äußeren Faktoren abhängen.
Auch schnell wachsende Unternehmen mit höherer Unsicherheit werden häufiger für kürzere Anlagezeiträume gewählt, da ihr Wert je nach Markterwartungen oder Nachrichtenlage stärker schwanken kann.
„Die Einteilung ist jedoch nicht strikt. Sowohl kurzfristige als auch langfristige Anlagestrategien hängen von den Zielen des Investors, seiner Risikotoleranz und seiner Fähigkeit ab, Schwankungen zu steuern“, kommentiert der Ökonom.
Diese Debatte ist besonders naheliegend, da viele Privatanleger und institutionelle Investoren stark auf US-Qualitätsaktien setzen. Microsoft, Berkshire Hathaway oder S&P Global zeigen, weshalb stabile Geschäftsmodelle gerade in unsicheren Marktphasen attraktiv bleiben. Zugleich erinnert die Kritik an Einzeltiteln daran, dass selbst bekannte Namen keine Garantie für langfristige Überrendite bieten.
