Delivery-Hero-Aktie bleibt trotz Uber-Offerte unter Angebotspreis
Die nun offiziell vorliegende Übernahmeofferte von Uber hat der Delivery-Hero-Aktie am Donnerstag keine positiven Impulse verliehen. Mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 38,38 Euro blieben die Titel des Essenslieferdienstes klar unter den vom US-Fahrdienstvermittler gebotenen 41,50 Euro je Aktie. Auf diesem Niveau hatten sie zuletzt im Oktober 2024 notiert. Das Rekordhoch von 145,40 Euro aus dem Pandemiejahr 2021 liegt derweil in weiter Ferne.
Übernahme: Uber sichert sich Mehrheit an Delivery Hero
Uber setzt bei seiner Offerte eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie von Delivery Hero voraus. Bislang liegt der Anteil der Amerikaner bei knapp 25 Prozent. Hinzu kommen Finanzinstrumente über knapp zwölf Prozent. Zudem hat Delivery Heros Großaktionär Prosus zugesagt, seinen Anteil von knapp 17 Prozent beizusteuern. Damit könnte Uber seine Beteiligung auf mehr als die Hälfte der Anteile ausbauen.
Die Prosus-Titel zeigten sich kaum bewegt, während Uber in New York vorbörslich um 0,8 Prozent anzog.
Delivery Hero sei in der Branche "eines der beliebtesten Menüs auf der Speisekarte", kommentierte Analystin Nizla Naizer von Deutsche Bank Research, die sich noch auf die vorangegangenen Medienberichte bezog. Sie verwies auf den fast 70-prozentigen Anstieg der Aktien seit Jahresbeginn und verdoppelte ihr Kursziel auf 40 Euro. Allerdings erscheine die Bewertung auf dem Niveau der schneller wachsenden und profitableren US-Konkurrenz bereits angemessen, begründete sie die weiter gültige "Hold"-Empfehlung.
Das Analysehaus Jefferies bekräftigte seine Kaufempfehlung. Mit einem unveränderten Kursziel von 42 Euro räumt dessen Experte Giles Thorne der Delivery-Hero-Aktie nur noch minimales Potenzial über die Uber-Offerte hinaus ein. Durch die Einbeziehung des US-Finanzinvestors SSW Partners, der im Falle einer erfolgreichen Übernahme die Geschäfte von Delivery Hero in 14 Ländern übernehmen will, könnten Delivery Hero und Uber laut Thorne kartellrechtlichen Bedenken zwar zuvorkommen. Der geplante Abschluss der Transaktion bis zum zweiten Halbjahr 2027 zeige jedoch, dass es sich nicht um eine unkomplizierte Prüfung handeln dürfte.
Thorne sieht insgesamt kaum Spielraum für die Aktionäre, einen höheren Übernahmepreis durchzusetzen. Die Chance, dass noch ein Gegenbieter auftaucht, hält der Experte ebenfalls für gering. So scheide die Beteiligungsgesellschaft Prosus als Konkurrent aus. Denn sie sei – entgegen seiner Erwartung – nicht von der geplanten Übernahme von Just Eat Takeaway abgerückt, sondern habe Uber verbindlich die Andienung ihrer Delivery-Beteiligung zugesagt.
Sowohl MWB Research als auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hoben ihre Kursziele für Delivery Hero an – von 33 Euro, was der Uber-Offerte aus dem Mai entspricht, auf die nunmehr gebotenen 41,50 Euro. Er habe den Aktionären damals von einer Annahme abgeraten, betonte LBBW-Analyst Thomas Hofmann. Die aktuelle Offerte halte er hingegen "im sehr wettbewerbsintensiven Umfeld, bei dem Skaleneffekte ausschlaggebend für den Erfolg sind", für angemessen. Auch MWB-Experte Alexander Ziencowicz rät den Aktionären nun zur Annahme.
Börse: Delivery-Hero-Aktie steigt nach Kurssprung weiter nicht
Die Offerte des US-Konzerns bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro. Die Delivery-Hero-Aktie hatte sich zuletzt deutlich erholt. Mitte April kostete das Papier noch weniger als 20 Euro. Nachdem bekannt geworden war, dass Uber seinen Anteil aufgestockt hatte, trieb dies den Kurs deutlich nach oben.
Mit dem jetzigen Gebot von 41,50 Euro greift Uber zudem deutlich tiefer in die Tasche als zunächst geplant: Noch im Mai war von 33 Euro je Aktie die Rede gewesen.
Verkauf: Delivery Hero trennt sich von 14 Ländermärkten
Unterdessen will sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern trennen, in denen das Unternehmen bislang mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei.
Käufer ist den Angaben zufolge die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York. Sie bezahlt dafür 1,4 Milliarden Euro. Voraussetzung ist, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber gelingt. Jefferies-Experte Thorne bewertet den Schritt positiv, denn dadurch dürften Uber und Delivery Hero kartellrechtlichen Bedenken zuvorkommen.
Konzernchefs: Zusammenschluss soll Wachstum sichern
Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft zu kämpfen hatte. "Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig", sagte sie. "Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern."
Delivery Hero hat jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss erzielte der Konzern nur im Jahr 2019. Damals hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn erzielt.
Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Delivery-Hero-Chef sowie Mitgründer Niklas Östberg warben nun für den Zusammenschluss mit Uber: "Durch die Zusammenführung unserer Plattformen bringen wir erschwingliche, zuverlässige Lieferdienste zu Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt", sagte Khosrowshahi.Östberg dankte seinen Beschäftigten dafür, "dass sie dieses Unternehmen über 15 Jahre hinweg aufgebaut haben".Konzernchefs: Zusammenschluss soll Wachstum sichern
Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft zu kämpfen hatte. "Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig", sagte sie. "Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern."
Delivery Hero hat jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss erzielte der Konzern nur im Jahr 2019. Damals hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn erzielt.Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Delivery-Hero-Chef und -Mitgründer Niklas Östberg warben nun für den Zusammenschluss mit Uber: "Durch die Zusammenführung unserer Plattformen bringen wir erschwingliche, zuverlässige Lieferdienste zu Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt", sagte Khosrowshahi. Östberg dankte seinen Beschäftigten dafür, "dass sie dieses Unternehmen über 15 Jahre hinweg aufgebaut haben".
