Delivery Hero lässt sich von Uber schlucken: Aktie dreht ins Plus
Der deutsche Lieferdienst-Konzern Delivery Hero <DE000A2E4K43> schlüpft nach jahrelangen Verlusten unter das Dach des US-Konzerns Uber <US90353T1007>. Der Fahrdienstvermittler und Lieferdienst aus den Vereinigten Staaten hat sich einen Großteil der Delivery-Hero-Anteile gesichert und will sich in einem Milliardendeal auch den Rest einverleiben. Die Führung des Berliner Konzerns unterstützt den Zusammenschluss und wirbt bei Aktionären und Beschäftigten dafür. Gleichzeitig will Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern an einen Finanzinvestor verkaufen.
An der Börse wurden die Neuigkeiten zunächst mit leichten Kursverlusten aufgenommen. Später drehte die Aktie jedoch ins Plus. Um die Mittagszeit lag sie mit 1,2 Prozent im Plus bei 38,65 Euro. Damit blieb sie allerdings noch deutlich unter dem Preis von 41,50 Euro, den Uber für jedes Papier bietet.
Übernahmeangebot: Kartellfragen könnten Deal verzögern
Der Grund dafür könnte sein, dass sich der Abschluss der Übernahme wegen kartellrechtlicher Prüfungen noch etwas hinziehen dürfte. Branchenexperte Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies sieht jedoch kaum Chancen, dass ein weiterer Bieter auftaucht und den Preis in die Höhe treiben könnte. Auch glaubt er nicht, dass die Aktionäre einen höheren Übernahmepreis durchsetzen können. Dennoch bestätigte er sein Kursziel für die Delivery-Hero-Aktie bei 42,50 Euro und damit einen Euro über dem aktuellen Angebot.
Ubers Offerte bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro. Dabei wurde die Aktie des Lieferdienst-Konzerns zuletzt mit Kursen von knapp 40 Euro rund doppelt so hoch gehandelt wie noch vor wenigen Monaten.
Mitte April hatte das Papier noch weniger als 20 Euro gekostet. Als bekannt wurde, dass Uber seinen Anteil aufgestockt hatte, legte der Kurs deutlich zu. Mit dem aktuellen Gebot von 41,50 Euro greift Uber zudem deutlich tiefer in die Tasche als zunächst vorgesehen: Noch im Mai war von 33 Euro je Aktie die Rede gewesen.
Uber sichert sich Mehrheit an Delivery Hero
Zuletzt hielt Uber bereits knapp 25 Prozent an dem Berliner Konzern. Hinzu kamen Finanzinstrumente über knapp 12 Prozent. Zudem verkauft der Delivery-Hero-Großaktionär Prosus <NL0013654783> seinen Anteil von knapp 17 Prozent an Uber. Dazu hatte sich die niederländische Beteiligungsgesellschaft im Zuge des Kaufs des Konkurrenten Just Eat Takeaway <NL0012015705> (Lieferando) bereit erklärt. Den Abschluss der Übernahme erwarten Uber und Delivery Hero in der zweiten Jahreshälfte 2027.
Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, hat sein Deutschland-Geschäft jedoch vor einigen Jahren verkauft und ist hierzulande nicht mehr als Lieferdienst aktiv. Wegen seiner starken Präsenz in Asien, Südeuropa, der arabischen Halbinsel und Afrika gehört das Unternehmen dennoch zu den größten Essenslieferdiensten der Welt. Uber betreibt mit Uber Eats selbst einen Essenslieferdienst - auch in vielen Städten Deutschlands.
Uber verpflichtet sich im Zuge der Übernahme dazu, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin zu erhalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der Bundeshauptstadt vorzunehmen.
Delivery Hero verkauft Geschäft in 14 Ländern
Unterdessen will sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern trennen, in denen der Konzern bislang mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei.
Käufer ist den Angaben zufolge die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York. Sie zahle dafür 1,4 Milliarden Euro. Voraussetzung ist, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber gelingt. Jefferies-Experte Thorne bewertet den Schritt positiv, da Uber und Delivery Hero dadurch kartellrechtlichen Bedenken zuvorkommen dürften.
Delivery Hero kämpfte jahrelang mit Verlusten
Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft mit Herausforderungen zu kämpfen hatte. "Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig", sagte sie. "Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern."
Delivery Hero schrieb jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen. Einen Überschuss erzielte der Konzern nur im Jahr 2019. Damals hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und dadurch einen hohen Sondergewinn erzielt. Just Eat Takeaway ist hierzulande vor allem mit der Marke Lieferando vertreten und konkurriert auch mit Uber Eats.Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Delivery-Hero-Chef und -Mitgründer Niklas Östberg warben nun für den Zusammenschluss mit Uber: "Durch die Zusammenführung unserer Plattformen bringen wir erschwingliche, zuverlässige Lieferdienste zu Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt", sagte Khosrowshahi. Östberg dankte seinen Beschäftigten dafür, "dass sie dieses Unternehmen über 15 Jahre hinweg aufgebaut haben"
