Technologie

Hitzewelle leert die Regale: Klimageräte werden knapp

Die nächste Hitzewelle trifft viele Verbraucher unvorbereitet: Ventilatoren und Klimageräte sind vielerorts ausverkauft, Nachschub lässt auf sich warten. Warum Händler kaum reagieren können und welche Alternativen es für heiße Tage gibt.
17.07.2026 07:23
Lesezeit: 10 min
Hitzewelle leert die Regale: Klimageräte werden knapp
Eine mobile Klimaanlage steht in einer Neubauwohnung. Die hohen Temperaturen steigern in Deutschland das Verlangen nach Klimaanlagen. Das geht aus einer repräsentativen YouGov-Umfrage hervor. Demnach planen 20 Prozent, sich eine Klimaanlage anzuschaffen. (Foto: dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

Begehrte Kühlgeräte vergriffen: Händler kämpfen mit Hitzewelle

Wer in diesen Tagen nach Ventilatoren oder Klimageräten sucht, muss Geduld haben – und braucht Glück. Viele Händler erwarten in diesem Sommer keine neue Ware mehr. Ein Überblick.

In Deutschland steigen die Temperaturen vielerorts wieder über die 30-Grad-Marke. Auch in den eigenen vier Wänden wird es zunehmend ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst hat tropische Nächte vorhergesagt. Viele Verbraucher rüsten sich deshalb mit Kühlgeräten aus. In zahlreichen Geschäften sind Ventilatoren und Klimageräte jedoch bereits vergriffen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Wie ist die Situation bei den Händlern?

Die Hitzewelle habe die Nachfrage explodieren lassen, sagt Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT). Die Geräte seien inzwischen weitgehend ausverkauft.

Hornbach: Bei der Baumarktkette seien nur noch vereinzelt Ventilatoren verfügbar, mobile Klimageräte gebe es nicht mehr, sagt ein Sprecher. Einen Liefertermin für Nachschub gebe es derzeit nicht.

Bauhaus: Bei Ventilatoren und mobilen Klimageräten seien einzelne Modelle nach Angaben eines Sprechers regional ausverkauft, andere je nach Markt nur noch in begrenzter Anzahl verfügbar. Die Filialen würden derzeit mit neuer Ware beliefert. "Weitere Mengen werden in diesem Sommer jedoch nicht mehr erwartet", heißt es. Neue Bestellungen träfen erst im Herbst ein.

MediaMarktSaturn: "Aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode verzeichnen wir weiterhin eine sehr hohe Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten", teilt die Elektronikfachmarktkette mit. Besonders angespannt sei die Lage bei mobilen Klimageräten. Die Filialen erhielten in diesen Tagen erneut Nachschub. Für die laufende Sommersaison seien dann jedoch keine weiteren Lieferungen mehr zu erwarten.

Euronics: Die Nachfrage übersteige vielfach das Angebot, heißt es. Einige Modelle seien nur noch eingeschränkt verfügbar oder bereits ausverkauft. Weitere Warenlieferungen würden in den kommenden Wochen erwartet.

Otto: "Bei uns sind derzeit noch ausreichend Ventilatoren und Klimageräte erhältlich", sagt ein Sprecher. Besonders preiswerte Geräte seien kurzfristig ausverkauft gewesen, sollten aber in den nächsten zwei Wochen wieder verfügbar sein.

Expert: "Viele Geräte sind inzwischen ausverkauft, sodass aktuell nur noch vereinzelt Restbestände verfügbar sind", sagt eine Sprecherin. Nur in einzelnen Märkten könnten Kunden noch fündig werden. Nachlieferungen kämen jedoch regelmäßig.

Wurde der Einzelhandel vom Wetter überrascht?

"Das Ausmaß dieser Entwicklung war nur schwer vorhersehbar", heißt es von Euronics. Die Bedarfsplanung orientiere sich an den Erfahrungen und Verkaufszahlen der Vorjahre. Vergleichbar langanhaltende Hitzeperioden seien bislang die Ausnahme gewesen.

