Finanzen

Zuviel Staat: Arbeitskosten steigen, Reallöhne sinken

Lesezeit: 2 min
27.03.2013 00:56
Eine Arbeitsstunde kostet die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft 31 Euro. Beim Arbeitnehmer kommt nur ein Bruchteil davon an. Der Staat melkt Privatwirtschaft und Bürger, um eine beständig wachsende Staats-Wirtschafts zu alimentieren. Eine längere Rezession bringt das gesamte System zu Fall.
Zuviel Staat: Arbeitskosten steigen, Reallöhne sinken

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Die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft bezahlten im Jahr 2012 durchschnittlich 31 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Das sind 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit lagen die Arbeitskosten in Deutschland 32 Prozent über dem Durchschnitt in der EU, meldet das Statistische Bundesamt. Eine Arbeitsstunde in der Industrie kostet die deutschen Arbeitgeber sogar 47 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt.

Die Arbeitskosten unterscheiden sich innerhalb der EU erheblich (siehe Grafik). Schweden hatte die höchsten und Bulgarien die niedrigsten Arbeitskosten je geleistete Stunde.

Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. So zahlten 2012 die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft je 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 27 Euro Lohnnebenkosten. Hauptbestandteil der Lohnnebenkosten sind vor allem die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen, die Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung sowie die Aufwendungen für die Lohn- und Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall.

Lohnnebenkosten relativ zum Bruttolohn unter EU-Durchschnitt

Die Lohnnebenkosten in Deutschland liegen deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32 Euro pro 100 Euro Bruttolohn. Allerdings sind die Bruttolöhne in Deutschland relativ hoch, sodass auch die Lohnnebenkosten nur relativ zum Bruttolohn niedrig erscheinen. Absolut betrachtet sind die deutschen Lohnnebenkosten alles andere als niedrig. Auch was die Lohnnebenkosten angeht, gibt es große Unterschiede in der EU (siehe Tabelle unten).

Im Jahr 2001 lagen die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft noch bei 25,60 Euro. Seitdem sind sie pro Jahr im Schnitt um 1,9 Prozent gestiegen. Von 2001 bis 2010 stiegen die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft langsamer als der EU-Durchschnitt. In den Jahren 2011 und 2012 erhöhten sie sich stärker als in der gesamten EU.

Doch obwohl in Deutschland die Arbeitskosten für die privaten Arbeitgeber in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, liegen die Reallöhne der Arbeitnehmer heute niedriger als vor zehn Jahren (mehr hier).

Zwar ist der Hauptgrund für das Fallen der Reallöhne die Inflation. Doch darf nicht übersehen werden, dass auch die Lohnsteuern über die kalte Progression deutlich gestiegen sind, sodass höhere Arbeitskosten nicht auch die Nettolöhne entsprechend erhöhen (mehr hier).

Es ist daher vor allem der Staat, der die Arbeitskosten der deutschen Privatwirtschaft über Steuern und Abgaben in die Höhe treibt. Dies muss vor allem dann kritisch betrachtet werden, wenn das Geld in problematische Megaprojekte wie den Berliner Großflughafen, das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 oder die Hamburger Elbphilharmonie gesteckt wird.

Die Privatwirtschaft finanziert zudem die ausufernden Verwaltuingen im Bund und in Brüssel. Hinzu kommen die bekannten und versteckten Kosten für die Euro-Rettung.

Tatsächlich läßt sich anhand der Zahlen belegen: Westeuropa ist dazu übergegangen, dass die Privtawirtschaft eine immer größere und immer weniger kontrollierbare Staats-Wirtschafts finanzieren muss.

Noch können in den reichen Staaten den Nordens die Ungleichgewichte kaschiert werden, indem man den Leuten immer mehr Steuern aus der Tasche zieht. In dem Moment, wo die Wirtschaft jedoch in die Rezession rutscht, ist das Spiel vorbei.

In Griechenland, Portugal oder Spanien ist dieser Auflösungs-Prozess bereits in vollem Gang.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Deutschland fragen muss: Was machen wir eigentlich, wenn wir nicht mehr genug private Unternehmen haben, die uns die Einnahmen für einen überbordenden Staatsapparat und nicht nachhaltige Transferleistungen in die Kassen spülen?

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