Politik

EU-TV: Brüssel zahlt 8 Millionen Euro jährlich - und erreicht 1.300 Zuseher

Lesezeit: 2 min
29.01.2013 01:05
Die EU hat beschlossen, ihren Internet TV-Sender weiter aus Steuergeldern zu finanzieren. Der beliebte Sender wird von 1.300 Menschen europaweit eingeschaltet, wenn das Parlament in Straßburg diskutiert. 8 Millionen Euro jährlich erscheint der EU angemessen für ein derart populäres Programm.
EU-TV: Brüssel zahlt 8 Millionen Euro jährlich - und erreicht 1.300 Zuseher

Benachrichtigung über neue Artikel:  

In der EU haben 500 Millionen Bürger die Möglichkeit, die Debatten des EU-Parlaments im Internet als Stream live zu verfolgen. Eine Dienstleistung, die zweifelsohne zur politischen Bildung beitragen kann und den Bürger über die Arbeit der EU-Diplomaten informiert.

Die EU preist das Programm von Europarltv (sic!) an, als wäre der EU gerade die technologische Meisterleistung gelungen, Herman Van Rompuy und José Manuel Barroso in einem unbemannten Raumschiff auf den Mars zu schicken. Das Selbstlob im Wortlaut auf Flickr (Ausrufezeichen und englische Grammatik von Martin Schulz!):

„It's already two years that the European Parliament is communicating to the citizen with a revolutionary web-TV! For it second year anniversary Europarltv will take a new attractive look, more dynamic and better navigating!“

Offenbar haben die meisten EU-Bürger in den vergangenen zwei Jahren von der revolutionären Kommunikation noch nicht allzu viel mitbekommen, wird es doch einem Bericht des Telegraph nur von etwa 1.300 Zuschauern in Anspruch genommen. Das wäre auch unter den 9.000 Beschäftigten in der EU nur ein Bruchteil von Mitarbeitern, die die Diskussionen sehen wollen. Einen echten Mehrwert für die Demokratie schafft die Übertragung der Debatten nicht.

Aber anstatt die knapp acht Millionen Euro für die Bereitstellung des Video-Dienstes einzustellen, stimmt das Parlament für dessen Beibehaltung. Und das trotz harscher Kritik: Der britische Abgeordnete Paul Nuttall von der europakritischen UKIP sagte, es handele sich dabei um eine Verschwendung von Steuergeldern, für ein „Projekt der Eitelkeit“ der Politiker: „Selbst Mitarbeiter in der EU schauen den Kanal kaum an, da ist es kein Wunder, dass nur wenige außerhalb des Parlaments zuschauen wollen.“ Diese „Geldverschwendung“ solle eingestellt werden, so Nuttal weiter.

Die Mehrheit stimmte trotzdem für die Bildübertragung aus dem Internet, da „potenzielle Zuschauer“ über Fernsehsender einschalten könnten, die den Kanal in ihrem Programm abonniert hätten. Außerdem sei der Sender ein „wertvolles Kommunikationsmittel für das Parlament und seine Mitglieder vor den Europawahlen im Jahr 2014“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der EU-Abgeordneten.

Die Ausgaben der EU können sich sehen lassen. An allen kritischen Diskussionen über das neue EU-Budget vorbei (mehr hier), gönnt sich die EU für über zehn Millionen Euro ein europäisches Museum. Der Etat für Seminare und kulturelle Aktivitäten wurde um 85 Prozent erhöht. Die Ausgaben für audiovisuelle Informationen steigen um mehr als ein Drittel an. Die Parteien selbst erhalten 15 Prozent mehr Geld. Nur der Rest Europas muss sparen.

Vielleicht kommt Martin Schulz, der findige Präsident des Europäischen Parlaments, ja noch auf eine kreative Idee: Er könnte per Verordnung erreichen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in den Nationalstaaten die Debatten live übertragen. In Deutschland bietet sich dafür der WDR als federführende Anstalt an: Dessen Chefredakteur hatte die neue Rundkunkabgabe als Demokratie-Abgabe bezeichnet (hier). In Frage kommen aber auch die Deutsche Welle, Phönix, ARD digital, oder BR Alpha - allesamt demokratiefördernde, jedoch kaum gesehene Sender aus dem Beritt der Steuerzahler.

Es könnte natürlich auch sein, dass die dummen EU-Bürger eine ganz andere Vorstellung entwickeln, wenn sie daran denken, in eine revolutionäre Kommunikation mit den Politikern der EU einzutreten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Finanzen
Finanzen Insider: EZB-Inflationsziel soll zeitnah angehoben werden

Bei der EZB herrscht Einigkeit darüber, dass das derzeitige Inflationsziel von "unter, aber nahe 2 Prozent" ausgedient hat. Die Bürger...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nächster Preis-Boom? Bei Rohstoffen droht der nächste Super-Zyklus

Einem Top-Investor zufolge könnte bei Rohstoffen der nächste preisliche Super-Zyklus eintreten. Die Preise könnten sogar künstlich in...

DWN
Politik
Politik Wie die USA mit einem „impotenten“ Projekt Chinas Neue Seidenstraße aushebeln wollen

Die USA wollen angeblich mit der „B3W“-Initiative die chinesische Neue Seidenstraße aushebeln. Doch die Wahrheit ist, dass die...

DWN
Finanzen
Finanzen Cannabis auf Rezept: Gegen diese Krankheiten wirkt die Heilpflanze

Cannabis ist vielen nur als Droge bekannt. Dabei nutzen Menschen das Kraut seit Jahrtausenden auch als Heilpflanze. Seit 2017 können...

DWN
Politik
Politik Spanien begnadigt katalanische Separatisten unter Auflagen

Die spanische Regierung von Pedro Sanchez hat ungeachtet des Widerstands in der Bevölkerung alle neun verurteilten Anführer der...

DWN
Politik
Politik Philippinen: Präsident Duterte droht Impfverweigerern mit Gefängnis

"Wenn Sie sich nicht impfen lassen wollen, werde ich Sie festnehmen lassen", sagte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte in einer...

DWN
Deutschland
Deutschland DWN-SERIE PARTEIENPROGRAMME: CDU und CSU sind gegen eine europäische Schuldenunion

Aus dem Wahlprogramm der CDU/CSU geht hervor, dass es auch künftig keine EU-Schuldenunion geben soll.

DWN
Politik
Politik Marc Friedrich: Die Bundesregierung probte schon 2012 den Umgang mit Corona

Marc Friedrich geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht.