Politik

Notlandung nach Rauch im Cockpit: Japan zieht alle Dreamliner aus dem Verkehr

Lesezeit: 2 min
16.01.2013 13:16
Boeings Flaggschiff Dreamliner ist offenbar bei weitem nicht so ausgereift wie gedacht. Nun hat ein dramatischer Zwischenfall dazu geführt, dass die Japan Airlines die gesamte Flotte vorübergehend stillgelegt haben. Offenbar ist der Reisenflieger technisch bei weitem nicht ausgereift.
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Die Lage um Boeings Dreamliner wird immer kritischer: Am Mittwoch hat die japanische Fluggesellschaft ANA ihre gesamte Flotte gegroundet, nachdem eine Maschine auf dem Flughafen von Takamatsu notlanden musste: Nach Problemen mit der Batterie war im Cockpit plötzlich Rauch aufgetreten. Der Rauch soll nach Angabe eines Passagiers kurz nach dem Start aufgetreten sein und aus dem Cockpit gedrungen sein. Dies berichtet Kyoto Newswire.

Erst kürzlich hätten sich bei einer Maschine während des Fluges Risse im Cockpit-Fenster gebildet, die wie ein Spinnennetz aussahen, zitiert Reuters die Fluglinie All Nippon Airways (ANA). Das Flugzeug sei zwar sicher in Matsuyama gelandet, doch der Rückflug nach Tokyo sei gestrichen worden. „Solche Risse treten bei anderen Maschinen ein paar Mal im Jahr auf. Wir sehen hier kein grundsätzliches Problem“ mit dem Dreamliner, sagte ein ANA-Sprecher. Dieselbe Fluglinie teilte später mit, dass bei einem weiteren Dreamliner Öl aus dem Motor ausgetreten sei. Aus diesem Grund sei der Weiterflug dieser Maschine gestrichen worden.

Vor einigen Tagen war auf dem Flughafen von Boston in einer Maschine ein Brand ausgebrochen, da eine Batterie explodiert war. „Feuer ist das Schlimmste, was man sich an Bord eines Flugzeugs vorstellen kann“, sagte Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit, dem deutschen Berufsverband der Verkehrspiloten, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Solche Vorfälle sollten nicht passieren, passierten aber dennoch immer wieder.

Am Dienstag musste eine weitere Maschine ebenfalls in Boston wegen eines Lecks am Treibstofftank den Start abbrechen. Dabei traten 150 Liter Treibstoff aus. Menschen wurden auch bei diesem zweiten Zwischenfall nicht verletzt, doch die Gefahr für Passagiere und Piloten ist beim Austritt von Treibstoff enorm. Ursache sei ein mechanisches Problem gewesen, zitiert Reuters eine Sprecherin der verantwortlichen Fluglinie Japan Airlines.

Auch United Airlines habe Schwierigkeiten mit einem seiner Dreamliner, berichtet das WSJ. Es handele sich um das gleiche Kabelproblem, das auch bei der Maschine in Boston am Montag für Probleme aufgetreten sei. United Airlines habe nach dem Vorfall in Boston am Montag seine Flugzeuge überprüft und sei so auf das Problem gestoßen.

Der Boeing Dreamliner ist das Prestigeprojekt des Airbus-Konkurrenten. Seit dem Start im September 2011 wurden bereits 49 Flugzeuge ausgeliefert, so das WSJ. Ein Dreamliner koste derzeit 207 Millionen Dollar (circa 160 Millionen Euro). Und aufgrund der Größe und Komplexität der Maschinen, sind Probleme schwer auszuschließen. Der ausschlaggebende Grund für die Größe der neuen Flaggschiffe von Boeing und Airbus sei die Rentabilität, sagte Markus Wahl. Doppelt so viele Passagiere bedeuteten auch doppelt so viele Einnahmen.

Die Probleme beim Dreamliner in dieser Woche seien „nicht spezifisch für Boeing“, so Markus Wahl. Auch Airbus konnte aufgrund technischer Probleme sein neues Modell erst mit jahrelanger Verspätung ausliefern. Und auch da habe es eine Reihe von Kinderkrankheiten gegeben. Zuletzt hatte es bei Airbus Probleme mit giftigen Dämpfen an Bord gegeben (mehr hier).

Die Hauptaufgabe der Piloten bestehe darin, die Passagiere auch mit den ganz großen Maschinen sicher zu transportieren. „Dafür sind Piloten da“, sagt Markus Wahl. Doch mitunter schlägt Cockpit auch sehr kritische Töne an. Vorschläge der EU zu den Regelungen der Flugdienstzeiten nannte Cockpit-Präsident Ilja Schulz inakzeptabel. Piloten sollten stets ausgeschlafen sein. „Wir werden nicht akzeptieren, dass man die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen verkauft“, sagte Schulz.

Der neue Zwischenfall dürfte den Druck auf Boeing enorm erhöhen. Vermutlich müssen sich auch die Airlines einmal mit dere Frage beschäftigen, ob es nicht vielleicht doch eine Grenze der technischen Machbarkeit in der zivilen Luftfahrt geben muss. Das Beispiel der Concorde sollte eigentlich noch allen in Erinnerung sein: Der Typ wurde erst aus dem Verkehr gezogen, nachdem es in Paris einen Absturz mit 113 Toten gegeben hatte.

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