Immobilien

Bundeswehr braucht Wohnungen: Vonovia will neue Siedlungen bauen

Wohnraum für Soldaten, ein lukratives Geschäft: Wenn die Truppe größer wird, müssen die neuen Soldaten auch irgendwo wohnen. Deutschlands größter Vermieter Vonovia dient sich der Bundeswehr an.
01.10.2025 09:33
Lesezeit: 3 min

Neue Siedlungen für Soldaten: Vonovia will „behilflich sein“

Deutschlands größter Vermieter Vonovia bringt sich als Betreiber von neuen Soldatensiedlungen ins Spiel. „Wenn man uns fragt, sind wir behilflich“, sagte Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch der dpa-AFX und der DPA in Bochum auf die Frage, ob Vonovia auch Wohnungen für Soldaten bereitstellen könnte. „Dank unserer langjährigen Erfahrung im Wohnungsbau sind wir in der Lage, passende Unterkünfte zu errichten und im Rahmen von Kooperationen Belegungsrechte für die Bundeswehr einzuräumen.“

Ende Juli waren bei der Bundeswehr rund 183.000 Soldatinnen und Soldaten tätig. Nach den neuen Nato-Zielen muss die Bundeswehr künftig eine Personalstärke von mindestens 260.000 Männern und Frauen in der aktiven Truppe erreichen.

Wohnungen könnten Job-Attraktivität steigern

Künftigen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einen Arbeitsplatz beispielsweise 400 Kilometer entfernt von der Familie anzubieten, sei „kein besonders attraktives Angebot“, sagte Buch. „Wenn ich Menschen irgendwo anders beschäftigen möchte, muss ich auch gucken, dass ich für sie eine Wohnung habe. Sonst wird das mit der Beschäftigung schwierig.“

Vonovia komme aus dem Werkswohnungsbau und habe schon früher Bestände vom Bund übernommen. „Dazu gehören auch Immobilien der Bundeswehr.“ Buch sprach in diesem Zusammenhang von einem „Werkswohnungsbau 2.0“.

Vonovia-Vorstandschef Buch wirbt für Zusammenarbeit

Es mache keinen Sinn, dass Unternehmen wieder neue Werkswohnungsgesellschaften gründeten. Diese könnten nicht von Anfang an so effizient arbeiten wie ein großes Wohnungsunternehmen. „Es ist viel besser, das mit Vonovia zusammen zu tun“. Dies könne man machen, „indem wir bestehende Wohnungen zur Verfügung stellen oder neue bauen, die wir anschließend im Auftrag von Dritten bewirtschaften“.

Vonovia-Chef sieht Aufbruch in Immo-Branche

Insgesamt gibt es Buch zufolge in der Immobilienbranche wieder einen Aufbruch. „Die Rahmenbedingungen haben sich so weit verbessert, dass wir wieder nach vorne blicken können“, sagte er. Die Bundesregierung habe mit dem Bauturbo einen wichtigen ersten Schritt getan. Bis der Bauturbo und die gerade angekündigten günstigeren KfW-Kredite in konkrete Neubauten resultierten, werde es allerdings noch dauern. „Das geht nicht von heute auf morgen.“

Mit schnelleren Genehmigungen und einem Verzicht auf Bebauungspläne will die Bundesregierung den schleppenden Wohnungsneubau in Deutschland ankurbeln. Neue Sonderregelungen im Baugesetzbuch sollen dafür sorgen, dass absehbar wesentlich schneller geplant, genehmigt und gebaut wird. Die Kommunen sollen selbst entscheiden können, inwieweit sie die vorerst bis Ende 2030 geltenden Abweichungen vom Bauplanungsrecht nutzen.

„Bauturbo“ ein wichtiger Impuls

„Die Bundesregierung hat mit dem Bauturbo einen wichtigen Impuls für den Wohnungsbau gesetzt“, sagte der Vonovia-Chef. „Jetzt liegt es vor allem an uns, der bauenden Wirtschaft, und an den Kommunen, diese neuen Freiheiten beim Bauen zu nutzen.“

Die Baukosten seien in den vergangenen Jahren nicht allein durch Materialkosten gestiegen, sondern auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben beim Neubau. Inklusive Grundstück koste der Bau neuer Wohnungen über 5.000 Euro je Quadratmeter. Die Kosten müssten aber auf unter 3.500 Euro je Quadratmeter sinken, damit sich wieder bezahlbare Mieten im Neubau realisieren ließen, betonte der Manager.

„Vor allem große Städte wissen, dass sie das Wohnungsproblem lösen müssen, damit es ihnen nicht um die Ohren fliegt“, sagte Buch. Die Wohnungsnot werde bei den nächsten Wahlen eines der wichtigsten Themen sein. „Wenn die Wohnungsnot ungelöst bleibt, profitieren vor allem die politischen Ränder davon.“ So stehen im kommenden Jahr unter anderem in Berlin die Wahlen zum Landesparlament und zu den Bezirksparlamenten an.

Der Staat allein, davon ist Buch überzeugt, wird die Wohnungsnot nicht bewältigen können. „Die von der Bundesregierung geplanten 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur in den kommenden 12 Jahren sind zwar viel Geld. Allerdings kostet der Bau von jährlich 320.000 neuen Wohnungen auch jedes Jahr 100 Milliarden Euro“, rechnete der Manager vor. Deshalb müssten öffentliche Mittel so eingesetzt werden, dass sie privates Kapital anziehen und zusätzliche Investitionen auslösten.

Deshalb appellierte Buch für stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere im Mietrecht. „Die derzeitige Regulierung verschärft soziale Spannungen, da Neuvertragsmieten deutlich stärker steigen als Bestandsmieten“, sagte Buch. Statt immer neuer staatlicher Eingriffe brauche es Lösungen, damit systemrelevante Berufsgruppen wie Pflegekräfte, Feuerwehr oder Handwerk in den Städten bezahlbaren Wohnraum finden könnten.

Vonovia will 2025 Bau von 3.000 Wohnungen starten

Vonovia selbst hat sein zwei Jahre lang auf Eis gelegtes Neubauprogramm wieder aufgenommen. Im laufenden Jahr will das Unternehmen mit dem Bau von 3.000 neuen Wohnungen beginnen. Zudem besitzt Vonovia Grundstücke, auf denen bis zu 70.000 Wohnungen gebaut werden können. „Allerdings müssen wir den Neubau finanziert bekommen“, so der Manager. Die Beschaffung von Eigenkapital sei derzeit aufgrund des Aktienkurses von Vonovia zu teuer. Erst jüngst hat das Unternehmen erstmals eine Anleihe in australischen Dollar begeben.

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