Immobilien

Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts behindert der Wohnungsmangel den Weg aus der Wirtschaftskrise.
15.01.2026 14:18
Aktualisiert: 15.01.2026 14:18
Lesezeit: 2 min

Wohnungsmangel als Wirtschaftsbremse

Der Wohnungsmangel in Deutschland hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts bereits Ende 2024 einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen erreicht. Besserung in den nächsten Jahren ist der Studie zufolge nicht absehbar, wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther in Berlin sagte. Für die nähere Zukunft erwartet das Institut den Bau von lediglich rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr, etwa halb so viele wie der angenommene jährliche Bedarf. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge zu einer spürbaren Wirtschaftsbremse geworden.

Junge und Alte: Wohnungsnot trifft alle Generationen

"Die Lösung der sozialen Frage dieser Zeit, wie es die Politik gerne formuliert, ist auch die notwendige Voraussetzung für eine wirtschaftliche Belebung des Landes", sagte Günther. Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau sowie weiterer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung leiden demnach wegen ihrer begrenzten Einkommen die junge Generation bis 25, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

"Wir müssen junge Menschen heute komplett zu den benachteiligten Gruppen zählen", sagte Günther. Viele ältere Großstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten. "Die müssen dort wegziehen, weil sie das Wohnen dort nicht mehr bezahlen können." In den nächsten Jahren werde das Problem nicht kleiner, sondern eher größer, prophezeite der Ökonom.

West-Ost-Gefälle: Der Mangel ist im Westen größer

Wenig überraschend liegen beim Wohnungsmangel in absoluten Zahlen die beiden größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer an der Spitze: In Nordrhein-Westfalen fehlten Ende 2024 demnach 376.000 Wohnungen, in Bayern 233.000. Den Gesamtbedarf bis 2030 schätzt das Pestel-Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.

Doch ganz generell ist das Problem laut Pestel im Westen größer als im Osten. "Ostdeutschland sieht vom Wohnungsangebot her in dem Bereich deutlich besser aus als die meisten westdeutschen Länder", sagte Günther. Als Grund nannte der Wissenschaftler die starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft in den neuen Ländern.

Bündnis Soziales Wohnen: Wohnungsbau als Chefsache

Das Bündnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere für den Bau zusätzlicher Sozialwohnungen.

Der Staat müsse immer höhere Leistungen zur Unterstützung bei den Wohnkosten aufbringen, sagte Mieterbunds-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. "Und das kombiniert mit den Zwangsumzügen ist für uns eine Situation, die nicht mehr tragbar ist. (...) Wir brauchen mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen in den kommenden Jahren."

Hauptproblem: "Nicht die Migration, sondern die Wohnungsnot"

Ganze Bevölkerungsgruppen würden mittlerweile vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen und diskriminiert, kritisierte Janina Bessenich, die Bundesgeschäftsführerin der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. "Es ist tatsächlich nicht die Migration das Hauptproblem in unserer Gesellschaft, sondern die Wohnungsnot."

Die Berechnungen basieren auf Daten der Statistischen Ämter. Zwar steht in Deutschland geschätzt auch eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer. Deren Wiedervermietung würde nach Einschätzung des Pestel-Instituts das Wohnungsproblem insbesondere im Westen jedoch nicht lösen, da der Leerstand vor allem in jenen ländlichen Regionen am höchsten ist, in denen auch der Bedarf geringer ausfällt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Walmart zieht Wall Street nach unten
20.08.2026

Unerwartete Turbulenzen an der New Yorker Börse: Was Anleger jetzt wissen müssen

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktienmarkt steht an einem KI-Scheideweg: Hier liegt das große Risiko
20.08.2026

Die Aktienmärkte hängen immer stärker am KI-Boom. Besonders die Magnificent Seven und ihre Lieferketten haben die Kurse nach oben...

DWN
Politik
Politik Trump scheitert, China gewinnt, Europa zahlt die Rechnung
20.08.2026

Wo stehen wir nach fast einem halben Jahr Krieg in Iran? Was geschieht auf den für Europa entscheidenden Seiten?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Strommangel: Bundesnetzagentur bereitet Zwangsdrosselung der Industrie vor
20.08.2026

Ein Blackout steht nicht unmittelbar bevor. Trotzdem schafft die Bundesnetzagentur Instrumente für eine länger anhaltende Mangellage:...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...