Enthüllt: US-Geheimdienste führen weltweiten Cyber-Angriffskrieg

Die US-Geheimdienste haben seit 2011 bereits 231 Cyber-Angriffe auf Computer in anderen Ländern gestartet. Derzeit sind etwa 85.000 Computer weltweit mit US-Spionage-Viren infiltriert. Die NSA möchte in den kommenden Jahren Millionen von Viren in alle Welt versenden. Man fragt sich nun: Warum waren die Amerikaner mit derart ausgefeilten Möglichkeiten nicht in der Lage, etwas bessere Beweise für den Syrien-Einsatz zu liefern?

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Die zwei Gesichter Amerikas: Während die Geheimdienste weltweit Hacker-Angriffe gegen fremde Computer durchführen, erfreute am Flughafen von Washington-Dulles diese LED-Tafel die Reisenden aus aller Welt: Ein Künstler hat in der Wall for Peace die Friedens-Botschaften aller Weltreligionen zusammengefasst. (Foto: DWN)

Die zwei Gesichter Amerikas: Während die Geheimdienste weltweit Hacker-Angriffe gegen fremde Computer durchführen, erfreute am Flughafen von Washington-Dulles diese LED-Tafel die Reisenden aus aller Welt: Ein Künstler hat in der Wall for Peace die Friedens-Botschaften aller Weltreligionen zusammengefasst. (Foto: DWN)

Die Datenspionage der NSA wird von den US-Geheimdiensten massiv genutzt, um Angriffe gegen Computer in aller Welt durchzuführen. Wie die Washington Post enthüllt, habe es seit 2011 bereits 231 Angriffs-Handlungen gegen Computer in anderen Ländern gegeben. Bei den Staaten handelt es sich vorzugsweise um Russland, China, den Iran und Nordkorea.

Die Amerikaner haben den Angriffskrieg systematisch aufgebaut. Unter dem Codenamen GENIE hacken Computer-Spezialisten fremde Computersysteme und bringen sie unter US-Kontrolle.

Die US-Geheimdienste haben in den vergangenen Jahren die Strategie geändert, wie der ehemalige stellvertretende US-Verteidigungsminister, Willam J. Linn III., der Post sagte. Man sei davon abgekommen, die US-Computersysteme gegen Angriffe zu verteidigen und verfolge nun gezielt den Plan, fremde Netzwerke bereits „präventiv“ anzugreifen. Auf diese Weise könne man die Feinde der USA am effektivsten davon abhalten, amerikanische Unternehmen oder Einrichtungen im Internet anzugreifen.

Das Dokument beschreibt die Ziele der US-Cyberagriffe: Es gehe darum, fremde Netzwerke und Computersysteme „zu manipulieren, zu unterbrechen, zu blockieren, zu degradieren oder zu zerstören“.

Viele der Angriffe dienen dazu, die US-Geheimdienste als „Schläfer“ auf fremden Computer-Netzwerken zu positionieren. Mit entsprechender Malware verschaffen sich die Geheimdienste einen Zugang zu den Computern und beobachten dann, was sich auf den Computern tut. Wenn nötig, greifen die Amerikaner dann an und zerstören Hardware oder Software, so gut sie können.

Dies geschieht durch sogenannte Tailored Access Operations (TAO), also Angriffe gegen speziell definierte Computer.

Wenn ein Angriffe gegen einen US-Gegner gelauncht wird, werden die Hacker in eines der „Remote Operations Center“ (ROC) einberufen. Diese Zentren liegen in Georgia, Texas, Colorado und Hawaii. In den Zentren arbeiten alle Geheimdienste zusammen: CIA, FBI, US Cyber Command und die NSA.

Die NSA möchte das Programm in den kommenden Jahren deutlich ausweiten. Derzeit haben die Amerikaner nur 85.000 Computer weltweit im Griff. Das Ziel ist es jedoch, in den kommenden Jahren Millionen von Siponage-Viren auf den wichtigsten Computern der Welt zu installieren.

Dazu fehlt der NSA aber im Moment noch das Geld. Denn das Papier enthüllt, dass die Operationen sehr personalintensiv sind. Daher bemühen sich die Geheimdienste um eine weitgehende Automatisierung.

Künftig sollen alle Daten in einem neuen, geheimen Daten-Zentrum in Utah gespeichert werden (mehr zu diesem interessanten Gebäude und den Plänen der Daten-Speicherung und des Profilings – hier bei den DMN. Interessant: Wenn man den Artikel liest, kann man sagen, dass es auch ohne Edward Snowden bereits im März 2012 allgemein bekannt war, dass die NSA sich Zugriff auf alle Daten verschafft. Mehr dazu bei Wired, die das Thema damals aufgedeckt hatten im Original Englisch).

Die Enthüllungen der Washington Post geben ein eindrucksvolles Bild von den umfangreichen Aktivitäten der US-Geheimdienste im Cyber-War.

Man fragt sich jedoch: Warum waren die Amerikaner dann nicht in der Lage, den Chemiewaffen-Angriff in Syrien vorherzusehen oder zu verhindern?

Und beruhen die sogenannten „Beweise“, die US-Außenminister Kerry am Freitag vorlegte, vorwiegend auf Twitter, Facebook und Google Postings und auf Berichten von NGOs, die man in jeder Zeitung nachlesen kann?

Es ist gut möglich, dass die Enthüllung zum jetzigen Zeitpunkt dazu dienen soll, die Weltöffentlichkeit von der Dürftigkeit der Beweise für Syrien abzulenken. Zugleich wollen die Amerikaner ein Bild von sich selbst in der Welt verbreiten, dass die Überlegenheit der US-Geheimdienste darstellen soll.

Auch die DWN haben am Samstag Nachmittag wieder einige unerklärliche Server-Attacken erlebt.

Also: „Hey, guys: We are really impressed!“

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