Unternehmen

Inflationsausgleichsprämie: So hilft der Bonus Unternehmen

Die vom Bundeskabinett beschlossene Inflationsprämie ist Teil des dritten Entlastungspaketes. Auf was muss man beim Ausgleich achten und welche weiteren Maßnahmen beinhaltet das Paket?
06.10.2022 13:48
Aktualisiert: 06.10.2022 13:48
Lesezeit: 3 min
 Inflationsausgleichsprämie: So hilft der Bonus Unternehmen
Handwerk und Industrie können durch die Inflationsausgleichsprämie profitieren. Gerade die Bäckereien leiden besonders unter den hohen Energiekosten. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Am 28. September hat die Bundesregierung die Inflationsprämie auf den Weg gebracht. Betriebe können auf diese Weise ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bis zu 3000 Euro steuer- und abgabenfrei bis 2024 gewähren. Bei den 3000 Euro handelt es sich um einen steuerlichen Freibetrag. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist laut dem Handwerksblatt, dass die Leistung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird.

Wie die Leistungsgewährung angegeben werden muss

Steuerberater Thomas Müller erklärt gegenüber dem Handelsblatt wie das Konzept genau aussieht: „Der Begünstigungszeitraum ist befristet – vom Tag nach der Verkündung des Gesetzes bis zum 31. Dezember 2024. Die Inflationsausgleichsprämie kann auch in mehreren Teilbeträgen bis zu insgesamt 3.000 Euro gezahlt werden. Der großzügige Zeitraum und die Möglichkeit von Zahlungen in Teilbeträgen geben den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern damit eine sehr großzügige Flexibilität für die Auszahlung der Prämie.“ Die Regelung soll bürokratiearm sein. So soll es ausreichend sein, wenn der Arbeitgeber bei der Gewährung der Leistung beliebiger Form verdeutlicht, dass die Leistung in Verbindung mit der Preissteigerung steht. Möglichkeit einer Verdeutlichung kann zum Beispiel ein Hinweis auf dem Überweisungsträger im Rahmen einer Lohnabrechnung sein.

Wichtig bei der Prämie ist zu wissen, dass wie beim Corona-Bonus der Arbeitgeber die Summe selbst bezahlt. Eine Erstattung gibt es nicht. Wenn keine tarifliche Regelung vorgesehen ist, dann ist es eine freiwillige Zahlung der jeweiligen Firma. In den Sternen steht noch wie viele der Unternehmen und Betriebe auf die Regelung zurückgreifen werden. Viele Unternehmen ächzen unter den starken Energiepreissteigerungen und den Preisexplosionen bei der Materialbeschaffung. Wie da eine Sonderzahlung an Beschäftigte machbar ist und wie hoch diese sein wird, bleibt abzuwarten.

ZDH fordert gesetzliche Regelung zur Steuerfreiheit

Für das Handwerk sieht der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) es laut dem Handwerksblatt als wichtig an auf die rückwirkende Anwendung der Steuerfreiheit ein Auge zu werfen. Diese müsse verhindert werden. Laut dem Verband sollte umgehend eine entsprechende gesetzliche Regelung zur Steuerfreiheit geschaffen werden. Nur auf diese Weise könnten rückwirkende und für die Betriebe aufwendige Korrekturen bei der Gehaltsabrechnung verhindert werden.

Die Inflationsprämie ist Teil des dritten Entlastungspaketes der Bundesregierung. Ziel des Entlastungspaketes ist es die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine und dabei insbesondere die stark gestiegenen Energiekosten abzufedern. Entscheidend für Betriebe ist dabei unter anderem die „Strompreisbremse“. Mit ihr sollen kleine und mittlere Betriebe mit Versorgertarif (Standardlastprofil) eine bestimmte Menge Strom als Basisverbrauch zu einem vergünstigten Preis erhalten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Stromnetzentgelte abgemildert werden. Geplant sind laut dem Handwerksblatt auch Dämpfungen des Gaspreises. Hierbei soll eine Expertenkommission zum Einsatz kommen und klären welche Preisdämpfungsmodelle für Europa und Deutschland umsetzbar sind. Zum Entlastungspacket gehört auch die Verschiebung der für den 1. Januar 2023 vorgesehenen CO2 Preiserhöhung.

