Politik

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Ohne Zuwanderung droht der Kollaps in der Pflege

Der deutsche Pflegesektor wächst – aber fast nur noch durch Fachkräfte aus dem Ausland. Mittlerweile besitzt jeder fünfte Beschäftigte in der Branche keinen deutschen Pass. Angesichts des demografischen Wandels wird die Rekrutierung internationaler Talente zur existenziellen Überlebensfrage für das System.
08.05.2026 13:37
Lesezeit: 1 min

Migrationsanteil verdreifacht sich binnen zehn Jahren

Die neuesten Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) verdeutlichen den massiven Strukturwandel in der deutschen Pflegelandschaft. Von den rund zwei Millionen Pflegekräften stammen knapp 20 Prozent aus dem Ausland – vor einem Jahrzehnt lag dieser Anteil noch bei lediglich sieben Prozent. Besonders auffällig: Das Beschäftigungswachstum der Branche wird nahezu ausschließlich durch Zuwanderung getragen. Laut Vanessa Ahuja, Vorstandsmitglied der BA, bleibt die Gewinnung ausländischer Fachkräfte daher eine unverzichtbare Säule, um die Versorgungssicherheit in Deutschland langfristig zu gewährleisten. Unter den Herkunftsländern spielt beispielsweise Syrien eine bedeutende Rolle; von dort stammen aktuell rund 9.300 Beschäftigte im deutschen Pflegesystem.

Engpassberufe und strukturelle Herausforderungen

Trotz des Zuwachses an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf insgesamt 1,76 Millionen bleibt die Lage angespannt. Sowohl examinierte Fachkräfte als auch Assistenzkräfte werden offiziell als Engpassberufe geführt. Die Branche kämpft zudem mit strukturellen Besonderheiten: Mit einem Frauenanteil von 81 Prozent und einer Teilzeitquote von rund 50 Prozent stößt die inländische Kapazität an ihre Grenzen. Um den steigenden Bedarf einer alternden Gesellschaft zu decken, müssen laut Experten nicht nur die inländischen Potenziale durch bessere Arbeitsbedingungen reaktiviert, sondern auch bürokratische Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter abgebaut werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...