Hapag-Lloyd übernimmt ZIM und baut globale Position aus
Hapag-Lloyd steht vor einer strategisch bedeutenden Expansion. Der Hamburger Linienreeder hat sich mit dem israelischen Konkurrenten ZIM auf eine Übernahme geeinigt und will damit seine Stellung auf den wichtigsten Handelsrouten deutlich stärken.
Hapag-Lloyd und ZIM einigten sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar auf die Übernahme. ZIM, das an der New Yorker Börse notiert ist, veröffentlichte die Konditionen am 16. Februar. Aktionäre sollen 35 Dollar je Aktie erhalten, womit das Unternehmen insgesamt mit 4,2 Milliarden Dollar bewertet wird, umgerechnet rund 3,5 Milliarden Euro, wie das Branchenportal Splash247 berichtet.
Das Angebot entspricht einer Übernahmeprämie von rund 58 Prozent gegenüber dem Kurs vom 13. Februar, also vor Bekanntwerden der Gespräche. Seit August 2025, als erste Verhandlungen über einen möglichen Verkauf einsetzten, legte die Aktie um 126 Prozent zu.
Übernahme unter Vorbehalt der Zustimmung
Vorausgesetzt, Aktionäre und Wettbewerbsbehörden stimmen zu, übernimmt Hapag-Lloyd sämtliche Anteile an ZIM. Der Abschluss der Transaktion könnte bis Ende dieses Jahres erfolgen. Das zusammengeführte Unternehmen würde über mehr als 400 Schiffe mit einer Gesamtkapazität von über drei Millionen TEU verfügen.
Bis 2027 soll ein jährlicher Containerumschlag von mehr als 18 Millionen TEU erreicht werden. Für Kunden erweitert sich damit das Netzwerk über die Reederei-Allianz Gemini, die Hapag-Lloyd gemeinsam mit Maersk betreibt.
Eigenständige Lösung für strategische Israel-Verbindungen
Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist die Gründung einer separaten israelischen Reederei unter dem Namen New ZIM. Bestimmte Linienverbindungen, die für die Versorgung Israels strategisch bedeutsam sind, werden auf diese neue Gesellschaft übertragen. Dazu zählen auch Schiffe im Eigentum von ZIM oder unter israelischer Flagge.
New ZIM soll an den in Israel ansässigen Private-Equity-Fonds FIMI Opportunity Funds übergehen. Vorgesehen ist eine Flotte von 16 Schiffen, die Israel mit Häfen in Europa, darunter auch Koper, sowie mit den USA, dem Mittelmeerraum und dem Schwarzen Meer verbinden. Die Dienste laufen weiterhin unter der Marke ZIM und erhalten kommerzielle Unterstützung von Hapag-Lloyd sowie Zugang zum Netzwerk der Allianz Gemini.
Die sogenannte goldene Aktie, die dem Staat Israel ein Vetorecht bei Übernahmen sichert, wird vom bisherigen ZIM auf FIMI übertragen. Damit soll gewährleistet werden, dass strategisch relevante Seeverbindungen nach und aus Israel dauerhaft abgesichert bleiben.
Marktanteile und Verschiebungen im Wettbewerb
Mit dem Zukauf würde Hapag-Lloyd seinen Marktanteil von derzeit rund sieben Prozent auf etwa 8,8 Prozent erhöhen. Die Containerkapazität stiege auf rund drei Millionen TEU. Zum Vergleich: Der Hafen Koper schlug im vergangenen Jahr insgesamt 1,2 Millionen TEU um.
Der Anteil gecharterter Schiffe liegt bei Hapag-Lloyd derzeit bei etwa 39 Prozent. Nach der Integration von ZIM würde dieser Wert auf rund 52 Prozent steigen. Analysten rechnen mit einer tendenziell nachlassenden Nachfrage nach Containertransportkapazitäten, sodass ein höherer Charteranteil die operative Flexibilität erhöhen kann.
Auch auf den transpazifischen Routen sind Veränderungen zu erwarten. ZIM betreibt gemeinsam mit MSC sechs Dienste über den Pazifik. Mit der Integration in Hapag-Lloyd würden diese Kapazitäten in die Allianz Gemini überführt, was die Position des weltweit größten Anbieters MSC schwächen könnte.
Reaktionen von Häfen, Gewerkschaften und Politik
Der Hafen Koper verweist darauf, dass es sich bislang um eine Ankündigung handelt. Man arbeite seit Jahren erfolgreich mit beiden Reedereien zusammen, für eine abschließende Bewertung sei es jedoch noch zu früh.
ZIM ist seit 2021 an der New Yorker Börse gelistet. Seit dem Börsengang wurden Dividenden in Höhe von 5,7 Milliarden Dollar ausgeschüttet. Bis zum Abschluss der Transaktion soll sich der gesamte Ertrag für Aktionäre auf rund zehn Milliarden Dollar summieren. Die vergangenen Jahre waren geprägt von hohen Frachtraten und einer außergewöhnlich starken Nachfrage im Containerverkehr.
In den zurückliegenden Jahren investierte ZIM massiv in die Flotte. Insgesamt wurden 46 neue Containerschiffe mit Kapazitäten zwischen 5.300 und 15.000 TEU erworben. Rund 40 Prozent der Transportkapazität werden inzwischen mit Flüssigerdgas betrieben. Zudem flossen etwa eine Milliarde Dollar in Containertechnik und den Ausbau des Geschäfts mit Autotransportschiffen.
Gewerkschaften in Israel reagierten mit einem Streik auf die Pläne, da sie Arbeitsplatzverluste befürchten. Auch der Bürgermeister von Haifa, dem Sitz von ZIM, äußerte sich besorgt und verwies auf die wirtschaftliche sowie sicherheitspolitische Bedeutung des Unternehmens. Der Schifffahrtsanalyst Lars Jensen betonte, große Zusammenschlüsse dieser Art stießen regelmäßig auf Widerstand und seien im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich.
Eigentümerstrukturen und Bedeutung für Deutschland
Hapag-Lloyd ist an der Frankfurter Börse notiert, befindet sich jedoch zu mehr als 96 Prozent im Besitz strategischer Investoren. Rund 30 Prozent hält die Kuehne Holding AG plus Kuehne Maritime der Familie Kuehne, weitere 30 Prozent entfallen auf die Germany Container Holding als Tochter der chilenischen CSAV.
Die Stadt Hamburg ist mit 13,9 Prozent beteiligt, der katarische Staatsfonds hält 12,3 Prozent, der saudi-arabische Staatsfonds 10,2 Prozent. Lediglich 3,6 Prozent befinden sich im Streubesitz. Bei ZIM liegt etwa die Hälfte der Anteile bei großen institutionellen Investoren wie Goldman Sachs Group, UBS Group, Renaissance Technologies, BlackRock, Citadel Advisors und Two Sigma. Die übrigen Aktien befinden sich im freien Handel.
Die geplante Übernahme steht für die fortschreitende Konsolidierung in der weltweiten Containerschifffahrt. Für Deutschland ist der Schritt von besonderer Tragweite, da Hapag-Lloyd als Hamburger Traditionsunternehmen eine zentrale Rolle im maritimen Sektor spielt. Eine stärkere Marktposition kann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hafenstandorte sichern, zugleich wächst jedoch die Marktmacht weniger globaler Großanbieter.

