Finanzen

EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und Exporteure hat die Entscheidung sehr unterschiedliche Folgen - der Überblick.
Autor
avtor
15.06.2026 16:43
Lesezeit: 7 min
EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
EZB-Leitzins belastet Kreditnehmer und stärkt Sparer. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

EZB-Leitzins steigt um 0,25 Prozentpunkte

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat heute beschlossen, die wichtigsten Zinssätze im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Damit verteuert die EZB unter Christine Lagarde die Finanzierung im Euroraum.

  • Die Einlagefazilität wurde um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
  • Es handelt sich um die erste Zinserhöhung seit 2023.
  • Die Mitglieder des EZB-Rats bestätigten den Schritt einstimmig.
  • Analysten gehen davon aus, dass die Zinserhöhung im Juni nicht zwingend die letzte war. Einigkeit herrscht darüber allerdings nicht. Einige Ökonomen halten den heutigen Schritt sogar für einen Fehler, da er den Alltag der Realwirtschaft erschweren könne. Lagarde wies diese Einschätzung zurück und sagte, der Euroraum befinde sich nicht in ernster Gefahr.

Wie immer im Leben hilft ein höherer EZB-Leitzins manchen mehr, während er anderen schadet, so das Portal Casnik Finance. Entscheidend ist daher der Blick auf das neue Zinsniveau und auf die erwarteten Folgen der Entscheidung.

Euroraum

  • Die besonders genau beobachtete Einlagefazilität der EZB liegt nun bei 2,25 Prozent.
  • Die Inflation im Euroraum wurde zuletzt für Mai gemessen und stieg auf 3,2 Prozent im Jahresvergleich.
  • Bekanntlich strebt die EZB mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent pro Jahr an.

Dollarraum

  • Der EZB-Leitzins hat sich mit der heutigen Anhebung den Zinssätzen der amerikanischen Notenbank Fed etwas angenähert. Die Fed-Zinsen liegen im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent.
  • Die amerikanische Inflation wurde zuletzt ebenfalls für Mai gemessen und lag bei 4,2 Prozent. Das waren 0,4 Prozentpunkte mehr als im April und der höchste Wert seit gut drei Jahren.
  • Auch die Fed strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Anders als die EZB hat sie jedoch ein doppeltes Mandat. Neben dem Inflationsziel soll sie auch maximale Beschäftigung sichern. Nach den jüngsten offiziellen Daten schufen US-Arbeitgeber 172.000 neue Stellen. Das lag über den Erwartungen der Analysten. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,3 Prozent.

Analysten sehen den Schritt als symbolisch

Analysten wissen es, Ökonomen wissen es, die EZB weiß es auch: Eine Zinserhöhung kann die Frage teurer Energie nicht lösen und wird daher keine schnellen wesentlichen Effekte bringen. Energie wird durch den Krieg teurer, die Störungen entstehen auf der Angebotsseite. Die Opec-Mitglieder aus der Region stehen für rund 40 Prozent des weltweiten Ölangebots.

Christine Lagarde hatte bereits im März erklärt, die EZB wisse, dass die Preissprünge vorübergehend und ihre Ursachen extern seien. Dennoch müsse die Notenbank handeln, wenn ein Schock hohe, aber nicht dauerhaft hohe Inflation auslöse. Der Grund liegt in der Glaubwürdigkeit. Die Öffentlichkeit könnte schwer verstehen, weshalb die Geldpolitik nicht reagiert. Die EZB braucht jedoch Vertrauen. Fehlendes Vertrauen in ihre Fähigkeit, Inflation zu kontrollieren, könnte Inflationserwartungen entgleisen lassen. Dann würden Menschen mit immer höheren Preissteigerungen rechnen.

Auf der Pressekonferenz vermied Lagarde die Antwort auf die Frage, ob der heutige EZB-Leitzins-Schritt der Beginn eines neuen geldpolitischen Zyklus sei. Sie wiederholte, dass die EZB ihre Entscheidungen abhängig von Daten treffen werde und sich im Voraus auf keinen Zinspfad festlege. Zur heutigen Erhöhung sagte sie, es handle sich nicht um eine vorsorgliche Anhebung, sondern um einen klaren Schritt.

Für Kreditnehmer wird es schwieriger

Eine der sichtbarsten Folgen eines höheren EZB-Leitzinses ist die Verteuerung von Krediten. Doch die Wirkung ist nicht für alle gleich. Bei Krediten mit festem Zinssatz spüren bestehende Kreditnehmer die heutige Anhebung in der Regel nicht unmittelbar. Bei solchen Darlehen bleibt die Höhe der Raten während der Rückzahlung grundsätzlich unverändert. Wer jedoch einen neuen Kredit mit festem Zinssatz aufnimmt, bekommt den höheren EZB-Leitzins über die Konditionen zu spüren.

