Finanzen

China: Schulden-Krise ist „außer Kontrolle“

Ein einflussreicher chinesischer Wirtschaftsprüfer warnt, die chinesischen Schulden könnten eine riesige Finanzkrise auslösen. Die lokalen Regierungen haben sich mit ertraglosen Projekten massiv verschuldet. Nun können sie ihre Schulden kaum noch zurückzahlen.
19.04.2013 02:17
Lesezeit: 1 min

Der chinesische Wirtschaftsprüfer Zhang Ke hält die Schuldenprobleme der lokalen Regierungen in China für sehr ernst. „Wir haben einige Lokalregierungen geprüft und für sehr gefährlich befunden“, zitiert ihn die FT. Die meisten von ihnen seien kaum in der Lage, ihre Schulden abzuzahlen.

Auch der IWF, Rating-Agenturen und Investment-Banken haben im Hinblick auf die chinesischen Staatsschulden Bedenken erhoben. Es ist jedoch selten, dass jemand eine so starke Warnung ausspricht, der so eingebunden ist den chinesischen Finanzsektor wie Zhang.

„Die Situation ist bereits außer Kontrolle“, so Zhang. Aber da die Schulden immer wieder verlängert würden und langfristig seien, könne man nicht genau sagen, wann die Krise explodiere.

Seit 2008 schießen die Schulden der chinesischen Lokalregierungen in die Höhe. Damit lockerte die Pekinger Regierung die Bedingungen zur Kreditvergabe, um die Folgen der Finanzkrise abzumildern. Seitdem haben die Provinzen, Städte und Dörfer in ganz China Schulden in Höhe von 10 bis 20 Billionen Yuan (1,2 bis 2,5 Billionen Euro) angehäuft. Das entspricht 20 bis 40 Prozent der chinesischen Wirtschaftskraft.

Den Lokalregierungen ist es gesetzlich verboten, direkt Schulden aufzunehmen. Daher sind sie immer mehr dazu übergegangen, Anleihen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten ausgeben. Zhang sagt: „Diese Entwicklung war erschreckend.“

Beteiligungsgesellschaften von Lokalregierungen haben allein im ersten Quartal 2013 Anleihen in Höhe von 283 Milliarden Yuan (35 Milliarden Euro) ausgegeben. Das ist mehr als doppelt so viel wie im ersten Quartal des Vorjahres. Ein solcher Anstieg würde normalerweise die Wirtschaft ankurbeln, doch Chinas Wachstum hat sich im ersten Quartal 2013 verlangsamt und liegt bei 7,7 Prozent.

Anleihen von Regierungs-Gesellschaften erhalten fast immer sehr gute Bewertungen von den einheimischen Rating-Agenturen. Denn sie werden von den Provinzen und Städten garantiert.

Viele Lokalregierungen machen Schulden, um öffentliche Plätze zu bauen oder Straßen zu reparieren. Doch um die entstehenden Schulden zu bezahlen, müssten immer neue Schulden gemacht werden. „Irgendwann kommt der Tag, an dem das nicht weitergehen kann“, sagt Zhang.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Technologie
Technologie Moto-E-Motion optimiert Fahrzeuge: Innovationen sind kein Hexenwerk – nur Physik
04.04.2025

Wie lässt sich die Effizienz von Motoren und Maschinen ohne bauliche Veränderungen verbessern? Wie das Unternehmen Moto-E-Motion durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Rekordniveau: Für wen ist eine Investition in das Edelmetall sinnvoll und wer sollte vorsichtig sein?
04.04.2025

Der Goldpreis hat die Marke von 3.100 US-Dollar pro Unze übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Doch ist Gold weiterhin eine...

DWN
Politik
Politik Ultimatum für Putin? Trump verliert laut Nato-Partnern Geduld
04.04.2025

Könnte es nur noch Wochen dauern, bis sich neue Entwicklungen in den Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Konflikt abzeichnen? Dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Handelskrieg: Trump erfindet Zölle, die es nie gab
04.04.2025

US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen Länder eingeführt, die es in der Form nie gab. Anstatt auf konkrete Handelsbarrieren oder...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: China-Zölle richten Blutbad am Aktienmarkt an - Bank-Aktien rauschen ab
04.04.2025

Die Gegenzölle aus China schicken den DAX aktuell tief in die Verlustzone. Globale Sorgen um das Wirtschaftswachstum setzen vor allem dem...

DWN
Technologie
Technologie WhatsApp-Nachrichten-Limit: Meta führt Begrenzung ein - aber bitte keine Panik
04.04.2025

WhatsApp, der beliebte Messenger-Dienst von Meta, führt derzeit eine neue Funktion ein, die das Versenden von Nachrichten einschränkt....

DWN
Politik
Politik Russland drängt, Ukraine kämpft: Internationale Hilfe und politische Spannungen im Kriegschaos
04.04.2025

Die russischen Angriffe auf Grenzgebiete eskalieren, während die Ukraine auf internationale Hilfe und politische Lösungen setzt. Doch die...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank-Aktie bricht ein: US-Zölle belasten - sollten Anleger jetzt die Deutsche Bank-Aktie verkaufen?
04.04.2025

Ein schwarzer Tag für europäische Banken: Die Deutsche Bank-Aktie hat am Freitag zeitweise mehr als 11 Prozent an Wert verloren und...