Unternehmen

Mehr Geld für den Aufsichtsrat: Deutsche Bank verteidigt Gehaltserhöhungen

Bei der ersten Präsenz-Hauptversammlung seit 2019 sieht sich die Deutsche Bank mit Protesten und scharfer Kritik von Aktionärsvertretern konfrontiert. Im Mittelpunkt steht die geplante deutliche Erhöhung der Vergütung für den Aufsichtsrat – insbesondere für Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts.
28.05.2026 14:12
Lesezeit: 2 min

Kritik an millionenschwerer Vergütung

Vereinzelte Proteste draußen, Kritik von Aktionärsvertretern drinnen: Erstmals seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 hat die Deutsche Bank ihre Aktionäre in Präsenz zur Hauptversammlung eingeladen. Eines der strittigsten Themen in der Frankfurter Messehalle: das deutliche Plus bei der Bezahlung der Aufsichtsräte.

Deutschlands größtes Geldhaus argumentiert, die Vergütung der Kontrolleure sei "nicht mehr wettbewerbsfähig". Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts, der sich um eine weitere vierjährige Amtszeit bewirbt, soll statt 950.000 Euro künftig 1,15 Millionen Euro erhalten. Weil es zusätzlich Geld für den Vorsitz in Ausschüssen des Kontrollgremiums gibt, käme der Niederländer, der schon jetzt Deutschlands bestbezahlter Aufsichtsrat ist, auf 1,4 Millionen Euro. Sein Stellvertreter Norbert Winkeljohann soll künftig 550.000 Euro erhalten und damit 75.000 Euro mehr als bisher.

Millionenvergütung als "falsches Signal"

"Was uns stört, ist, dass die Begrenzung der Ausschussvergütung für den Vorsitzenden aufgehoben werden soll", sagte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. "Die Erhöhung der Basisvergütung wäre für uns akzeptabel, nachdem sie sehr lange nicht erhöht wurde. Aber die vollständige Aufhebung der Deckelung der Ausschussvergütung ist sehr großzügig bemessen und geht uns zu weit."

Auch die Fondsgesellschaft Deka Investment lehnt die üppige Erhöhung ab: Das Plus für den Aufsichtsratsvorsitzenden sei "definitiv zu hoch und fällt auch im Vergleich zu anderen großen Dax-Unternehmen und europäischen Großbanken aus dem Rahmen", kritisierte Deka-Vertreter Andreas Thomae. "Dies sendet ein falsches Signal in die Bank und an die Öffentlichkeit."

KI treibt Rendite

Lob gab es von den Aktionärsvertretern für den Geschäftserfolg des Dax-Konzerns. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Deutsche Bank mit gut 9,7 Milliarden Euro das höchste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte erzielt. Unter dem Strich standen 6,1 Milliarden Euro Überschuss. Höher war der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn nur im Rekordjahr 2007 mit damals rund 6,5 Milliarden Euro.

Das Management ist überzeugt, dank Künstlicher Intelligenz (KI) in den kommenden Jahren mehr erreichen zu können als zuletzt angekündigt, wie Vorstandschef Christian Sewing ausführte: "Eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent ist für uns die Untergrenze. Wir trauen uns deutlich mehr zu." 2025 hatte die Bank gut 10 Prozent erreicht. Die Eigenkapitalrendite gibt an, wie effizient Banken das Kapital zur Erzielung von Gewinnen einsetzen.

Aufsichtsratschef Wynaendts sieht die Deutsche Bank auf dem Weg an die europäische Spitze. Es gebe viel Potenzial, noch weiter voranzukommen. "Wir haben bildlich gesprochen das Basislager erreicht. Von hier aus können wir nun den Aufstieg an die Spitze der europäischen Bankenindustrie in Angriff nehmen", sagte Wynaendts. "Genau das spiegelt sich in unserem Anspruch wider, zum European Champion zu werden."

Proteste zur Hauptversammlung

Begleitet wurde die Hauptversammlung von Protesten: Vor den Messehallen positionierte ein Bündnis mehrerer Umweltorganisationen ein buntes, brennendes Känguru und forderte unter Verweis auf den Klimawandel "Kein Geld für Kohle, Öl und Gas". Die Gewerkschaft Verdi hatte zudem zu einer Demonstration aufgerufen, um ihren Forderungen in der Tarifrunde für die zum Deutsche-Bank-Konzern gehörende Postbank Nachdruck zu verleihen.

Solche Aktionen fielen in den vergangenen Jahren dem digitalen Format der Hauptversammlung zum Opfer. Seit der Corona-Pandemie gibt es die gesetzliche Möglichkeit, Hauptversammlungen als reine Online-Veranstaltung abzuhalten. Viele Konzerne behielten das digitale Format bei, auch weil es günstiger ist als Präsenzveranstaltungen. Die Deutsche Bank hat angekündigt, "mindestens alle vier Jahre" eine Hauptversammlung in Präsenz abzuhalten.

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