Vor allem bezahlbare und qualitativ gute Geräte ließen sich nicht per Knopfdruck nachliefern, sagt BVT-Geschäftsführer Kahnt. Produktion und Transport benötigten Zeit. Der Handel könne keine riesigen Vorräte für heiße Wochen bereithalten. "Das würde enorme Lagerkosten verursachen und viel Kapital binden." Hinzu komme das Risiko, dass die Geräte im schlimmsten Fall bis zum nächsten oder sogar übernächsten Sommer im Lager stünden.

Gibt es Alternativen?

Neben Ventilatoren und mobilen Klimageräten können Verbraucher auch auf fest installierte Split-Klimaanlagen zurückgreifen – also Geräte mit Innen- und Außeneinheit. Die Anlagen sind in der Regel leistungsfähiger und effizienter, aber auch teurer. Eine schnelle Lösung bieten sie derzeit jedoch ebenfalls nicht.

Die Nachfrage sei extrem hoch, teilt der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe mit. "Sehr viele Kunden wollen noch möglichst kurzfristig eine Klimaanlage installiert bekommen." Geräte seien zwar ausreichend vorhanden. Die Betriebe seien in den Sommermonaten mit Service, Reparatur und Wartung bestehender Anlagen allerdings so stark ausgelastet, dass ein Einbau nicht kurzfristig möglich sei. Die durchschnittliche Wartezeit liege dem Verband zufolge bei gut drei Monaten.

Split-Klimaanlagen sind auch in Baumärkten erhältlich. Laut Verband dürfen die Geräte jedoch nur von zertifizierten Betrieben installiert werden. Die Anlagen arbeiten mit Kältemitteln, die bei unsachgemäßem Einbau entweichen können.

Wie verbreitet sind Klimaanlagen?

17 Prozent der Menschen haben eine Klimaanlage zu Hause, wie eine repräsentative YouGov-Umfrage zeigt. 20 Prozent planen demnach, sich eine zuzulegen. Der Anteil ist damit innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen. Im Juli 2025 lag er noch bei 10 Prozent. 15 Prozent besaßen damals bereits eine.

Besonders stark ausgeprägt sind die Kaufpläne laut Umfrage derzeit bei Menschen zwischen 25 und 54 Jahren. Bis zu 27 Prozent von ihnen beabsichtigen, sich ein Gerät anzuschaffen.

YouGov befragte am 8. Juli mehr als 3.300 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland. Knapp ein Jahr zuvor, am 31. Juli 2025, nahmen gut 3.000 Menschen an der Umfrage teil. Der Begriff Klimaanlage war dabei nicht näher definiert. Er umfasst sowohl Split-Anlagen als auch mobile Klimageräte, bei denen die warme Luft über einen Abluftschlauch nach draußen geleitet wird.

Wie hat sich der Verkauf entwickelt?

Der Absatz von Raumklimageräten – meist Split-Klimaanlagen – stieg zwischen 2023 und 2025 von rund 260.000 auf 320.000 Stück, wie der Fachverband Gebäude-Klima mitteilt. Für 2026 liegen noch keine Zahlen vor, weiteres Wachstum wird aber erwartet.

2020 waren bereits etwa 350.000 Geräte verkauft worden. Die meisten Anlagen stammen von asiatischen Herstellern wie Panasonic, Mitsubishi, LG und Daikin, werden aber größtenteils in Europa produziert. Mobile Klimageräte sind in den Daten nicht enthalten.

Was hilft noch bei Hitze?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät, tagsüber möglichst Fenster und Türen geschlossen zu halten, damit warme Luft nicht eindringt. Auch Jalousien oder Rollläden könnten helfen. Gelüftet werden sollte erst, sobald es draußen kühler ist als drinnen – idealerweise nachts. Um für Durchzug zu sorgen, sollten die Fenster weit geöffnet werden. Empfohlen wird zudem, unnötige Wärmequellen auszuschalten – etwa einen zweiten Kühlschrank.

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