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Tom Buhrow: Nebenverdienst-Experte wird WDR-Intendant

Lesezeit: 3 min
30.05.2013 00:36
Der TV-Moderator Tom Buhrow wurde zum neuen Intendanten des WDR gewählt. Er wird einen Etat von 1,4 Milliarden Euro, die zum großen Teil aus der GEZ kommen, verwalten. Buhrow ist ein ausgewiesener Finanzexperte: Durch zahlreiche Nebenverdienst-Auftritte konnte er sich ein gutes Bild von der Welt der Wirtschaft verschaffen.
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Über Tom Buhrows politische Ansichten weiß die Öffentlichkeit wenig. Das könnte ihm am Ende den Sieg bei der WDR-Intendanten-Wahl gebracht haben. Er setzte sich gegen einen schwarzen und gegen einen roten Favoriten durch. Das schlanke, 48-köpfige Aufsichtsgremium des WDR jubelte daher auch nach der Wahl: Man habe gezeigt, wie transparent und unabhängig der Sender geworden sei.

O-Ton WDR:

Zur Wahl von Tom Buhrow erklärte die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats Ruth Hieronymi: „Ich begrüße die Wahl von Tom Buhrow als zukunftsweisende Entscheidung für den WDR. Die anstehenden programmlichen und finanziellen Herausforderungen erfordern eine zukunftsorientierte Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine hohe Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft nach innen und außen. Dafür erfüllt Tom Buhrow alle Voraussetzungen und kann im WDR auf einer soliden Basis mit einer hochprofessionellen und engagierten Mitarbeiterschaft aufbauen.

Auf Wikipedia kann man nachlesen, warum Tom Buhrow der ideale Manager zur Verwaltung von 1,4 Milliarden Euro und 4.100 Mitarbeitern ist: Er kam von der Regional-Redaktion des Bonner Generalanzeigers zum WDR. Dort war er: Volontär, Redakteur, Reporter, Chef vom Dienst, Korrespondent und Moderator.

Tom Buhrow hat also nie auch nur ein mittleres Team von Journalisten geleitet, etwa mit Budget-Verantwortung. Genau das macht ihn zur „zukunftsweisenden“ Person mit hoher „Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft nach innen und außen“.

Denn Buhrow kann ganz und gar unbelastet an sein Amt herangehen. Er wird sich nicht in komplexen Wirtschafts-Fragen oder gar Spar-Themen verlieren. Denn er weiß, dass das Geld vom Gebührenzahler kommt, zwangsweise eingezogen, in guten und in noch höherem Maß in schlechten Zeiten.

Mehr braucht ein Intendant eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht zu wissen.

Doch wer Buhrow nun als Apparatschik abqualifizieren möchte, tut dem neuen Chef des WDR unrecht. Buhrow hat nicht nur hohe Kommunikationsbereitschaft nach innen bewiesen. Er hat auch hohe Kooperationsbereitschaft nach außen bewiesen.

Buhrow hat immer den Kontakt zur realen Welt gesucht. Und daher er weiß er, dass es außerhalb des öffentlich-rechtlichen Betriebs noch mehr Geld zu verdienen gibt. Dies macht ihn zum geschätzten Gesprächspartner in der Welt von Politik und Wirtschaft, eine Eigenschaft, die der Intendant des WDR unbedingt braucht.

Anders als andere Journalisten kennt Buhrow die große Welt der Wirtschaft nämlich nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung.

Das Magazin Zapp des NDR hatte im Zuge der Diskussion um die Nebenverdienste der TV-Moderatoren Buhrow als einen der Spitzenverdiener ausgemacht: Für ein Interview mit Kurt Beck, damals SPD-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und heute immer noch in wichtigen Rundfunkgremien vertreten, kassierte Buhrow von einem Sekthersteller 10.000 Euro. Für einen halbstündigen Vortrag für die Deutsche Bank verlangte seine Agentur 20.000 Euro – und bekam diese auch, obwohl die Veranstaltung wegen der Finanzkrise abgesagt wurde.

Hier hat Buhrow gelernt, dass die Finanzkrise eben in jedem Fall an den Pforten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Halt macht. Daher sind auch die Gehälter der Intendanten bescheiden, gemessen an den „anstehenden programmlichen und finanziellen Herausforderungen“. Buhrows Vorgängerin Monika Piel etwa musste mit 308.000 Euro jährlich (ohne Zulagen) ihr Auskommen finden.

Dank seiner Erfahrungen mit der Deutschen Bank hat Buhrow auch gelernt, was Vertragstreue im öffentlich-rechtlichen Kontext bedeutet: Es muss gezahlt werden, auch wenn dafür nichts geleistet wird. Allein diese Erkenntnis qualifiziert ihn im höchsten Maße als Chef des WDR.

Und noch eine wichtige Eigenschaft bringt Buhrow mit: Diskretion. Er hat sich nie zu seinen Nebeneinkünften geäußert. Das verbietet ihm der Anstand. Es gibt daher keine Offenlegungen, keinen Begründungen, keinen lästigen Zwang zur Rechtfertigung im Falle der seinerzeit umstrittenen Nebentätigkeiten.

Die Diskretion hat auch auf seine Agentur abgefärbt: Wer heute auf der Zapp-Website auf den Link „Nowak-Communications: Die Agentur vermarktet unter anderem TV-Moderatoren wie Tom Buhrow, Nina Ruge und Ulrich Wickert“ klickt, kommt auf einen Link, den die Agentur totgelegt hat. Auch auf der Website der Agentur findet man kein Wort über Tom Buhrow. Zapp berichtet, dass die Agentur 20.000 Euro pro Auftritt von Buhrow berechnet hat.

Damit beweist Buhrow die für den WDR so wichtige Digitalkompetenz. Er zeigt, dass es wichtig ist, im Internet Spuren zu verwischen. Das ist technisch nicht immer ganz einfach und meist nur mit der „hohen Kooperationsbereitschaft“ aller Beteiligten zu erreichen.

Tom Buhrow ist also der „hochprofessionelle“ Mitarbeiter, wie er an der Spitze der WDR stehen soll.

Seine bisherigen Leistungen und Erfahrungen garantieren dem Gebührenzahler, dass die Themen Bürgernähe, Korruption, Hygiene, Unbestechlichkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Distanz, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und kritischer Journalismus im WDR künftig jenen Stellenwert beibehalten, der ihnen im Selbstverständnis der öffentlich-rechtlichen Doktrin gebührt.

Für das System sind das gute Nachrichten: Tom Buhrow ist berechenbar. Er wird den WDR in dem Sinn fortführen, wie der WDR immer schon war.

Bei seiner Antrittspressekonferenz sagte Buhrow wörtlich: „Ich liebe doch alle, alle Menschen!“ „Ich liebe den WDR.“ (toter Link).

Die zahlreich anwesenden, kritischen WDR-Journalisten spendeten ihrem neuen Chef am Ende der Pressekonferenz donnernden Applaus.

Sie alle wissen: Tom Buhrow garantiert dem WDR jene Kontinuität, die den Sender zu einer der beliebtesten Anstalten der Welt gemacht hat.

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