Finanzen

Steuerzahler sollen für Commerzbank-Vorstände zahlen

Lesezeit: 1 min
21.08.2013 06:12
Zwei Vorstände der Commerzbank sollen gehen. Doch der Bund streitet noch über die Höhe der Abfindungen für diese. Während der Bund nicht mehr als eine Million pro Person zahlen will, drängen die Vorstände aber auf mindestens das Doppelte.
Steuerzahler sollen für Commerzbank-Vorstände zahlen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Commerzbank könnte den deutschen Steuerzahler nun noch einmal teuer zu stehen kommen – und zwar mit Blick auf die scheidenden Vorstände der Commerzbank.

Im Zuge des Gewinneinbruchs im letzten Quartal hatte die Bank angekündigt, den eigenen Vorstand zu verkleinern (hier). Und ausgerechnet von den zwei Vorständen, die die Chefs der internen Bad Bank waren, ist die Rede: Klösges und Sieber. Doch die Trennung von den zwei Vorständen, die der Commerzbank Geld sparen soll, wird nun für den Bund teuer. Angesichts der Wahlen versucht der Bund, die Abfindung der beiden jedoch möglichst niedrig zu halten.

Der Bund sei bereit, bis zu einer Million Euro zu bezahlen, berichtet das Handelsblatt mit Verweis auf Regierungskreise. Diese Grenze geht demnach auf einen Rahmenvertrag zwischen der Commerzbank und der Soffin zurück (Dez. 2008). In diesem heißt es, dass die Abfindung maximal zwei Jahresgehälter umfassen dürfte. Und weil es zu dieser Zeit eine Gehaltsobergrenze für Vorstände der Commerzbank in Höhe von 500.000 Euro im Jahr gab, wären dies Abfindungen in Höhe von einer Millionen Euro für jeden der beiden scheidenden Vorstände.  Deshalb versuche der Bund, dies nun über die Bundestagswahl hinaus zu zögern.

Doch als wären zwei Millionen Euro für die beiden gescheiterten Vorstände nicht genug, wollen diese eine noch höhere Abfindung vom Bund und somit vom Steuerzahler. Schließlich sind die Vorstandsgehälter der Commerzbank mittlerweile wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr verdienten die Vorstände immerhin 130 Prozent mehr als im Vorjahr (hier).

Mit einem Festgehalt in Höhe von etwa jeweils 750.000 Euro jährlich und diversen Boni wollen die beiden Vorstände Finanzkreisen zufolge jeweils etwa 2,5 Millionen Euro. Denn der Deutsche Kodex für gute Unternehmensführung sieht eine Miteinberechnung der Boni vor:

„Bei Abschluss von Vorstandsverträgen soll darauf geachtet werden, dass Zahlungen an ein Vorstandsmitglied bei vorzeitiger Beendigung der Vorstandstätigkeit einschließlich Nebenleistungen den Wert von zwei Jahresvergütungen nicht überschreiten (Abfindungs-Cap) und nicht mehr als die Restlaufzeit des Anstellungsvertrages vergüten.“

Ob der Kodex oder der Rahmenvertrag von 2008 im Fall der beiden Vorstandsmitglieder gilt, wird sich möglicher Weise vor dem Arbeitsgericht zeigen. In jedem Fall wird aber der Bund Millionen Euro für die Abfindung von Vorständen einer teils verstaatlichten Bank zahlen. Ein äußerst groteskes Bild für den deutschen Steuerzahler.

Selbst nach der Verstaatlichung muss der Bund noch einmal Gelder locker machen - diesmal um die Vorstände auszubezahlen (Screenshot DWN).
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Strategiepapier: EU will Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren, geht gegen City of London vor

Wenige Tage vor der Amtseinführung Joe Bidens ist ein Strategiepapier der EU aufgetaucht, dass es in sich hat. Unter anderem wird darin...

DWN
Politik
Politik China wirft Westen im Kampf gegen Corona-Virus „Inkompetenz“ vor

Das mediale Sprachorgan der Kommunistischen Partei Chinas erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA und Europa.

DWN
Finanzen
Finanzen Historisches Jahr für mit Gold hinterlegte Börsenfonds war erst der Anfang

Im Gesamtjahr 2020 haben die mit Gold hinterlegten börsennotierten Fonds (ETFs) mit Abstand mehr Gold zu ihren Beständen hinzugefügt als...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax präsentiert sich vor Entscheidung über Anti-Corona-Maßnahmen solide

Das deutsche Leitbarometer ist gerade dabei, die Verluste vom vergangenen Freitag auszugleichen. Heute präsentieren zwei US-Großbanken...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Finanzen
Finanzen Banken im Euroraum strenger bei Kreditvergabe, EU-Wirtschafts- und Finanzminister beraten über faule Kredite

Die Banken in der Eurozone haben ihre Standards für die Kreditvergabe weiter verschärft. Währenddessen wollen die EU-Wirtschafts- und...

DWN
Politik
Politik Corona-Leaks: Merkel hört nur auf „fachlich einseitige“ Infos zur Pandemie

Der Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums, der in einem geleakten Dokument das Corona-Virus als „globalen Fehlalarm“ eingestuft...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Mehrheit der Deutschen scheut den Kauf eines Elektroautos – zu Recht

Eine Studie offenbart die weit verbreitete Skepsis der Deutschen hinsichtlich der Anschaffung eines Elektroautos. Schaut man sich die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Linde baut in Sachsen-Anhalt größte Wasserstoff-Anlage der Welt

Linde hat in den vergangenen Monaten eine regelrechte Offensive von Wasserstoff-Projekten gestartet. Gerade das letzte, das der Konzern im...

DWN
Politik
Politik Geopolitik und Finanzsystem: Worum es beim Konflikt zwischen China und den USA wirklich geht

Die Stärke Chinas beruht auf seiner Kooperation mit den US-Finanzinstitutionen. Das beunruhigt Washington. Deshalb gilt: Wenn die...

DWN
Politik
Politik Pflicht zur Anmeldung von Insolvenzen wird erneut verschoben

Die Pflicht zur Anmeldung von Insolvenzen wird erneut verschoben. Begründet wird dies auch mit dem Versagen der Bundesregierung bei der...

DWN
Politik
Politik Ein Mann sieht rot: Söder will Lockdown bis Mitte Februar verlängern

Vor den neuen Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine Fortführung des Lockdowns...

DWN
Deutschland
Deutschland „Original Play“ sofort verbieten: Wie in Deutschlands Kitas Kindesmissbrauch gefördert wird

„Original Play“ nennt sich ein Konzept, demzufolge wildfremde Männer gegen eine Gebühr in deutsche Kitas gehen dürfen, um mit...

DWN
Politik
Politik Norwegen: Anzahl der Toten nach Corona-Impfung steigt von 23 auf 29

Bloomberg berichtet, dass in Norwegen die Anzahl der Toten nach Corona-Impfungen von 23 auf 29 Personen gestiegen ist. Alle gemeldeten...