Sozialversicherung: Neue Beiträge kosten Unternehmen 3,6 Milliarden Euro

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
17.10.2013 02:47
Im kommenden Jahr kommen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber deutlich höhere Sozialabgaben zu. Für die überwiegende Mehrheit der Versicherten ändere sich jedoch nichts, sagt das Arbeitsministerium. Doch die Erhöhung der Beitragsgrenze belastet die deutsche Wirtschaft mit 3,6 Milliarden Euro jährlich. Für innovative Unternehmen ist das keine Einladung, sich in Deutschland anzusiedeln.
Sozialversicherung: Neue Beiträge kosten Unternehmen 3,6 Milliarden Euro

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am Mittwoch gab das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt, dass die Beitragsgrenzen für Sozialabgaben ab dem kommenden Jahr wieder angehoben werden. Für das Ministerium handelt es sich aber nur um eine Lappalie. Schließlich würden die „Rechengrößen turnusmäßig angepasst“, heißt es in der Mitteilung des Minsiteriums.

Die übliche Phrase des Ministeriums: Die überwältigende Mehrheit der Bürger werde durch diese Maßnahme nicht im mindesten belastet.

Die entsprechende Präzisierung des Ministeriums auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten:

„Das (die genaue Höhe der Belastung für die Arbeitnehmer, Anm. d. Red.) lässt sich leider nicht belastbar beziffern. Denn es hängt von einer Reihe von Faktoren ab, z.B. der Frage, wer wann in welchem Maße in 2014 über der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze verdienen wird bzw. heute schon verdient und damit ab 1. Januar 2014 höhere Sozialabgaben entrichten muss. Da Sozialabgaben steuerlich absetzbar sind und dies wiederum u.a. mit der Kinderzahl, dem Einkommen des Ehepartners etc. zusammenhängt, und weil sich ggf. die Höhe der Beitragssätze ab Januar 2014 verändert, lässt sich schlicht nicht sagen, wie viele Beschäftigte davon betroffen sein werden.“

Die Beitragsbemessungsgrenzen werden ab 2014 so angehoben, dass ab einem monatlichen Bruttogehalt von 3.937,50 Euro höhere Sozialabgaben gezahlt werden müssen. Dadurch kommen, je nach exakter Höhe des Einkommens jährliche Mehrkosten in Höhe von bis zu 251 Euro auf die Arbeitnehmer zu. Da die Beiträge zur Sozialversicherung in Deutschland fast zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur Hälfte vom Arbeitnehmer bezahlt werden, kommen die Mehrkosten auch auf die deutschen Arbeitgeber zu.

Dem Bundesministerium zufolge, hat dies aber auf die meisten Deutschen keine Auswirkung: „Für die weit überwiegende Mehrheit der Versicherten ändert sich die Beitragsbelastung durch die neuen Werte im Jahr 2014 nicht.“

Im August lag die Zahl der Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Deutschland bei etwa 41,82 Millionen, so das Statistische Bundesamt. Dem DIW zufolge liegt dabei der Anteil der Selbständigen bei 11,7 Prozent, fast 4,9 Millionen. Das durchschnittliche Gehalt der Deutschen liegt derzeit bei etwa 3.447 Euro (hier). Von den nahezu 37 Millionen Arbeitnehmern erhalten nach DWN-Berechnungen etwa 20 Prozent ein Bruttogehalt, das über der Grenze von 3.937,50 Euro, also 7,4 Millionen Arbeitnehmer.

Bei jährlichen Mehrkosten in Höhe von bis zu 251 Euro pro Arbeitnehmer wären dies immerhin bis zu 1,857 Milliarden Euro mehr, die die Arbeitnehmer, die über der Beitragsgrenze sind, insgesamt mehr bezahlen müssen. Auf die Arbeitgeber kommen dementsprechend ebenfalls jährliche Mehrkosten von fast 1,857 Milliarden Euro zu. Das belastet die deutsche Wirtschaft mit Mehrkosten in Höhe von 3,6 Milliarden Euro jährlich.

Und das belastet am Ende auch die Arbeitnehmer: Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es oft entscheidend, wie hoch die Sozialabgaben sind. Ein mittelständisches Unternehmen überlegt es sich zweimal, ob er sich - gerade in unsicheren Zeiten - leisten kann, einen Mitarbeiter fest anzustellen. Ein innovatives Unternehmen, das hochbezahlte Fachkräfte braucht, wird nie einen Bail-Out bekommen. Es muss rechnen. Je weniger Abgaben für staatliche Moloche entrichtet werden, desto mehr Leute können beschäftigt werden.