Entlastung für energieintensive Unternehmen

Bei den Midi-Jobs gibt es eine Anhebung der Grenze auf 2.000 Euro. Aktuell ist gesetzlich geregelt, dass zum 1. Oktober 2022 die Höchstgrenze für eine Beschäftigung im Übergangsbereich (Midi-Job) von 1.300 Euro auf 1.600 Euro angehoben wird. Diese Höchstgrenze wird am 1. Januar 2023 erhöht. Zum Abbau der Kalten Progression werden die Tarifeckwerte im Einkommenssteuertarif zum 1. Januar 2023.

Für energieintensive Unternehmen, die die Steigerung ihrer Energiekosten nicht weitergeben können, wird ein Programm auferlegt werden. Weiterhin sollen Unternehmen bei Investitionen in Effizienz und Substitutionsmaßnahmen unterstützt werden. Zudem sollen energieintensive Unternehmen von einer Verlängerung des Spitzenausgleichs um ein Jahr bei den Strom- und Energiesteuern profitieren. Verlängert soll auch das Kurzarbeitergeld werden. In der Gastronomie wird die Absenkung der Umsatzsteuer für Speisen und Getränke auf sieben Prozent verlängert.

EEG-Umlage fällt ab Januar auf Dauer weg

Weitere Maßnahmen sind sogenannten flankierende zivilrechtlicher Natur. Unternehmen, die von ihrer Grundbasis gesund und auch langfristig unter geänderten Rahmenbedingungen überlebensfähig sind, bekommen die Möglichkeit ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Dies geschieht durch Erleichterungen bei der Insolvenzantragspflicht. Zum Entlastungspaket gehört auch die Abschaffung der EEG-Umlage, die seit dem 1. Juli 2022 nicht mehr gezahlt werden muss und dann ab Januar 2023 auf Dauer abgeschafft wird.

Der Inflationsausgleich ist genauso wie die anderen Maßnahmen aus dem dritten Entlastungspaket ein wichtiger Schritt, um die betroffenen Unternehmen zu unterstützen damit sie besser durch die Energiekrise kommen. Wie effektiv die Maßnahmen am Ende auch eine Hilfe sein werden und damit auch eine positive Wirkung auf die Wirtschaft haben, bleibt abzuwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dynamik des US-Marktes verlangsamt sich, während Anleiherenditen steigen
15.05.2026

Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte aktuell die Märkte bewegen und was Anleger jetzt unbedingt beachten sollten.

DWN
Politik
Politik Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?
15.05.2026

Wladimir Putin steht in Russland zunehmend für ein System, das Kontrolle, Abschottung und Misstrauen zum Machtprinzip erhebt. Wie tief hat...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Berliner KI-Unternehmen Unframe will Datenchaos in Firmen ordnen
15.05.2026

Unframe will Unternehmen helfen, verstreute Informationen in nutzbare Arbeitsabläufe zu übersetzen. Im Fokus stehen Datenanalyse,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr
15.05.2026

Die Golfkrise verschärft die Spannungen im Containerverkehr und lenkt Handelsrouten zunehmend in Richtung Afrika. Welche Folgen hat diese...

DWN
Politik
Politik Trump und Xi demonstrieren Einigkeit: Doch hinter den Kulissen dominieren harte Konflikte
15.05.2026

Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping dominieren höfliche Gesten und gegenseitiges Lob. Dennoch verfolgen Washington und Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs rutscht unter 24.000 Punkte: Berichtssaison verliert an Schwung
15.05.2026

Während die US-Börsen von der KI-Euphorie profitieren, zeigt sich der DAX-Kurs vor dem Wochenende deutlich schwächer. Anleger richten...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 20: Die wichtigsten Analysen der Woche
15.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 20 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...