Bei Krediten mit variablem Zinssatz, also Euribor plus Aufschlag, trifft die Erhöhung sowohl bestehende als auch künftige Kreditnehmer. Bei bereits laufenden variabel verzinsten Krediten zeigt sich der Effekt allerdings mit leichter Verzögerung, da die Raten meist alle paar Monate angepasst werden. Ist ein Kredit an den Sechsmonats-Euribor gebunden, geschieht dies beispielsweise alle sechs Monate.

Grundsätzlich sinkt mit höheren Zinsen auch die Erreichbarkeit von Krediten. Wenn die monatliche Rate steigt, wirkt sich das auf die Kreditfähigkeit aus. Diese kann geringer ausfallen. Bei der Kreditfähigkeit privater Haushalte sind zudem alle Beschränkungen zu beachten, die nationale Zentralbanken als Regulierer vorgeben. Bei der Suche nach dem günstigsten Kreditangebot bleibt der effektive Jahreszins entscheidend. Er berücksichtigt sämtliche Kosten. Nicht nur die Höhe des Zinssatzes, sondern auch direkte Kosten wie Bearbeitungsgebühren, Versicherungskosten oder administrative Gebühren fließen dort ein.

Staaten und Exporteure geraten unter Druck

Auch die Finanzierung der Staaten im Euroraum wird teurer, wobei die verlangten Renditen zusätzlich von länderspezifischen Faktoren abhängen. Sobald sich die Staatsfinanzierung verteuert, steigen die Kosten für den Haushalt. Der Staat muss dann mehr Geld für Zinsen aufwenden und voraussichtlich weniger für andere Bereiche. Welche Politikfelder weniger Geld erhalten sollen, ist eine schwierige Entscheidung.

Ein höherer EZB-Leitzins stärkt grundsätzlich die Währung, für die er gilt. Das kann für Exporteure aus dem Euroraum nachteilig sein. Für jene Unternehmen, die in die USA exportieren, bedeutet ein stärkerer Euro eine schlechtere preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Amerikanische Käufer müssen bei gleichem Betrag in Euro anschließend mehr Dollar zahlen. Für Exporteure in die USA wird der Geschäftsalltag ohnehin bereits durch erhöhte amerikanische Zölle erschwert.

Sparer können profitieren, aber langsam

Höhere Leitzinsen sollten grundsätzlich jene positiv spüren, die Geld bei Banken sparen. Als die EZB-Zinsen negativ waren, merkten Sparer das sehr schnell. Manche erhielten überhaupt keine Zinsen mehr, sondern mussten den Banken im Gegenteil sogar Verwahrentgelte zahlen.

In die Gegenrichtung verläuft die Anpassung langsamer. Wenn Sparzinsen steigen sollten, geschieht dies meist nur zögerlich. Hinzu kommt, dass Bankzinsen für Sparer in Slowenien im Vergleich mit anderen Ländern oder anderen Finanzanbietern ohnehin eher niedrig sind. Ein höherer EZB-Leitzins stärkt grundsätzlich auch den Euro. Das kann sich beim Import von Energie positiv auswirken, besonders da Rohöl auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird. Die Logik ist einfach: Ein stärkerer Euro bedeutet, dass für ein Barrel Öl bei gleichem Dollarpreis weniger Euro gezahlt werden müssen.

Auch bei importierter Inflation kann es theoretisch einen dämpfenden Effekt geben. Wenn sich Öl für Importeure im Euroraum grundsätzlich verbilligt, kann dies die heimische Inflation senken. Das gilt nicht nur für Öl, sondern für alle Rohstoffe, die in Dollar gehandelt werden. Der derzeit negative Faktor besteht jedoch darin, dass die Ölpreise stark schwanken und dabei deutlich in Richtung Verteuerung tendieren. Der wichtigste Grund ist der Krieg im Iran. Anfangs wurde noch spekuliert, er könne nach einigen Wochen enden. Inzwischen dauert er seit Monaten an, und die Lage hat sich in diesen Tagen erneut verschärft.

EZB-Leitzins bleibt ein Signal an die Märkte

Die Entscheidung der EZB ist daher mehr als nur ein technischer Zinsschritt. Der höhere EZB-Leitzins ist ein Signal an Märkte, Verbraucher und Unternehmen, dass die Notenbank Preisstabilität weiterhin ernst nimmt. Zugleich zeigt die Entscheidung, wie begrenzt geldpolitische Instrumente sind, wenn Preisdruck vor allem durch Energie, Krieg und Angebotsprobleme entsteht.

Für Kreditnehmer, Staaten und exportorientierte Unternehmen wird der höhere EZB-Leitzins zur Belastung. Für Sparer und Importeure kann er dagegen Vorteile bringen. Entscheidend bleibt, ob sich die Inflation in den kommenden Monaten tatsächlich zurückbildet oder ob die EZB unter Lagarde erneut nachlegen muss.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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