Wirtschaft

Niedrige Gasspeicher-Füllstände: Grüne kritisieren Ministerin Reiche – kommt die strategische Gasreserve?

Deutschlands Gasspeicher-Füllstände sind ungewöhnlich niedrig, während der Winter andauert und politische Debatten an Schärfe gewinnen. Forderungen nach klaren Strategien, besseren Rahmenbedingungen und einer strategischen Gasreserve werden lauter.
17.02.2026 15:03
Lesezeit: 3 min

Niedrige Gasspeicher-Füllstände: Grüne fordern Reiche zum Handeln auf

Die Grünen drängen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche angesichts der niedrigen Gasspeicher-Füllstände zum Eingreifen. Vor einer Sondersitzung des Bundestags-Ausschusses für Wirtschaft und Energie erklärte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur, die Füllstände der Gasspeicher seien mit 23,5 Prozent für Mitte Februar äußerst gering und der Winter halte weiter an. "Die Ministerin muss erklären, wie sie ab April eine zuverlässige und ausreichende Befüllung der Speicher für die kommende Heizperiode sicherstellen will."

Seit dem Spätsommer 2025 sei absehbar gewesen, dass es in diesem Winter eng werden könnte, betonte Kellner. "Unsere europäischen Nachbarn haben besser vorgesorgt. Ebenso muss die Ministerin darlegen, ob sie eine Strategie gegen fossile Abhängigkeiten hat. Wer Deutschland weniger abhängig machen will, muss Wärmepumpen und Erneuerbare Energien fördert und nicht wie Frau Reiche bekämpfen." Dabei stehen die Gasspeicher-Füllstände besonders im Fokus.

Füllstände der Gasspeicher: Bundesnetzagentur stuft Versorgungslage als gesichert ein

Reiche nimmt am frühen Abend an einer digitalen Sondersitzung des Wirtschafts- und Energieausschusses teil. Die Bundesnetzagentur und das Wirtschaftsministerium stuften die Versorgungslage weiterhin als gesichert ein. Verwiesen wurde auf die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa, die neben der bestehenden Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland ermögliche und damit die Gasspeicher-Füllstände stabilisieren könne.

"Aufgrund der kalten Witterungsverhältnisse sind die Gasspeicherfüllstände unter die Marken der vergangenen Jahre gefallen", sagte Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. "Die Versorgung in diesem Winter ist dennoch grundsätzlich gesichert." Gasmengen seien auf dem globalen Markt derzeit ausreichend verfügbar. "Die eigentliche Herausforderung liegt in der rechtzeitigen und ausreichenden Befüllung der Speicher vor dem nächsten Winter. Hierfür muss die Bundesregierung den entsprechenden Rahmen setzen." Gerade die Gasspeicher-Füllstände müssten dafür deutlich steigen.

Forderung nach strategischer Gasreserve

Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen brächten neue Unsicherheiten und Risiken für die Energieversorgung, so Andreae. "Der ungeplante Ausfall oder die gezielte Ausschaltung von Importrouten und -anlagen ist nicht mehr undenkbar. Dies wird besonders kritisch in Kombination mit gleichzeitiger extremer Kälte. In solchen Situationen kommen Marktkräfte an ihre Grenzen." Die Einrichtung einer strategischen Gasspeicherreserve sei daher zur Absicherung akuter Krisenfälle und unvorhersehbarer Extremereignisse ein sinnvolles Instrument, erklärte Andreae. Eine solche strategische Gasreserve müsse jedoch auf Notfallsituationen begrenzt bleiben. Zuvor hatte sich bereits der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, für eine strategische Gasreserve ausgesprochen, um die Füllstände der Gasspeicher besser abzusichern.

Eine strategische Gasspeicherreserve ist eine staatlich organisierte Zusatzreserve an Erdgas, die unabhängig vom regulären Marktgeschehen vorgehalten wird. Sie greift in außergewöhnlichen Krisensituationen, etwa bei Lieferausfällen, geopolitischen Spannungen oder extremen Kälteperioden, wenn die Gasspeicher-Füllstände stark unter Druck geraten. Ziel ist es, kurzfristige Versorgungsengpässe zu vermeiden und die Energieversorgung zu stabilisieren. Wie hoch der Gasspeicherfüllstand konkret sein muss, hängt von gesetzlichen Vorgaben und politischen Zielmarken ab. In Deutschland gelten in der Regel Mindestfüllstände – beispielsweise 95 Prozent zum 1. November –, um ausreichend Puffer für die Heizperiode zu schaffen. Eine strategische Gasspeicherreserve würde zusätzlich zu diesen regulären Vorgaben bereitstehen und nur im Notfall genutzt werden.

Gasspeicher-Füllstände: Kommender Winter

Timm Kehler, Vorstand des Verbands Gas- und Wasserstoffwirtschaft, sagte, die eigentliche Herausforderung beginne erst nach der aktuellen Heizperiode. Die Speicher müssten bis zum nächsten Winter wieder gefüllt werden. "Weil die Gasspeicher-Füllstände jetzt aber deutlich niedriger sind als im vergangenen Jahr, müssen wesentlich größere Mengen eingespeichert werden." Die Bundesregierung müsse für den nächsten Winter einen guten Rahmen für den Erhalt und die Befüllung der Gasspeicher schaffen. Die Befüllung der Speicher ist für Speicherbetreiber aus verschiedenen Gründen weniger wirtschaftlich geworden, was die Entwicklung der Gasspeicher-Füllstände zusätzlich erschwert.

Gasspeicher-Füllstände als energiepolitischer Gradmesser

Die aktuellen Gasspeicher-Füllstände zeigen, wie sensibel das Energiesystem auf Wetter, Markt und Geopolitik reagiert. Zwar gilt die Versorgung als gesichert, doch die niedrigen Füllstände der Gasspeicher verdeutlichen den Handlungsdruck für Politik und Branche. Entscheidend wird sein, rechtzeitig tragfähige Rahmenbedingungen für die Wiederbefüllung zu schaffen und gleichzeitig Abhängigkeiten zu reduzieren. Eine strategische Gasreserve kann als zusätzliche Absicherung dienen, ersetzt jedoch keine langfristige Strukturreform. Der kommende Winter wirft damit bereits seine Schatten voraus: Ohne klare Strategie bei Gasspeicher-Füllständen und Importinfrastruktur bleibt die Versorgungssicherheit eine dauerhafte Herausforderung für Deutschlands Wirtschaft.

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