Abwanderung und Geburtenknick: Die deutsche Bevölkerung schrumpft
Die Fortzüge aus Deutschland sind weiterhin auf hohem Niveau: Zum ersten Mal seit 2008 sind im Jahr 2024 mehr Menschen aus Deutschland in EU‑Staaten ausgewandert, als aus diesen eingewandert sind. 2024 betrug der Wanderungssaldo Deutschlands mit der EU -34.000 Personen.
Das bedeutet aber nicht, dass auch das gesamte Auswanderungssaldo ansteigt, also die Differenz zwischen der Zahl der Auswanderungen in alle Welt und der Zahl der Einwanderungen aus aller Welt in einem bestimmten Zeitraum. Laut Statistischem Bundesamt wanderten 2024 insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen nach Deutschland ein, 1,3 Millionen Menschen zogen aus Deutschland weg. Das Auswanderungssaldo für 2024 liegt folglich bei einem Plus von annähernd 400.000 Menschen.
Auch kehren jedes Jahr viele Deutsche wieder nach Deutschland zurück. 2024 waren es insgesamt 189.107 Menschen mit deutschem Pass – das ist überdurchschnittlich viel, unter dem Strich bleibt die Zahl dennoch negativ: Im Saldo gingen 80.879 Deutsche mehr aus Deutschland weg als hierhin zogen. Problematisch ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil gleichzeitig die Geburtenrate in Deutschland sinkt. Die Zahl der Geburten liegt deutlich unter dem Durchschnitt der 2010er-Jahre. Das heißt, die deutsche Bevölkerung schrumpft – mit enormen Folgen für Wirtschaft und Sozialsysteme.
Immer mehr Deutsche wandern aus
Letztes Jahr wanderten 269.986 Deutsche aus Deutschland aus. Doch nicht nur Rentner suchen im Ausland nach besseren Lebensbedingungen, auch junge Menschen sehen im Ausland bessere Chancen. Die Auswertung einer Umfrage zeigt, dass besonders viele junge Menschen fortziehen (zwei Drittel sind unter 40 Jahre) und sie haben häufig einen Hochschulabschluss (drei Viertel der Befragten).
Grundsätzlich kann sich sogar fast jeder zweite Deutsche vorstellen auszuwandern. Das hat eine Umfrage von YouGov und Statista ergeben, an der über 2.000 Menschen im April 2025 teilgenommen haben. Dabei hat sich gezeigt, dass es nicht das Auswanderalter gibt.
Baden-Württemberg führt den Abwanderungstrend an
Seit vielen Jahren packen besonders Menschen aus Baden-Württemberg ihre Koffer und kommen nicht zurück. Ein Blick nach Baden-Württemberg auf die letzten 25 Jahre zeigt: Seit 2000 kehrten insgesamt etwa 136 000 Einwohner mit deutscher Staatsangehörigkeit ihrem Bundesland den Rücken und verlegten ihren Wohnsitz ins Ausland, meldet das dortige Referat für Bevölkerung im Statistischen Landesamt. Allein 2024 zogen rund 40.400 deutsche Staatsangehörige von Baden‑Württemberg ins Ausland – knapp 5.000 zogen in die Schweiz, rund 1.700 zogen in andere EU-Länder.
Schweiz beliebtes Auswanderungsziel für Deutsche
Beliebte Auswanderungsziele innerhalb Europas sind Österreich, die Schweiz, aber auch die USA. Dabei ist die Schweiz das bevorzugte Zielland für deutsche Auswanderer: Rund 20.700 deutsche Staatsbürger zogen 2024 von Deutschland in das Alpenland. Es folgten Österreich (rund 19.438 Personen) sowie Spanien (8.900) und Frankreich (5.500).
Auch die USA waren seit Jahren eines der beliebtesten Auswanderungsziele. Für das Jahr 2024 gibt es allerdings keine vollständig offiziell veröffentlichte Gesamtzahl, die allein die Auswanderung von Deutschen in die USA für das ganze Jahr angibt. Die zuletzt verfügbaren amtlichen Daten zeigen für 2023, dass knapp 9.200 Deutsche in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind, was der niedrigste Stand seit rund 20 Jahren war.
Abwanderungsgründe: Lebenshaltungskosten, Politikverdrossenheit
Steigende Mieten, hohe Steuern und steigende Unsicherheiten sind offenbar Hauptgründe für den aktuellen Abwanderungstrends aus Deutschland, das berichtet unter anderem die Welt. Neben der Hoffnung auf einen guten Lebensstandard zu finanziell besseren Bedingungen spielt möglicherweise auch die Sorge, die eigene Meinung nicht mehr öffentlich äußern zu können – wenn man in einem Land lebt, das paternalistisch alles für einen regeln will, betonte der Politikwissenschafter Prof. Oliver Lembcke bei der Welt: „Dass es so weit gekommen ist, sollte ein Warnsignal für die Parteien, auch insbesondere für die Regierungsparteien sein.“
Eine Auswertung des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) zeigte bereits 2015 bei 41 Prozent der Befragten eine große Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) von 2024 bestätigt, dass das subjektive Wohlbefinden von deutschen Staatsangehörigen besonders deutlich nach einem Umzug ins Ausland steigt.
Geburtenknick: Über 50.000 weniger Geburten
Experten erwarten, dass auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage und der steigenden Arbeitslosigkeit dieser Abwanderungstrend anhält oder gar zunimmt, und warnen vor den Folgen: Die Sozialsysteme würden dadurch stagnieren, und damit wäre absehbar, dass die deutsche Wirtschaft weiter in Gefahr gerät.
Denn auch die Geburtenrate nimmt weiterhin ab: Im Jahr 2024 kamen in Deutschland 52.000 Kinder weniger zur Welt als im Durchschnitt der 2010er-Jahre. Nach Angaben des Bundesamts spielten hierfür Inflation, Rezession, fehlender bezahlbarer Wohnraum sowie politische Unsicherheiten in den frühen 2020er-Jahren eine zentrale Rolle. Das Bundesamt prognostiziert, dass das jährliche Geburtendefizit in Deutschland Mitte der 2050er-Jahre auf über 600.000 steigen könnte – vergleichbar mit der Bevölkerung einer Großstadt.
Ausblick: Deutsche Bevölkerung schrumpft
Angesichts weiter steigender Energiekosten, Steuern und Sozialabgaben, Bürokratie und Modernisierungsstau ist damit zu rechnen, dass künftig noch mehr Bundesbürger ihre Zukunft anderswo sehen. Gleichzeitig wird die bestehende Bevölkerung in Deutschland immer älter: In 10 Jahren wird ein Viertel der Menschen 67 Jahre oder älter sein. Das hat das Statistische Bundesamtes für 2035 berechnet. Auch werden in Zukunft sehr wahrscheinlich mehr Menschen sterben als neu geboren. Die Folge: Da auf die sogenannten deutschen Babyboomer nur kleinere Jahrgänge folgen, schrumpfen die deutschen Bevölkerungszahlen langfristig.