Alles nicht neu: Nachzulesen bei Ludwig Mises (Die Bürokratie, 1944).

Im Moment erleben wir das Gegenteil (mehr hier).

Wann wird es die Bundesregierung kapieren: Nur die Selbstbeschränkung des Staates kann dazu führen, dass Unternehmen in Deutschland hohe Löhne und Gehälter zahlen können.

Und zwar an die Mitarbeiter.

Nicht an den Staat.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Politik
Politik Corona: Erst haben unsere Politiker Deutschland in die Krise geführt - jetzt vollenden EU-Bürokraten das Werk

Die Corona-Maßnahmen in Deutschland waren unnötig, das Missmanagement der Politiker geht aber munter weiter. Die Auswirkungen für...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Ticker: Merkel warnt vor stark steigenden Infektionszahlen

Lesen Sie alle wichtigen Meldungen zur Corona-Pandemie im Liveticker.

DWN
Finanzen
Finanzen Wer am stärksten vom Rückgang der Reallöhne in Deutschland betroffen ist

Die Löhne der Deutschen sind im laufenden Jahr erstmals seit Langem wieder gesunken.

DWN
Finanzen
Finanzen Intervention der türkischen Zentralbank verpufft, Lira-Verfall beschleunigt sich

Die Leitzinsanhebung der türkischen Zentralbank ist wirkungslos verpufft, der Wertverfall der Landeswährung Lira beschleunigt sich...

DWN
Marktbericht
Marktbericht DAX fest im Griff der Corona-Diskussionen - heute Lagarde mit Rede

Die Diskussionen über die Ausbreitung der Pandemie wirken sich wieder negativ auf die Börsen aus. Heute werden erneut Konjunkturdaten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple baut in Dänemark gigantischen Windpark - größer als der Kölner Dom

Ein schleppender Neubau und anhaltende Proteste von Anwohnern haben in der Vergangenheit die Windparkbranche belastet. Jetzt kommen...

DWN
Politik
Politik Poseidons verdrecktes Paradies: Die Tragik eines rechtsfreien Raums

Diese Woche befasst sich Ronald Barazon mit der Verschmutzung der Weltmeere. Ein eindrucksvoller Essay: Tiefgehende Analyse und flammende...

DWN
Politik
Politik Immer noch unangreifbar, aber nicht mehr Zentrum der Welt: Die USA werden ihr Imperium aufgeben müssen

In Folge vier der großen geopolitischen DWN-Serie analysiert Moritz Enders, wie die geografische Lage der USA ihre Außen-, Sicherheits-...

DWN
Finanzen
Finanzen Größte Krise seit hundert Jahren: Jetzt hilft nur noch ein radikaler Schuldenschnitt

Weder unser Geld noch unsere Forderungen sind noch durch reale Wirtschaftsleistungen gedeckt - ein Nährboden für gesellschaftliche...

DWN
Politik
Politik Ein Licht im Osten, Teil zwei: Putin wird ein Weißrussland ohne Lukaschenko akzeptieren

Lukaschenko läuft die Zeit davon: Das sagt der ehemalige polnische Ministerpräsident und EU-Ratspräsident, Donald Tusk, im zweiten Teil...

DWN
Technologie
Technologie Vollständig transparente Sonnenkollektoren revolutionieren die Solar-Technologie

Mit einer neuen Technologie ist es möglich, Fenster an Gebäuden anzubringen, die gleichzeitig als Sonnenkollektoren genutzt werden, um...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach dem Brexit: Entsteht ein neuer Handelsraum zwischen Lissabon und Wladiwostok?

Ein verstärkter Handel mit den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion könnte den Brexit für Deutschland und Europa wirtschaftlich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Finanzelite profitiert von angeblichem Enthüllungsbericht: Frontalangriff auf die Deutsche Bank

Das Medienportal "Buzzfeed" behauptet, bisher unbekannte Verfehlungen der Deutschen Bank aufgedeckt zu haben. DWN-Kolumnist Ernst Wolff...

DWN
Politik
Politik Polen und die USA, 1. Teil: Vereint gegen Deutschland und Russland

Polen begegnet Deutschland und Russland traditionell mit Argwohn. Warschau ist längt nach Washington ausgeschwenkt, um bald eine...

celtra_fin_Interscroller